Das doppelte Spiel des Palästinenserführers
Arafat setzt die Al-Aksa-Brigaden ein

Der Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung wird heute nicht mehr von islamischen Extremistenorganisationen wie der Hamas oder dem Islamischen Dschihad angeführt, sondern von den so genannten Al-Aksa-Brigaden.

TEL AVIV. Diese sind aus der Fatah hervorgegangen, der Partei von Palästinenserchef Jassir Arafat. Die Liste der Attentate, zu denen sich die Brigaden bekannt haben, ist mittlerweile länger als jene der islamischen Aktivisten.

Die Brigaden, die auch unter dem Namen "Brigaden der Al-Aksa-Märtyrer" bekannt sind, zählen heute zu den militantesten palästinensischen Gruppen. Sie traten erstmals im Juni 2001 in Erscheinung. Ihr Name soll an die schweren Unruhen Ende September 2000 auf dem Jerusalemer Tempelberg erinnern, bei denen die israelische Polizei mindestens fünf Palästinenser tötete. Ausgelöst wurden die damaligen Unruhen durch den provozierenden Besuch des heutigen israelischen Premiers Ariel Scharon auf dem Tempelberg. Die Al-Aksa-Moschee in der Altstadt Jerusalems gilt als drittwichtigstes Heiligtum des Islam.

Über die Zahl der Al-Aksa-Mitglieder ist wenig bekannt. Israel schätzt die Brigaden aber als äußerst gefährlich ein und hat wiederholt versucht, ihre Führer im Zuge der Liquidierungspolitik zu töten.

Arafat könnte die Operationen dieser Brigaden jederzeit unterbinden, meint ein palästinensischer Journalist. Aber: "Arafat ist mit ihren Aktionen zufrieden". Und ein israelischer Anti-Terror-Spezialist meint, dass Arafat, der die Kampftruppe finanziere, zwar nicht jede einzelne Aktion bewillige, die generelle Taktik aber doch für richtig halte: "Arafat setzt die Brigaden heute für seinen Krieg gegen Israel ein".

Zu den wichtigsten militärischen Führern der Brigaden wird Nasser Awis gezählt, der im Flüchtlingslager Balata nahe der Westbankstadt Nablus wohnt. Er stand früher auf der Lohnliste des Geheimdienstes der Autonomiebehörde. Beim jüngsten Einmarsch israelischer Truppen in Balata sollten in erster Linie die von Awis gegründeten Terrorzellen ausgehoben werden. Awis konnte sich aber rechtzeitig in Sicherheit bringen. Sein Haus wurde zerstört. Jetzt soll er sich in Ramallah aufhalten, wo er offenbar eine neue Filiale seiner Organisation aufbaut. Bei den Hausdurchsuchungen fanden die Israelis zahlreiche Waffen.

Israels Geheimdienst geht davon aus, dass Arafat mit den Aktionen der Brigaden den Unmut in der israelischen Bevölkerung schüren will, was letztlich zum Sturz Scharons führen soll. Sein Wunschkandidat sei Ex-Premier Benjamin Netanjahu, soll Arafat einem Vertrauten gesagt haben. Arafat halte Netanjahu nämlich für flexibler als Scharon. Arafat hatte bereits in der Vergangenheit durch Terrorwellen Regierungschefs zumindest indirekt gestürzt - zum Beispiel Schimon Peres 1996. Aus Protest gegen die damaligen Attentatsserie wählt die Mehrheit der Israelis den Likud-Kandidaten Netanjahu.

Die jüngsten Anschläge der Brigaden haben bei den Palästinensern die Popularität der Fatah und Arafats erhöht. Davon sind palästinensische Regierungskreise in Ramallah überzeugt. Fatah-Aktivisten verlangen heute freie Hand, um den Tod unschuldiger Kinder und Frauen zu rächen. So sollen Racheakte vor allem gegen israelische Siedler und Soldaten in den besetzten Gebieten von der Autonomiebehörde durchaus befürwortet werden. Umstritten sind allerdings Attentate auf Zivilisten im israelischen Kernland.

Viele Palästinenser melden sich heute bei den Al-Aksa-Brigaden für Selbstmordattentate, meint ein führendes Mitglied: "Al Aksa ist jetzt wie eine Armee, und jeder will ihr beitreten". Die Brigaden beschaffen sich ihre Waffen meist über Schmugglerringe - auch in Israel.

Die Fatah hat eine alte Kampftradition. Sie war bis zu Beginn der neunziger Jahre der militärische Flügel der PLO. Mit der Gründung der Autonomiebehörde stellte sie ihre Kampfhandlungen gegen Israel aber weitgehend ein. Und Arafat ging mit Hilfe der Fatah gegen die islamische Opposition vor.

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