Das deutsche, defensiv ausgerichtete Spielsystem überrascht keinen Gegner mehr
Kopflos und unkritisch

Die Deutschen reden sich ihr Ausscheiden bei der Eishockey-WM schön - dabei hat Bundestrainer Zach Fehler gemacht.

PRAG. Da standen sie nun, die deutschen Eishockey-Nationalspieler, in den riesigen Kellergängen der Sazka-Arena von Prag. Verschwitzt und enttäuscht. Im Hintergrund waren noch die Sprechchöre der Schweizer Fans zu hören, die deutschen Anhänger dagegen hatten die Arena längst verlassen. Mancher hatte dabei noch geflucht: "Das gibt es doch gar nicht. Unmöglich." Aber es war möglich: Für die deutsche Nationalmannschaft war der Dienstag bei der Weltmeisterschaft in Tschechien der Tag vor der Heimreise, für deren unverhofft frühen Termin ausgerechnet die Schweizer, sonst oft dankbarer Gegner der Deutschen, gesorgt hatten. Ein mageres 1:0 hatte der Schweiz im letzten Spiel der Zwischenrunde gegen eine unbeholfen anrennende deutsche Mannschaft gereicht.

Im Moment der Niederlage war beim Verlierer trotz aller Frustration Kritik verpönt. Natürlich sei er nicht glücklich über das Ausscheiden, sagte Verteidiger Mirko Lüdemann von den Kölner Haien. "Aber davon bricht die Welt nicht zusammen." Und Jan Benda schüttelte den Kopf, als wollte er sagen: Schuld waren nicht wir, sondern die anderen. "Wir haben uns in diesem Turnier sehr schwer getan mit guten Gegnern, aber die nehmen uns nach den Erfolgen der vergangenen Jahre jetzt eben ernster als früher."

War die Schweiz, die Deutschland erstmals seit drei Jahren den Weg in ein WM-Viertelfinale versperrte, wirklich ein guter Gegner? Die Frage kann nach dem 1:0-Sieg nicht mit ja beantwortet werden, schließlich agierten die Schweizer in einem unattraktiven Spiel äußerst bieder. Das Erstaunliche an der Partie war, dass die Deutschen mit ihrer eigener Taktik geschlagen wurden. Die Taktik war das Ergebnis stundenlangen Videostudiums, erzählte der Schweizer Kotrainer Peter John Lee. Die Schweizer agierten ausschließlich defensiv und warteten auf Fehler des Gegners. Und ihr Warten lohnte sich: Der Lapsus des Frankfurter Stürmers Martin Reichel reichte der Schweiz zum entscheidenden Tor - weil die Deutschen mit ihren vielen Chancen nichts anzufangen wussten.

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