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Das Comeback der Dinosaurier

Lange erschienen Deutschlands Warenhäuser wie eine aussterbende Gattung - Doch jetzt entwickeln sie neues Leben.

ap DüSSELDORF. Lange Zeit wirkten Deutschlands Warenhäuser wie Dinosaurier: zu groß, zu unbeweglich, vom Aussterben bedroht. Hypermärkte auf grünen Wiesen, dynamische Modeketten wie Hennes & Mauritz und billige Discounter jagten ihnen Marktanteile ab, ohne dass den Managern der Einkaufspaläste eine Antwort einfiel.

Doch jetzt scheint neues Leben in die Handelsriesen zu kommen: Deutschlands größter Warenhauskonzern Karstadt-Quelle verbindet Warenhaustradition mit Internetdynamik. Statt weitere Filialen zu schließen, will er bis 2005 schwungvoll wachsen: Im Modebereich um 50 %, im Sportbereich sogar um 100 %.

Konkurrent Kaufhof will künftig sogar im Ausland Warenhäuser übernehmen - was bisher wegen der großen nationalen Geschmacksunterschiede - geradezu als Tabu galt. Gleichzeitig testet er in Deutschland neue Angebotsformen: wie die auf weibliche Kunden ausgerichtete, Mode und Wellness verbindende Fachgeschäftskette "Emotions".

Schon heute belegt Karstadt-Quelle bei den deutschen Einkaufsportalen im Internet den dritten Platz, zumindest, was die Zahl der Besucher angeht. Häufiger angeklickt würden nur noch die Internet-Pioniere amazon.de und ebay.de, berichtet Konzernchef Wolfgang Urban zufrieden. Dabei profitiere der Konzern im Gegensatz zu konkurrierenden Newcomern von dem Vertrauen, das den bekannten Markennamen wie Karstadt, Quelle oder Neckermann entgegengebracht werde.

Doch für den Manager ist das nur ein Anfang. Mit der konsequenten Verknüpfung von Online- und Offline-Geschäft soll im Internet schon bald die Drei-Milliarden-Euro-Schwelle überschritten werden. In den Warenhäusern und den Sporthäusern hat der Konzern deshalb so genannte eService-Points eingerichtet. Dort können Kunden Online-Bestellungen aufgeben, bestellte Waren abholen oder die Rückgaben von im Internet bestellten Artikeln unkompliziert abwickeln. Schließlich bietet karstadt.de mit seinem Angebot von rund 700 000 Produkten mehr Auswahl als jedes reale Warenhaus. Schöner Nebeneffekt für die Karstadt-Beschäftigten: Das Überleben kleiner, bislang als eher unrentabel geltender Filialen wird so gesichert.

Wegfall des Rabatt-Gesetzes bringt Schwung

Doch bei aller Aufbruchsstimmung lehnt Konzernchef Urban eines ab: Warenhäuser im Ausland. "Was sollen wir besser machen in Paris als die Franzosen", meint er. Das Risiko sei zu groß. Aufgaben gebe es zu Hause genug.

Ganz anders sieht das der zum Metro-Konzern gehörende Konkurrent Kaufhof. Erst vor wenigen Wochen erwarben die Kölner den belgischen Konkurrenten Inno. "Mit der Akquisition von Inno legen wir die Basis für Internationalisierung des Kaufhofs", kündigte Metro-Vorstandssprecher Hans-Joachim Körber an. Die strategische Vision sei es, das von Kaufhof entwickelte Galeria-Konzept zu einer unverwechselbaren Marke zu machen, wo der "europäische Kunde" einkaufen könne.

Zusätzlichen Schwung dürfte den Handelsriesen im Sommer die Abschaffung des Rabattgesetzes geben. Denn beide stehen schon in den Startlöchern, um dann die Kunden mit besonderen Angeboten zu umgarnen. Karstadt hat bereits fünf Millionen eigene Kundenkarten ausgegeben, Kaufhof setzt auf das Payback-System.

Einen Vorgeschmack auf die Zukunft gab Kaufhof, als das Unternehmen am Jahresanfang den Inhabern von Payback-Rabattkarten zusätzliche zehn Prozent Preisnachlass anbot, bis die Aktion aus juristischen Gründen gestoppt werden musste. Doch dürfte das noch längst nicht das Ende sein: Besondere Einkaufszeiten für Karteninhaber oder hohe Sonderrabatte auf Einzelprodukte seien nur einige der im Ausland bereits praktizierten Einkaufsanreize für Karteninhaber, berichtet der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Stefan Schneider.

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