"Das Ende der Fahnenstange"
Krankenhäuser befürchten Finanzkollaps

Wegen des Sparkurses von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sehen sich mehrere Krankenhäuser in Deutschland vor dem finanziellen Aus.

HB/dpa GREIFSWALD/FLENSBURG. Das Universitätsklinikum Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern kündigte am Donnerstag als erstes Krankenhaus an, die reguläre Patientenversorgung wegen der finanzieller Engpässe vorübergehend einzustellen. In Schleswig-Holstein sprachen Krankenhausbetreiber von einem drohenden Kollaps. "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von neun Kliniken. Hauptgrund für die Sorgen seien unzureichende Budgeterhöhungen der Krankenkassen.

In Greifswald etwa könne die kommende Anhebung um knapp 2 Prozent die Kostensteigerungen bei Personal und Sachmitteln nicht abfangen. "Wir arbeiten an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit", sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums, Prof. Andreas Greinacher. Wegen des vom Bund vorgegeben Sparkurses würden vom 15. Dezember bis zum 1. Januar nur noch Notfälle wie Frakturen, Herzinfarkte oder drohende Frühgeburten versorgt. Von der Schließung sind demnach alle Abteilungen mit insgesamt 885 Betten betroffen. Das Klinikum in Greifswald befürchtet für 2003 ein Defizit von 7,5 Millionen Euro. In der Einrichtung werden pro Jahr 35 000 Patienten stationär und 60 000 ambulant behandelt.

In Schleswig-Holstein sehen die Krankenhausbetreiber bis zu 200 Arbeitsplätze gefährdet. Bei der Festlegung der Budgets blieben bereits seit 1993 die individuellen Situationen und Entwicklungen der Kliniken unberücksichtigt. Auf Grund erheblicher Kostensteigerungen rechnen die betroffenen Kliniken - darunter Häuser in Flensburg, Schleswig und Eckernförde - für 2003 mit einer Finanzierungslücke von 9 Millionen Euro. In den neun Krankenhäusern mit mehr als 2 500 Betten arbeiten insgesamt 4 700 Beschäftigte.

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