Das Ende von Haltezeiten könnte vor allem World Online und Liberty Surf belasten
Für Online-Aktien läuft die Frist ab

Beim Ablauf von so genannten Stillhaltefristen ("Lock-ups") ist Vorsicht angebracht. Derzeit gilt dies für mehrere Online-Aktien. Experten zufolge könnten besonders die Kurse von World Online und Liberty Surf unter Druck geraten. Auch Europas Marktführer T-Online ist betroffen.

tmo DÜSSELDORF. "Lock-up" - diesen Begriff sollten Aktionäre europäischer Online-Dienste sich merken. Er könnte für sie schmerzhafte Folgen haben. Denn das Ende so genannter Lock-ups - zu deutsch: Stillhaltefristen - könnte die Branche belasten, schätzen Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB).
Besonders betroffen scheinen World Online (Wertpapierkennnummer 935 320) und Liberty Surf (WKN 936 026), wie aus einer in London veröffentlichten Studie der Investmentsparte der Schweizer Großbank Credit Suisse hervorgeht.

Lock-ups sind Verpflichtungen von Anteilseignern eines Unternehmens, ihre Aktien etwa nach einem Börsengang oder einer Fusion vorerst nicht zu verkaufen. Erst nach Ablauf dieser Schamfrist dürfen die Inhaber Kasse machen, indem sie ihre Anteile auf den Markt werfen.

Bei World Online endeten am 15. und am 18. September die Stillhalte-Phasen für zwei wichtige Anteilseigner, Baystar Capital und Reggeborgh. Zusammen besitzen die beiden Unternehmen 25,8 Mill. Aktien des niederländischen Anbieters von Internetzugängen, der mit dem italienischen Konkurrenten Tiscali (WKN 118 429) fusioniert. Wenn beide Eigner ihre Anteile verkaufen würden, dann stiege die Zahl der frei gehandelten World-Online-Aktien (Streubesitz) um mehr als ein Drittel.

Zwar wird Reggeborgh nach Einschätzung der CSFB-Analysten seinen Anteil wohl zunächst behalten. Aber die Experten erwarten, dass Baystar versucht, zumindest einen Teil seines Paketes von 9 Mill. Aktien abzustoßen. Da derzeit nur wenige World-Online-Titel umgesetzt werden, würden größere Verkaufsaufträge den Kurs sofort nach unten drücken. Schon allein die Möglichkeit könnte nach Einschätzung der Analysten die Notierung von World Online belasten.

Bei dem französischen Internet-Dienst Liberty Surf endeten am 18. September Stillhalte-Vereinbarungen für insgesamt 10,2 Mill. Aktien. Damit könnte der Streubesitz von derzeit 12,6 Mill. Aktien um ganze 80 % steigen.
Allerdings hat Liberty Surf der CSFB-Studie zufolge mit den Eignern vereinbart, dass diese ihre Aktien nur über die Konsortialbanken von Liberty Surf abgeben dürfen. Dadurch will das Unternehmen eine möglichst kursschonende Abwicklung etwaiger Verkäufe erreichen. An der Pariser Börse sind Liberty Surf in den vergangenen Tagen eingebrochen.

Je größer die bislang eingefrorenen Anteilspakete im Vergleich zum aktuellen Streubesitz sind, desto stärker belasten auslaufende Lock-ups tendenziell die Kurse. Daher sind nach Ansicht der CSFB-Analysten relativ kleine Online-Dienstleister wie World Online und Liberty Surf besonders betroffen.

Aucht die T-Online-Aktie könnte unter Druck geraten

Aber auch beim europäischen Marktführer T-Online könnte das Ende von Stillhalte-Phasen für Verkaufsdruck sorgen: Ab dem 17. Oktober dürfen der französische Mischkonzern Lagardere, die Commerzbank und das spanische Telekom-Unternehmen Jazztel ihre T-Online-Pakete verkaufen. Die beiden erstgenannten Firmen haben ihre Anteile im Rahmen von strategischen Partnerschaften erhalten. Jazztel wurde nach dem Kauf seiner Beteiligung Ya.com durch T-Online zum Aktionär.

Die CSFB-Experten rechnen damit, dass Lagardere und Jazztel mittelfristig zumindest einen Teil ihrer T-Online-Aktien verkaufen. Zusammen besitzen sie 73,5 Millionen Titel. Das entspricht mehr als zwei Drittel des bisherigen Streubesitzes bei dem europäischen Marktführer.

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