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Das Ende der Opportunisten

Venture-Capital kann jeder, so sah es vor einem Jahr aus. Bei Dot-com-Bude einsteigen, stromlinienförmiges Management zusammenstellen, Equity-Story glattbügeln, Marketing-Kampagne fahren und ab an die Börse...

Die dankbaren Anleger griffen blind zu und merkten gar nicht, dass sie die eigentlichen Wagniskapital-Investoren waren. Inzwischen wissen sie es.

Wer rechtzeitig seine fadenscheinigen E-Commerce-Firmen an die Börse gebracht hat, kann nun vor seinen Geldgebern mit hohen Renditen glänzen. Die Venture-Capital-Fonds, die zu spät kamen und vor dem Börsencrash keinen Internet-IPO mehr geschafft haben, stehen nun, wie es in der Branche heißt, "unter Wasser". Wenn ihnen in den Jahren bis zum Ablauf des Fonds nicht noch der eine oder andere Geniestreich gelingt, stehen sie vor ihren Investoren im Hemd da, wenn die Stunde der Abrechnung kommt. Dann wird der erste zugleich ihr letzter Fonds gewesen sein.

Hoffentlich ruinieren die Venture-Capitalisten, die in den Boomjahren allzu sorglos das "dumb money" ihrer Investoren ausgegeben haben, nicht den Ruf einer ganzen Branche. Denn ohne Wagniskapital kann eine Volkswirtschaft wie Deutschland auf Dauer nicht die Innovationen auf den Markt bringen, die sie braucht, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Noch ist das Vertrauen der großen institutionellen Investoren in die Anlageform Wagniskapital nicht verspielt. Und der Markt ist trotz der Krise der Technologieaktien nicht eingebrochen, wie die Jahreszahlen des Bundesverbandes der deutschen Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zeigen. Ein Plus von 36% ist für ein schwieriges Jahr wie 2000 ein gutes Ergebnis. Hoffen wir, dass der Markt für die notwendige Bereinigung sorgt und die Wagniskapitalgeber aussortiert, die nur auf den schnellen Börsengang geschielt haben.

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