Das Ende des Familienmanagements in Koreas Mammut-Konzern
Hyundai-Gründer Chung Ju-Yung tritt ab - Milliardär auf dem Abstellgleis

Ein Ochse war das Grundkapital von Hyundai-Gründer Chung. Nun zieht sich der Koreaner zähneknirschend aus dem bröckelnden Imperium zurück.

"Es gibt Schwierigkeiten, aber kein Versagen", lautet das Lebensmotto von Chung Ju-Yung, Gründer von Koreas angeschlagenem Mammutkonzern Hyundai . Doch jetzt muss Chung auf Druck der Regierung das Feld räumen. Mit eiserner Faust hat der 85-Jährige bis zuletzt sein Firmenimperium regiert, obwohl er die Leitung 1987 an den Bruder und dann an Söhne abgegeben hatte. Denn eines konnte der umtriebige "König" von Hyundai nie - delegieren.

Stets hat Chung den Mythos des Selfmade-Milliardärs aus kleinsten Verhältnissen kultiviert. 1915 im heutigen Nordkorea als Sohn armer Bauern geboren, wurde er zu konfuzianischer Disziplin erzogen. Mit 15 Jahren riss er von zu Hause aus und stahl seinen Eltern Geld vom Verkauf eines Ochsen - der finanzielle Grundstock für das Hyundai-Imperium.

Dieses entwickelte sich aus einer kleinen Autowerkstatt für US-Militärfahrzeuge, die Chung 1946 gegründet hatte. Unter der schützenden Hand des Militärregimes gedieh Hyundai (übersetzt: "Modern") zum größten Konglomerat des Landes. Ohne die lukrativen Aufträge der Regierung, zu der Chung enge Beziehungen pflegte, wäre der phänomenale Aufstieg kaum möglich gewesen. Nach einer Baufirma stampfte Chung 1975 die weltgrößte Werft aus dem Boden - obwohl Korea zuvor fast nur Fischerboote gebaut hatte. Zeitweise hatte Hyundai über 60 Töchter im In- und Ausland mit 200 000 Mitarbeitern.

"Alles ist möglich!" war Chungs Überzeugung. Genauso siegesgewiss, wie er 1992 - vergebens - für die Präsidentschaft kandidierte, ging Chung die Versöhnung mit Nordkorea an. Anfangs wurde er nur belächelt, als er 1998 mit 500 blumengeschmückten Rindern über die Grenze in den Norden zog. Am Grab der Eltern leistete er mit einem Rind Abbitte für das gestohlene Geld, das ihm seine Karriere ermöglicht hatte.

Händchen haltend ließ sich der reichste Kapitalist des koreanischen Südens dann mit dem kommunistischen Diktator aus dem Norden ablichten. Chungs persönlicher Triumph. Diese Freundschaft hatte er zwar mit "Spenden" von 8,5 Millionen Dollar erkauft. Dennoch dürfte Chung als derjenige in die Geschichte eingehen, der das Tor zur Versöhnung in Korea aufgestoßen hat.

Chungs patriotisches Engagement in Nordkorea hat sich politisch ausgezahlt, doch finanziell hat es Hyundai immer tiefer ins Schuldenloch gezogen. Fast eine Milliarde Dollar sollte der Konzern bis Jahresende im Norden investieren. Ein Grund mehr für die Regierung, auf ein Ende des Familienmanagements bei Hyundai zu drängen. Stattdessen sollen nun internationale Bilanzierungs- und Managementmethoden Einzug halten. Zudem wird Hyundai aufgespalten.

Der erfolgsverwöhnte Chung hat bis zuletzt versucht, sein Lebenswerk Hyundai zu retten. Doch nun musste er kleinlaut eingestehen, dass sich im Zeitalter von Globalisierung und Shareholder-Value ein Konzern schwerlich wie ein Familienbetrieb führen lässt. Seinen Vorsatz, "bis 120 zu arbeiten", wird er nun nicht mehr umsetzen können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%