Das Beste aus beiden Welten verbinden
Kolumne: Breitband versus mobil?

Ungeachtet des weitverbreiteten UMTS-Fiebers: Mobilität und Breitband bleiben in vieler Hinsicht gegensätzliche, wenn auch komplementäre, Entwicklungen des heutigen Internets. Selbst das Silicon Valley beginnt gerade erst, an ganzheitlichen Lösungen zu arbeiten. Zwei Lektionen vorweg: Durch Internet zum Pauschaltarif verwöhnte Nutzer von Breitbandtechnologie werden kaum hohe Preise für mobilen Internetzugriff akzeptieren. Und die Inhalte-Anbieter werden sich daran gewöhnen müssen, beim mobilen Internet für die Listung ihrer Angebote zahlen zu müssen.

Zwei Innovationstreiber sind es zurzeit, die dem Internet neue Dynamik verleihen: der schnelle Breitbandanschluss (derzeit Kabel oder DSL) auf der einen Seite und das mobile Internet in den Varianten WAP in Europa und i-mode in Japan auf der anderen Seite.

Hier im Valley realisieren Technologiehersteller ebenso wie E-Commerce-Unternehmen zusehends, wie sehr diese Entwicklungen in unterschiedliche Richtungen zielen. Das Internet am großen Schirm oder kleinen Display ist nicht nur eine Frage des Formats.



Werte

Breitband


Mobil


Bandbreite

ausgiebigknapp

Kosten

niedrig, "always-on"hoch,


meist zeit- sonst


datenabhängig

Bildschirm

großklein

Gerät

TV/KonsolenMobiltelephon PDA/Subnotebook


Auto-Plattform

Nutzung

Ortsgebunden


Persönlich oder


gemeinsam
"Überall lokal"


Sehr persönlich

Navigation

Maus und Tastatur


Fernbedienung


"Joy-Stick"
Stift


Telefontastatur


Sprache

Dienste
(Schwerpunkt)

Unterhaltung


Multimedialer


Commerce


Bildung/Erziehung
Kommunikation


Information


Gezielte Transaktion

Geschäftssysteme

Werbung


Evtl. Pay per View


E-Commerce
Zeitabhängige Gebühren


Dienst-/Transaktions-


gebuehr

Geschäftsmacht

Inhalteanbieter/ AggregatorenZugangsdienst

Trends

Kompression und


Streaming


Digital Rights Management


Visual Commerce


Micropayments


Konsolen-Entwicklung
Drahtlose Synchronisierung


(Bluetooth)


Spracherkennung


Darstellungs- und Suchtechnologien


Standards


(2.5 und 3. Generation)


E-Papier


Kompression und Streaming


Die Nutzer verlangt es nach Bestem aus beiden Welten

Diese Unterschiede dürfen nicht unterschätzt werden: So schnell sich das mobile Internet auch entwickeln mag, Spektrum wird immer knapp und Gewicht/Größe immer limitiert bleiben. Breitbandkonsumenten gewöhnen sich erfahrungsgemäß schnell an ein "always-on" Internet, also den Zugriff ohne Zeitbegrenzung, und kostenpflichtige Einwahlvorgänge stoßen bei dieser Zielgruppe auf Ablehnung. Auf der anderen Seite erwartet der Konsument zunehmend einen sofortigen Zugang, wo auch immer er ist.

Für Unternehmen, die sich auf das künftige Internet einstellen wollen, sind zwei Aspekte besonders wichtig: Geschäftssysteme und Geschäftsmacht.
Das breitbandige Internet erlaubt im Großen und Ganzen eine Fortführung bisheriger Geschäftssysteme. Allerdings werden neue Inhalte auf das Web wandern, Werbung wird reichhaltiger und die Anbieter multimedialer Inhalte werden an Einfluss gewinnen. Billiger, soviel steht fest, werden attraktive Webseiten in Zukunft sicher nicht.
Alle großen Medienunternehmen, von Printmedien über Musik und Film bis hin zu den großen Online-Portalen und Zugangsdiensten sind seit etwa einem Jahr im Breitbandfieber - der vorläufige Höhepunkt war der Mega-Zusammenschluss zwischen AOL und Time-Warner. Die Unternehmen haben eine große Hoffnung: Wenn Internetnutztung zum Pauschaltarif möglich ist, soll der Gebrauch des neuen Mediums selbstverständlich werden.

Die neue Macht der Zugangsdienste

Das mobile Internet hingegen verlangt nach neuen Geschäftssystemen. Niemand wird von Werbung auf Mobilplattformen leben können: Dazu gibt es zu wenig Platz und Bandbreite. Mobile Plattformen sind zwangsläufig auf Effizienz getrimmt. Noch wesentlicher ist jedoch die neue Macht der Zugangsdienste im mobilen Internet. Während zu Anfang viele Anbieter hochwertiger Inhalte glaubten, für ihre mobilen Dienste Gebühren vom Infrastruktur-Serviceanbieter verlangen zu können, müssen viele nun feststellen, dass sie im Gegenteil für die Listung ihrer Seiten zahlen müssen.

Damit wird das mobile Internet für alle nicht transaktionsorientierten Unternehmen (und auch für viele transaktionsorientierte Unternehmen, wie z.B. Charles Schwab oder Amazon.com) statt eines Vertriebskanal zu einem Kostenfaktor im Marketingbudget.

Mischformen werden sich durchsetzen

Die unterschiedlichen Eigenschaften der mobilen Welt und der Breitbandwelt führen dazu, dass nur in den seltensten Fällen ein völlig paralleles Geschäftssystem aufrechterhalten werden kann. Statt dessen wird eine Plattform die primäre Geschäftsbasis bilden, während die andere eine komplementäre Funktion übernimmt. Beispielweise derart, dass Kunden Transaktionen auf mobiler Basis zur Verfügung stehen. Die Grunddatenverwaltung und Personalisierung wird dagegen via Breitbandanschluss vorgenommen. Oder umgekehrt bildet eine werbefinanzierte Breitbandseite die Geschäftsbasis und der mobile Anschluss dient primär der stärkeren Kundenbindung.

Wie auch immer diese Entwicklung weitergeht, Unternehmen hier im Valley fangen fieberhaft an, komplementäre Lösungen für die Kombination von Breitband und Mobilität zu erarbeiten. Man ist sich einig, dass, so schön die Vielfalt aus Kundensicht ist, das neue Internet-Duopol eine weit größere Herausforderung darstellt, als eine der Technologien allein. Highway 101 wird die Szene weiter begleiten.

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