Das digitale TV-Zeitalter rückt näher
Erste Dienste für die Multimedia Home Platform

Nach der Einigung auf den digitalen Standard der Multimedia Home Platform im vergangenen Jahr präsentieren Sender und Geräte-Hersteller jetzt erste Produkte. Der Fernsehsender Premiere rückt von seiner eigenen Lösung ab und propagiert stark den interaktiven offenen Standard.

HB/gil HANNOVER. Die Digitalisierung des Fernsehens schreitet jetzt auch in Deutschland voran. Grundlage ist die Multimedia Home Platform (MHP). Auf diesen digitalen Standard für interaktives Fernsehen haben sich Industrie und Fernsehsender im vergangenen Jahr geeinigt und auf der Funkausstellung in Berlin erste Projekte präsentiert. Jetzt folgten auf der Cebit konkrete Ankündigungen.

So zeigen die Sender Premiere und RTL auf der Messe live erste Ausstrahlungen. Der Kirch-Sender Premiere zeigt Digitalangebote für Fußball-Übertragungen, bei denen der Zuschauer zwischen mehreren Spielen wählen kann und auch Wiederholungen oder Hintergrundinformationen möglich werden. Formel-Eins-Rennen kann der Zuschauer aus verschiedenen Kameraperspektiven ansehen. RTL präsentierte Möglichkeiten, E-Mails und Handy-Kurznachrichten über den Fernsehbildschirm zu schreiben und zu verschicken.

Die Kirch-Gruppe verwendete bisher für die Ausstrahlung von Premiere einen eigenen geschlossenen Standard; wer das verschlüsselte Programm empfangen wollte, musste die firmeneigene D-Box kaufen oder mieten. Im September vergangenen Jahres erst hat sich Premiere dann in der so genannten "Mainzer Erklärung" zusammen mit allen großen Fernsehveranstaltern auf MHP als offenen Standard für das interaktive digitale Fernsehen in Deutschland geeinigt.

Helmut Stein, seit kurzem Technischer Geschäftsführer von Premiere, geht noch einen Schritt weiter. "Wir werden unsere D-Box technisch auf MHP erweitern und alte Boxen austauschen", betonte Stein, der vorher bei Nokia, einem der Hersteller der Set-Top-Boxen, für das Geschäftsgebiet Multimedia Terminals zuständig war. "Dadurch schaffen wir zwei Millionen MHP-Empfänger in Deutschland."

Premiere ermöglicht inzwischen seinen Kunden eine Auswahl bei der Wahl der Set-Top-Box. Neben der bisherigen D-Box liefert seit März auch Galaxis einen Decoder. "Der Zuschauer kann für den Empfang von Premiere künftig unter vielen Receivern unterschiedlicher Preisklassen wählen", kündigte Sender-Chef Georg Kofler an.

Auch bei den Geräten gibt es Fortschritte. Sony hatte bereits auf der Funkausstellung im vergangenen August einen Fernseher mit integrierter Set-Top-Box in MHP-Technologie präsentiert. Auf der Cebit kündigte jetzt Philips digitale Satellitenreceiver für MHP an. Das Gerät soll im Sommer in Deutschland und Österreich zum Preis von 500 Euro in den Handel kommen. Für 2003 plant Philips Fernseher, die sowohl über Kabel, Satellit als auch über die herkömmliche Antenne digitale Sendungen und interaktive Anwendungen ermöglichen. Rudy Provoost, der für Unterhaltungselektronik zuständige Europa-Manager bei Philips, glaubt, dass bis 2006 jeder vierte Haushalt Zugang zu digitalen Diensten haben wird.

Auch die Zahl der Anwendungen für MHP wächst. Sony und KarstadtQuelle haben interaktives TV-Shopping angekündigt. Auf der Cebit demonstrierten beide, wie der Kunde aus dem Angebot der Neckermann Versand AG per Fernbedienung am Fernseher Produkte bestellen kann. Zusammen mit DaimlerChrysler hat Sony einen Dienst auf MHP-Plattform entwickelt, bei dem der Kunde die neuen Modelle der E-Klasse auf dem Fernsehschirm aus verschiedenen Blickwinkeln von innen und außen betrachten kann, indem er mit der Fernbedienung seines Fernsehers navigiert.

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