„Das Drei-Säulen-Prinzip erodiert"
Fusionswelle bei öffentlichen Banken erwartet

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erwartet bis 2005 wegen der schwachen Ertragslage vieler Häuser und hoher Kosten eine massive Fusionswelle bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland.

Reuters FRANKFURT. Bei der Konsolidierung werde es auch zu gruppenübergreifenden Fusionen zwischen Sparkassen und genossenschaftlichen Instituten kommen, sagte Hermann Wagner, Vorstand von Ernst & Young bei der Präsentation einer Studie. "Das Drei-Säulen-Prinzip erodiert. Gruppenübergreifende Fusionen, die es bislang nicht gab, werden in Zukunft unumgänglich werden." Er rechne bereits im nächsten Jahr zumindest mit entsprechenden Absichtserklärungen.

Bei den Genossenschaftsbanken gehen die Wirtschaftsprüfer davon aus, dass die Zahl der Institute bis 2005 um 50 % auf dann rund 800 sinken wird. Die Zahl der Filialen werde sich auf 14 300 von 16 255 im Jahr 2001 reduzieren. Bei den Sparkassen geht Ernst & Young von einer Reduzierung der Institute auf 400 von 534 im Jahr 2001 aus. Die Zahl der Filialen werde im gleichen Zeitraum auf 15 000 von 17 025 sinken.

"Durch zu geringe Marktanteile schaffen die meisten Banken die Hürde zum Erreichen einer kritischen Masse nicht", heißt es in der Studie. Zwar habe es bereits in der Vergangenheit eine große Anzahl von Fusionen gegeben, die optimale Betriebsgröße sei jedoch bei vielen Instituten noch lange nicht erreicht. Außerdem sei das Filialnetz in Deutschland weiterhin zu dicht. Ende 2000 seien 1940 Einwohner auf eine Bankfiliale gekommen. Profitabel arbeiten lasse es sich jedoch erst ab einer Größenordnung von 3800 Einwohner pro Filiale.

Zusätzlich zu ihrer mangelnden Größe und hohen Kosten hätten Sparkassen und Genossenschaftsinstitute wie auch die privaten Großbanken mit der schwachen Konjunktur und den damit verbundenen Kreditausfällen sowie dem schwachen Börsenumfeld zu kämpfen, sagte Wagner weiter. Dazu komme die Notwendigkeit, die finanziell aufwändigen Rahmenbedingungen für die neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) zu schaffen. Auch der Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien Anstaltslast und Gewährträgerhaftung für die Landesbanken ab 2005 werde die Sparkassen vor Probleme stellen.

Der Zwang auch zu gruppenübergreifenden Fusionen erhöht sich nach Einschätzung der Ernst & Young-Analysten außerdem dadurch, dass neue Akteure auf den deutschen Markt drängten. Neben Auslandsbanken könnten die Öffentlichen Banken auch Marktanteile an neue Spezialinstitute, wie etwa Autobanken, verlieren. "Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken könnten in eine Sandwich-Position zwischen hohen Kosten und gleichzeitig wegbrechenden Marktanteilen kommen", sagte Wagner.

Die Dachverbände der Sparkassen und der Genossenschaftsbanken haben sich bislang gegen gruppenübergreifende Fusionen ihrer Mitgliedsinstitute oder gar gegen die Öffnung der Häuser für privates Kapital ausgesprochen. Sie befürworten lediglich Kooperationen etwa in den Bereichen Zahlungsverkehrs- und Wertpapierabwicklung. Wagner forderte von den Verbänden angesichts der Situation vieler ihrer Mitgliedsinstitute mehr Bereitschaft zu Reformen. So müsse unter anderem die kostenintensive Rolle der Verbände überdacht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%