Das Comeback der Kennzahlen
Wie Anleger herausfinden, ob eine Aktie teuer oder billig ist

In unsicheren Börsenzeiten kommt es auf die Auswahl guter Einzeltitel an. Um den Kreis der Kaufkandidaten zu analysieren, sind Bewertungskennzahlen eine nützliche Hilfe. Bei der Bewertung von Techno-Aktien erlebt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ein Comeback. Doch das KGV allein genügt nicht.

DÜSSELDORF. Totgesagte leben länger. Im Frühjahr noch schienen für Technologieunternehmen die Regeln der klassischen Wirtschaft nicht mehr zu gelten. Aktien von Wachstumsunternehmen wurden in immer neue Höhen getrieben. Anleger stiegen ohne Bauchschmerzen in Aktien ein, die ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) jenseits der 100-Marke hatten. Diese bekannte Kennzahl, bei der der Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie geteilt wird, schien ausgedient zu haben.

"Doch jetzt höre ich immer wieder, dass Technologiewerte gemessen am KGV nach wie vor zu teuer sind", wundert sich Paul Sibianu, Analyst der WGZ-Bank. Nach den Kursstürzen der letzten Monate erlebt die Kennziffer ein unverhofftes Comeback. Plötzlich merken auch die New-Economy-Jünger, dass diese Messgröße ein wichtiges Kriterium ist, um die Preiswürdigkeit einer Aktie zu bewerten.

Doch ohne Zweifel greift eine Bewertung von Wachstumswerten nur mit dem KGV zu kurz. Andere Kennzahlen müssen mit herangezogen werden. Die Analyse von Bewertungsziffern macht überdies nur Sinn, wenn sie nicht nur für ein Unternehmen, sondern im Vergleich zu den Wettbewerbern vorgenommen wird.

"Das KGV ist eine sehr statische Größe", meint Sibianu. Sie betrachtet das Verhältnis von derzeitigen oder angenommenen Gewinn je Aktie zum Preis der Aktie. Ein KGV von 50 bedeutet zum Beispiel, dass ein Anleger für einen Euro Gewinn 50 Euro bezahlt. Das Problem: Viele von den jungen Wachstumsunternehmen zum Beispiel im Bereich Internet oder Biotechnologie weisen keine oder nur sehr geringe Gewinne aus. Anleger und Analysten orientieren sich deshalb vor allem an den Erwartungen bezüglich des Ertragswachstums in den kommenden Jahren. Dabei sind sie regelmäßig zu optimistisch.

Zwar lässt sich das KGV auch mit prognostizierten Gewinnen der nächsten fünf Jahre berechnen; doch diese langfristigen Gewinnprognosen sind gerade bei Wachstumswerten recht unsicher. Daher arbeiten seriöse Analysten allenfalls mit Gewinnprognosen für das laufende und kommende Geschäftsjahr.

"Wer sich als Privatanleger ein Bild von der Bewertung einer Wachstumsaktie machen will, sollte auch das Price-Earnings-to- Growth, kurz PEG, heranziehen", rät WGZ-Experte Sibianu. Für die Berechnung des PEG teilt man das herkömmliche KGV durch die Rate, mit der der Gewinn des Unternehmens pro Jahr voraussichtlich wachsen wird. Dabei gilt die Faustformel: Das KGV sollte nicht höher als das jährliche Gewinnwachstum sein, das PEG folglich nicht über eins liegen. Beispiel: Ein optisch hohes KGV von 50 wird relativiert, wenn der Gewinn laut Prognose jährlich um 70 % wächst. In diesem Fall beträgt das PEG 0,71.

Seriöse Gewinnprognosen bei I/B/E/S

Doch wo bekommt der Privatanleger Zugang zu seriösen Gewinnprognosen? Der bekannteste Anbieter in diesem Bereich ist das amerikanische Unternehmen I/B/E/S, Institutional Brokers Estimate System. Die Gesellschaft sammelt vereinfacht gesagt die Gewinnprognosen von Analysten und berechnet Durchschnittswerte. Zahlreiche I/B/E/S- Gewinnprognosen finden Anleger daher kostenlos auf den Handelsblatt.com-Seiten.

Als weitere Kennziffer zur Bewertung von Wachstumsunternehmen wird das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) herangezogen. Diese Größe hilft dann weiter, wenn kein KGV berechnet werden kann, weil das Unternehmen noch Verluste macht. Die Größe sagt aus, wie viel für einen Euro Umsatz an der Börse bezahlt wird.

Zwar hilft umfassendes "Number Crunching" - wie die Zahlenanalyse unter Analysten spöttisch genannt wird - bei der Vorselektion von Kaufkandidaten. Aber natürlich spielen auch Dinge wie die Qualität des Managements oder das Geschäftsmodell eine Rolle.

Am Neuen Markt tummeln sich beispielsweise eine Reihe von Anbietern so genannter Dokumenten-Management-Systeme (DMS). Dazu gehören CE Computer Equipment, Ixos oder SER Systems. Obwohl SER bei allen genannten Kennziffern besser abschneidet als CE hat WestLB Panmure-Analyst Norbert Loeken Computer Equipment mit "Outperformer" und SER nur mit "Neutral" eingestuft. "SER hat in der Vergangenheit nicht immer die Prognosen erfüllt und ist außerdem kein reiner DMS-Anbieter", begründet er seine Einschätzung. Im Gegensatz dazu sei CE klarer fokussiert und habe bislang verlässlich die eigenen Prognosen erfüllt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%