Das Comeback der Gunda Niemann-Stirnemann
Die "rasende Mama" kehrt auf die Eisbahn zurück

Nach fast 1000 Tagen Wettkampfpause stellt sich Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann mit 37 Jahren-und 17 Monate nach der Geburt ihrer Tochter Victoria - bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt am Wochenende der Konkurrenz von Anni Friesinger und Claudia Pechstein.

HB BERLIN. Die "Grande Dame" des Eisschnelllaufs mit drei Olympiasiegen, 19 Weltmeistertiteln und 98 Weltcupsiegen will nichts überstürzen: Es soll ein Comeback der kleinen Schritte werden. So steht am Wochenende in Erfurt vorerst die Qualifikation für die erste Weltcupserie mit den Rennen in Hamar, Erfurt und Heerenveen im Mittelpunkt.

"Es ist nicht unser Ziel, mit Claudia Pechstein oder Anni Friesinger mitzuhalten. Das ist nach dem Babyjahr nicht drin", sagte Trainer Klaus Ebert. Und auch Manager und Gatte Oliver Stirnemann warnt vor "Fantasie-Vorstellungen". Mit Zeiten zwischen 4:14 und 4:16 Minuten bei Testrennen über 3000 m wies Gunda Niemann zwar einen guten Trainingszustand nach, Höhenflüge im ersten Wettkampf sind danach jedoch selbst vor dem treuen Publikum in der nach ihr benannten Halle nicht zu erwarten.

Prompt riefen die Test-Resultate von Erfurt auch bei der Konkurrenz entsprechende Reaktionen hervor: Alles, was sie bisher von Gunda gehört habe, habe nicht gerade Angst bei ihr ausgelöst, erklärte Claudia Pechstein. Die Berlinerin hatte von Anfang an nicht so recht an das Comeback der einstigen Hauptrivalin glauben wollen. "Als Gunda in ihrer Baby-Pause für das ZDF als Moderatorin arbeitete, haben wir öfter mal ein Schwätzchen gemacht. Doch seit sie wieder trainiert, herrscht Funkstille", schilderte Pechstein die derzeitige Konkurrenzsituation.

Mehrere Probleme in der Vorbereitung haben der "Eisschnellläuferin des Jahrhunderts", die am 4. März 2001 in Calgary ihr bis dato letztes Rennen bestritten hatte, das Comeback auch nicht gerade leicht gemacht. Die ersten Schritte auf dem Eis führten im Frühsommer zu entzündeten Achillessehnen, dann folgte im August der Rückschlag mit drei Wochen Zwangspause und dem Besuch der Reha-Klinik am Chiemsee auf Grund einer Muskelverhärtung im Oberschenkel. Beim Skatertraining in Font Romeu machte ihr dann auch noch eine Wurzelentzündung am Backenzahn zu schaffen.

Ihre Comeback-Pläne hat die Kämpferin Gunda Niemann-Stirnemann vorerst bis zu den Einzelstrecken-WM 2005 in Inzell fixiert. Ob sogar die fünfte Olympia-Teilnahme seit 1988 in Turin 2006 Realität wird, hängt sicher von den Erfolgen bis dahin ab. Diese hat sich die Thüringerin, die auch in dieser Saison für Chemnitz startet, bei ihrem Comeback ausschließlich auf den Langstrecken vorgenommen. Über 3000 und 5000 m möchte sie im März 2004 in Seoul auf dem Siegertreppchen stehen. Bis dahin will sie sich kontinuierlich in die Weltelite zurückkämpfen.

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