Das bestehende Netz wird technisch aufgerüstet
GSM-Mobilfunknetz hat noch nicht ausgedient

Bis der schnelle Datentransfer zwischen Handy und Internet durch die dritte Mobilfunkgeneration UMTS möglich wird, rüsten die Telefongesellschaften das bestehende Netz auf.

HANDELSBLATT, 26.6.2000 gil DÜSSELDORF. Die Einführung der Wap-Dienste war der erste Schritt, das Handy an das Internet anzubinden. Dieser in Deutschland vor allem von Nokia und Mannesmann propagierte Dienst erlaubt es, über das bestehende Mobilfunknetz speziell aufbereitete Internetseiten auf das Handy zu übertragen. Zwar war der Start mühsam, denn es gab kaum Anbieter von Diensten und den dafür nötigen Handys, doch inzwischen füllen sich die Lücken. Nach den ersten Modellen von Motorola und Siemens bieten inzwischen fast alle Handy-Hersteller Wap-fähige Modelle.



Bosco Novak, Geschäftsführer von Nokia in Düsseldorf, erwartet, dass Wap ein Markterfolg wird. "Nokia hat bereits 40 Netzbetreiber mit den nötigen Systemen ausgerüstet." Die anderen großen Netzausrüster wie Ericsson, Siemens und Motorola melden ähnliche Auftragszahlen. Auch wenn die niedrige Übertragungsrate von maximal 9 600 Bits pro Sekunde die Anwendung mühsam macht, rechnet der Nokia-Geschäftsführer damit, dass alle Netzbetreiber Wap anbieten werden, zumal die Investitionen der Telefongesellschaften relativ gering sind.



Eine wesentliche Erhöhung der Übertragungsraten im bestehenden GSM-Netz bietet die "High Speed Circuit Switched Data", kurz HSCSD genannte Technik. Sie ermöglicht Übertragungsraten von maximal 57 000 Bits pro Sekunde und kann so mit dem Festnetz konkurrieren. E-Plus und Nokia haben diese Technik in Deutschland bereits eingeführt, Mannesmann plant es. Ericsson hat Produkte für das 4. Quartal 2000 angekündigt.



"In Europa hat jedes Land mindestens einen Anbieter mit HSCSD", sagt Novak. Anwender werden vor allem die "Laptopmanager" sein, denn das Nokia-HSCSD-Handy ist eine Karte, die in den Laptop eingesteckt wird. Novak sieht die Technik nicht als Übergang bis noch höhere Übertragungsraten möglich sind. Es werde eine dauerhafte Lösung sein, denn die Investitionen der Netzbetreiber in die Technik seien relativ gering und dem Anwender biete es einen leitungsgebundenen Dienst mit hoher Sicherheit.



Während HSCSD die Leitungen des bestehenden GSM-Mobilfunknetzes nutzt, teilt der Dienst "General Packet Radio Service" (GPRS) die Daten in einzelne Pakete auf, sendet sie getrennt über das Internet und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. So werden maximal Übertragungsraten von 115 000 Bits je Sekunde möglich, abhängig von der jeweiligen Netzkapazität. Die Telekom-Tochter T-Mobil hat gerade angekündigt, diesen Dienst einzuführen, 70 % der Fläche Deutschlands seien mit der Technik versorgt. Bis zum Jahresende soll der Rest erfolgen. GPRS ermöglicht einfachen und schnellen Zugang zum Internet übers Handy. Die Nutzungskosten könnten stark sinken, denn die Abrechnung kann nicht mehr nach der Nutzungszeit, sondern nach übertragenen Daten erfolgen.



Nokia

-Geschäftsführer Novak erwartet, dass alle vier großen Netzbetreiber von Mobilfunknetzen in Deutschland GPRS in diesem Herbst installieren. Denn auch hier seien die Kosten für den Netzaufbau relativ gering, da das vorhandene GSM-Netz genutzt wird. T-Mobil beziffert die Investitionen auf 300 Mill. DM. "Die Nutzung wird hoch sein", prophezeit Nowak. Denn mit GPRS kann der Kunde permanent online bleiben. Nowak erwartet auch eine hohe private Nutzung, denn es werde möglich, Fotos oder Musik übers Handy aus dem Internet herunterzuladen.



Nokia

hat laut Novak bereits 40 GPRS-Systeme weltweit ausgeliefert und sieht sich als Marktführer. Wie in der Branche üblich, reklamiert auch die Konkurrenz die Marktführerschaft für sich. Ericsson betont, mehr als die Hälfte der GPRS-Aufträge erhalten zu haben. 44 Systeme habe der Konzern ausgeliefert, diese Netzbetreiber hätten über 95 Millionen Kunden. Und Motorola verweist auf Lieferungen in 15 Länder. Die Amerikaner bauen in Berlin eigens ein Entwicklungszentrum für GPRS-Lösungen.



Allerdings sind die für GPRS nötigen Handys noch nicht auf dem Markt. Nokia kündigt sie für das erste Quartal 2001 an, Ericsson und Motorola haben kürzlich Prototypen präsentiert. T-Mobil erwartet aber, dass im Herbst alle großen Hersteller zumindest ein Modell anbieten können. T-Mobil liefert bereits ein Motorola-Handy zu Testzwecken aus. Wesentlich teurer wird der Aufbau des UMTS-Netzes, für das in Deutschland am 31. Juli die Lizenzen versteigert werden. Hier müssen die Telefongesellschaften ein völlig neues Netz aufbauen, da neue Frequenzen genutzt werden. Zwar kann ein Teil der Basisstationen genutzt werden, doch müssen auf jeden Fall neue Antennen und Empfänger installiert und das Netz muss enger geknüpft werden als das bisherige GSM-Netz.



Deshalb schätzt Novak die Investitionen auf 10 Mrd. DM pro UMTS-Netz. Die Telefongesellschaften testen die UMTS-Systeme bereits gründlich bei den Technik-Lieferanten, um für die Lizenzvergabe gerüstet zu sein. Denn der eigentliche Netzaufbau könnte mehrere Jahre dauern. Deshalb erwarten Marktforscher wie Forrester Research, dass sich Technologien wie HSCSD oder GPRS, die nur relativ geringe Investitionen erfordern, schneller durchsetzen werden.

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