Das erste Förderjahr neigt sich dem Ende entgegen – Zahl der abgeschlossenen Vorsorgeverträge bleibt bislang weit hinter den Erwartungen zurück
Spekulationssteuer verschönert Riester-Rente

Aber kurz vor Ende des ersten Förderjahres könnte nun doch noch eine Riester-Rally starten. Der Grund liegt in der geplanten Spekulationsteuer.

DÜSSELDORF. Der glanzlose Abgang von Walter Riester ist geradezu symbolisch für die neue Altersvorsorge, die zumindest im Volksmund seinen Namen trägt. Was als Traum vom großen Geschäft vor allem für die Lebensversicherer begann, entwickelte sich in den gut anderthalb Jahren seit Gesetzesverabschiedung zum Trauma. Obwohl Millionen in Werbung gepumpt wurden, blieben die Abschlusszahlen weit unter den Erwartungen. So gibt es bislang rund zwei Mill. Riester-Verträge, dürftig angesichts 35 Mill. förderberechtigter Bundesbürger.

Wer seinen Riester-Vertrag bis zum Jahresende abschließt, kommt noch in den Genuss der vollen Förderung für das laufende Jahr. Und einige Hürden für den Abschluss sind mittlerweile aus dem Weg: Verbraucherschützer hatten geraten, vor dem Abschluss auf seriöse Angebotsuntersuchungen der Stiftung Warentest zu warten. Die liegen inzwischen vor und kommen zu dem Ergebnis: Die Riester-Rente lohnt sich.

Ein weiterer Grund zum Abwarten war die Bundestagswahl. Die Union wollte nach einem Wahlsieg die staatlich geförderte Altersvorsorge umkrempeln. Dazu kam es nicht. Die neue, alte Regierung will an der Rentenreform dem Vernehmen nach nichts ändern. Ein zusätzliches Argument für die Riester-Rente könnte in der geplanten Spekulationssteuer liegen. So wird die neue Bundesregierung das Aktiensparen womöglich in Zukunft schärfer besteuern. Bei Riester-Produkten fallen Steuern dagegen erst an, wenn die Gelder im Alter ausgezahlt werden

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Jedoch krankt die Reform an einem neuen Problem: Die Finanzbranche steckt in einer Vertrauenskrise. Mit Aktien und Aktienfonds haben sich viele Bundesbürger in jüngster Zeit eine blutige Nase geholt. Und über die Lebensversicherer hören Verbraucher beunruhigende Nachrichten: Der Garantiezins von 3,25 Prozent sei in Gefahr, sogar von drohenden Pleiten ist die Rede.

"Wahrlich kein gutes Argument, sich in dieser unklaren Situation für vielleicht 30 Jahre und mehr an einen Lebensversicherer zu binden", meint der gerichtlich zugelassene Versicherungsberater Michael Kronenberg. Trotzdem sei ein baldiger Abschluss interessant, denn: "Der Garantiezins wird gewiss demnächst weiter abgesenkt, damit sinken dann auch die garantierten Renten."

Das Angebot mit über 3 000 zertifizierten Vorsorgeverträgen ist groß. Die Zulagen gibt es nicht nur für Rentenversicherungen, sondern auch Fonds- und Banksparpläne. Bei der Rentenversicherung sind im Wesentlichen zwei Typen zu unterscheiden: In der klassischen Variante mit Garantiezins investiert der Versicherer das Geld überwiegend in Zinspapiere wie Staatsanleihen. Die garantierte "Versicherungsrendite" kann dann bis zu drei Prozent betragen. "Versicherungsrendite" bedeutet: Den Einzahlungen des Kunden werden die Auszahlungen gegenübergestellt, die er nach der Statistik bis zu seinem Tod erhalten wird. Der Mehrertrag ist dann die Versicherungsrendite.

Wer mit 120 noch lebt, der kann mit der Privatrente natürlich Spitzenrenditen erreichen. Wer zu früh verstirbt, verliert. Die prognostizierten Versicherungsrenditen liegen bei guten Anbietern über sechs Prozent, so die Stiftung Warentest. Prognostiziert heißt: So viel gibt es, wenn die momentane Überschusslage konstant bleibt. Einen Anspruch hat der Kunde nicht. In jüngster Zeit sind die prognostizierten Überschüsse stark gekürzt worden

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Noch wackliger sind die in Aussicht gestellten Renten bei fondsgebundenen Policen. Ein Teil des Geldes fließt dort in Investmentfonds. Laufen die Börsen gut, kann die Rente erheblich höher ausfallen. Bei schlechter Börsenentwicklung gibt es weniger Geld. Das Gleiche gilt für reine Fondssparpläne, die Investmentgesellschaften anbieten und im Alter als laufende Auszahlungen ausgeschüttet werden.

"Mit Fondssparplänen haben vor allem jüngere Riester-Sparer gute Renditechancen", meint die Stiftung Warentest. Für Anleger ab 50 raten die Verbraucherschützer eher zu Banksparplänen. Bei den Privatbanken suchen Kunden danach meist vergeblich. Die Angebote stammen fast ausschließlich von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Die Renditeerwartungen für Sparpläne liegen zwischen knapp drei bis über sechs Prozent. Positiv sieht die Stiftung Warentest Angebote, die eine klare Regelung zu Zinsanpassungen haben, indem etwa der Zins an die Umlaufrendite gekoppelt wird.

Für alle zugelassenen Riester-Verträge gilt: Die endgültige "Förderrendite" hängt entscheidend von der individuellen Förderquote ab - also dem Anteil staatlicher Förderung inklusive eventueller Steuervorteile am Gesamtaufwand. Bei einer durchschnittlichen Verzinsung von fünf Prozent kann je nach Einkommen, Familienstand, Kinderzahl und Laufzeit die Förderrendite auf sagenhafte 50 % steigen.

Last, but not least, wirkt sich auch der mögliche Steuervorteil gegenüber herkömmlichen Aktienanlagen aus. "Kommt für normale Anlagen eine verschärfte Spekulationssteuer", so Renditeexperte Kronenberg, "gewinnt die Riester-Rente einen weiteren Vorteil."

Quelle: Handelsblatt

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