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Das Ende der D-Mark macht Träume wahr

Schreddern, Verbrennen und Einschmelzen: Wenn der Euro ab dem 1. Januar 2002 allgemeines Zahlungsmittel wird, finden etwa 2,8 Milliarden D-Mark-Scheine und rund zehnmal so viele D-Mark-Münzen ein trauriges Ende.

Damit sich die erwartete Rückgabewelle der D-Mark im Januar und Februar nach der Einführung der neuen Währung nicht zu einer Sturmflut aufstaut, startet die Bundesbank in der kommenden Woche den zweiten Teil ihrer Aktion "Her mit den Schlafmünzen!".

Doch die geliebte D-Mark wird den Bürgern auch nach der Einführung des Euro näher sein, als viele denken. Die alten Münzen beispielsweise, die es auf eine Gesamtgewicht von etwa 100 000 Tonnen bringen, werden nachdem sie geschnitten und gewalzt sind nach und nach im Auftrag des Bundesfinanzministeriums als Münzschrott verkauft. Ihre Bestandteile können relativ leicht voneinander getrennt werden und sind deshalb für die Metallindustrie interessant. Die macht dann aus dem recycelten Rohstoff zum Beispiel Bestecke und Kochtöpfe. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass aus Münzen dann wieder Münzen werden - nur Euro oder Cent statt D-Mark oder Pfennig.

Dem Großteil der noch existierenden Banknoten mit einem Gesamtgewicht von etwa 2 800 Tonnen - gepresst würden sie ein Volumen von etwa 3 400 Kubikmeter ergeben - wird es deutlich schlechter ergehen. Sie werden geschreddert und landen anschließend auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen. Andere Einsatzmöglichkeiten für das geschredderte Material - wie der Einsatz als Dämmstoff oder als Grundstoff für Laminatböden - wurden verworfen, weil sie laut der Bayerischen Landeszentralbank, die zahlreiche Alternativen unter die Lupe genommen hat, einfach unwirtschaftlich wären. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Weil auch die Bundesbank weiß, wie sehr die Deutschen an ihrer D-Mark hängen und weil die Scheine zu 100 Prozent aus Baumwolle bestehen und deren Farben umweltverträglich sind, wird einem Teil dieses harte Schicksal dann doch erspart bleiben. Sie werden in der Papierherstellung Verwendung finden.

Und spätestens damit hat der Abschied von der D-Mark als Zahlungsmittel etwas Gutes, das auch die Euro-Gegner nicht schlecht reden können. Er macht nämlich einen Traum vieler Bundesbürger war: Ab 2002 kann sich jeder mit 1 000-DM-Scheinen den Hintern abwischen.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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