Das Demokraten-Dilemma
„Jetzt beginnt der Krieg“

Zwei Gewinner oder zwei Verlierer? Selten gab es ein solches Hauen und Stechen bei den Demokraten, selten ein derart offenes, zähes Rennen. Während sich Clinton und Obama weiter auf die interne Schlacht konzentrieren, können sich die Republikaner jetzt schon auf den Gegner einschießen – ein Alptraum für die demokratischen Parteistrategen.

cot/HB DÜSSELDORF. Klarer Triumph für Republikaner John McCain, doch im Duell zwischen Hillary Clinton und Barack Obama ist kein Ende in Sicht: Bei den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen am „Super Tuesday“ hat die frühere First Lady allenfalls einen Etappensieg gegen den schwarzen Senator erzielen können.

In 13 Staaten hat Obama nach Hochrechnungen gewonnen, in acht Clinton. Doch bei den Delegiertenstimmen sieht es anders aus, über 700 für Clinton, immerhin 100 mehr als für Obama.

Das Dilemma: Reine Arithmetik sagt nur wenig über den Trend aus. Das Atemberaubende des bisherigen Wahlkampfes war gerade die „Aufholjagd“ Obamas: Noch vor ein paar Monaten lag Clinton laut Umfragen derart weit vorn, dass sich eine Zeitung fragte: „Ist ihr Sieg noch zu verhindern“? Jetzt muss sie mit Obama um jede Stimme kämpfen – das hatte sie sich anders vorgestellt.

„Auf dem Papier war es nicht ein so gewaltiger Sieg, wie es das Tanzen und das Konfetti glauben lassen“, warnt die Zeitung „Washington Post“. Bestenfalls ein Etappensieg, ein Arbeitssieg für die Ex-First-Lady - ohne Bravour und ohne Glanz.

In Massachusetts gelang Clinton ein symbolischer Sieg: Im traditionellen „blauen“ Staat (mit Mehrheit für die Demokratische Partei) hatten beheimatete Prominente, darunter Teile der angesehenen Kennedy-Familie sowie der vergangene Präsidentschaftskandidat John Kerry öffentlich Barack Obama unterstützt. Dennoch hatte Clinton am Ende eine Stimmenmehrheit.

Abgeschrieben ist der 46 Jahre alte „Ausnahmepolitiker“ Obama aber noch lange nicht. „Die Zeit spielt für Obama“, meinte ein Kommentator schon vor der Abstimmung am „Super-Tuesday“.

Selten gab es ein solches Hauen und Stechen bei den Demokraten, selten ein derart offenes, zähes Rennen. Obama ist stark, aber kann Clinton bislang nicht überrunden. Schon malen Auguren an die Wand, dass es beim Nominierungsparteitag im Spätsommer zur offenen Feldschlacht kommen könnte. Bis dahin laufen die Demokraten zunehmend Gefahr, sich gegenseitig zu zerfleischen - die Republikaner können dagegen die interne Schlacht schon beinahe hinter sich lassen und sich ganz auf den Gegner konzentrieren. „Jetzt beginnt der Krieg“, formulierte es CNN-Kommentator Bill Bennett. „Jetzt geht es in die Schützengräben.“

Dabei könnte es für sie vielleicht härter werden als für ihn, meinten Experten in ihren ersten Analysen. Obama hat mehr Geld im Spendensäckel. 32 Millionen Dollar flossen ihm allein im Januar zu, Hillary brachte es auf gerade 13.

Obama ist es am „Super-Dienstag“ gelungen, seinen Anteil an „weißen“ Stimmen aus der Männerwelt deutlich auszubauen - Stimmen, die der inzwischen aus dem Rennen ausgeschiedene dritte Hauptbewerber John Edwards vorher gebunden hatte. Clinton hingegen wird unverändert deutlich von den „Hispanics“ unterstützt: Rund 60 Prozent der Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln favorisieren die ehemalige First Lady. Bei den Frauen dieser Minderheit kommt Clinton sogar auf 70 Prozent.

Aber sicher ist zunächst nur eines: The show goes on.

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