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Das Ergebnis ist offen

Michael Kölmel gehört zu denen, die ihre Geschäftsideen auch verwirklichen können. Mit der Kinowelt steht sein bisher größtes Projekt auf der Kippe.

Was Michael Kölmel in seiner Karriere bereits zu Wege gebracht hat, würde leicht für drei bis vier beachtliche Lebensläufe reichen. Kinobetreiber, Fondsmanager, Verlagschef, Sportfunktionär, Sport- und Filmrechtehändler, Vorstand. Man hat dabei nie das Gefühl, dass es bei dem Gründer der Kinowelt AG um Geld oder Show geht, eher darum, Erdachtes sofort in die Tat umzusetzen oder der Neigung Film zu folgen. Ob dann dabei ein Programmkino, ein Investmentfonds, ein Verlag oder eben die Kinowelt AG entsteht, scheint eher zweitrangig zu sein.

Wie an einer komplizierten Gleichung tüftelt der Mathematiker Kölmel an seinen Businessplänen. Erfolg ist für ihn, wenn die Rechnung am Schluss aufgeht. Ein wissendes Lächeln geht dann von seinem Gesicht aus. In immer größere Dimensionen hat sich der 46-Jährige vorgewagt, immer mehr Unbekannte in sein System eingebaut. 1984 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder die Kinowelt Medien AG, 1998 wurde das Unternehmen am Neuen Markt platziert, zunächst mit großem Erfolg. Die Kinowelt gehört mittlerweile zu den größten Vermarktern von Filmrechten in Deutschland.

Nun droht die Rechnung zu einer unlösbaren Aufgabe zu werden. Mehrere Nebenrechnungen wollen nicht aufgehen. Die Übernahme und Vermarktung der Fußballrechte aus dem Besitz der familieneigenen Sportwelt funktionierte nicht wie geplant, das Internet- und Merchandisinggeschäft rechnet sich nicht, und auch die schnelle Vermarktung der teueren Filmpakete läßt sich nicht lösen.

Zu sehr ist Kölmel in den Bereich der weichen Faktoren, der unberechenbaren Emotionen vorgedrungen. Die Fans beklagen die Kommerzialisierung des Fußballs, der DFB und die Vereinsoberen haben Angst um Einfluss und Einnahmequellen, die Geschäftspartner aus dem Hause Kirch sind sauer, weil Kölmel sie einst bei Verhandlungen um ein großes Filmpaket ausgestochen hatte.

Auf der Hauptversammlung Anfang der Woche machten sich dann die Aktionäre Luft. "Das ist Kapitalvernichtung!" warfen wütende Aktionäre Michael Kölmel an den Kopf. Vorher hatten bereits Gerüchte über Insiderhandel die Stimmung verdorben.

Der Kinowelt-Chef steht nun vor der schwersten Aufgabe in seinem Leben. Und sicher wird er zu einer Lösung kommen. Ob dabei am Ende ein neuer Beruf für ihn herauskommt, eine neue Firma oder eine sanierte Kinowelt - das Ergebnis ist noch vollkommen offen.

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