Das Finanzmarktförderungsgesetz verlangt bessere Kontrollen
Banken verstärken Kampf gegen Geldwäsche

Im Kampf gegen die Geldwäsche und die Terrorfinanzierung lernen die Banken, auffällige Transaktionen in ihrem Datenwust aufzuspüren. Doch wann ist ein Konto verdächtig? Für die Bekämpfung setzen die Geldinstitute bessere Computersysteme ein und hoffen auf mehr Absprache mit Ermittlungsbehörden.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Nach dem 11. September hatte die Dresdner Bank plötzlich einen prominenten Kunden: Mohammed Atta, einen der Attentäter auf das World-Trade-Center. "Das hat uns aufgeschreckt", sagt Karl-Heinz Symann, Leiter der Abteilung Corporate Security bei der Dresdner Bank. Die Suche nach weiteren Terroristen unter den Kunden begann. Mit seinen rund 30 Mitarbeitern sorgt Symann deutschlandweit dafür, dass Kriminelle keine Konten bei der Bank eröffnen - und wenn doch, muss er sie aufspüren. "Das Geldwäschegesetz drückt zusätzlich aufs Gaspedal", sagt Symann. Im Juni hat der Bundesgesetzgeber zur Bekämpfung der Geldwäsche im Kreditwesengesetz (KWG) die Banken verpflichtet, "angemessene geschäftsbezogene Sicherungssysteme" einzuführen und auffällige Transaktionen aufzuspüren. Doch wann ist eine Überweisung verdächtig?

"Das müssen Banken und Ermittler lernen", sagt Jürgen Kayser, Leiter des Dezernats Finanzermittlungen beim Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen. Dafür sei Informationsmanagement und Erfahrungsaustausch das Wichtigste. Und daran hapere es noch. Ein Hemmnis: Die föderale Struktur Deutschlands und die zahlreichen zuständigen Behörden.

Die Dresdner Bank prüft zurzeit verschiedene Systeme externer Software-Anbieter, um diese Aufgabe zu bewältigen. Andere Banken wie die WGZ-Bank entwickeln die Programme selbst und stellen sie auch kleineren Banken zur Verfügung.

Computersysteme finden nicht alles

Doch auch die besten Computersysteme finden nur das, was man sie suchen lässt. Ein Beispiel aus dem Bereich des Kapitalanlagebetrugs: Auf ein Konto gehen zahlreiche Beträge der Anleger ein. Eigentlich sollte dieses Geld vom Anlageberater nun in Investments gesteckt werden. Beim Anlagebetrug werden sie aber bar abgehoben oder die Geldwäscheabteilung entdeckt, dass die Gelder vom Konto für den Kauf von Autos oder Häusern verwendet werden. Die Geldwäschebekämpfer lassen auf der Suche nach Kapitalanlagebetrügern also ein Computerprogramm nach Konten suchen, die zahlreiche Einzahlungen haben und wenige große Abhebungen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kapitalanlagebetrüger dabei sind.

Die angegebene Nationalität ist ein Suchparameter

Für den mutmaßlichen Terroristen sieht die Suchanfrage dagegen schon schwieriger aus. "Die angegebene Nationalität ist ein Suchparameter", sagt Symann. Hinzu kommen Personen, die in ihrem Leben öfter umgezogen sind und deren Überweisungen internationale Kontakte vermuten lassen. Beides reicht aber noch nicht aus. Die Personen, die das System ausspuckt, müssen dann "per Hand" nachgeprüft werden. "Der Bank-Angestellte und Kundenberater ist für uns dann die wichtigste Instanz", sagt Symann. Er kennt den Kunden, weiß, aus welchen Gründen ein Konto angelegt wurde. "Geschäftskonto oder Gehaltskonto, das sagt ja schon viel über die Transaktionen aus, die zu erwarten sind."

Täterprofile werden immer mehr

Immer neue Täterprofile kommen hinzu - zum Beispiel das des "Terroristen". Ron Noble, Generalsekretär von Interpol, sieht generelle Unterschiede zwischen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Terrorgeld sei oftmals legal erworben und werde in niedrigen, unauffälligen Beträgen überwiesen. Die Geldwäschebeauftragten der Banken müssen nicht mehr fragen, wo das Geld herkommt, sondern wo es hingeht. Terrorgeld ist oftmals legal erworben, fließt aber Organisationen zu, von denen bekannt ist, dass sie mit Terrorismus in Verbindung stehen. Beispiel: Die Spenden an den Verein Al Aqsa in Aachen, der beschuldigt wird, die Familien von Selbstmordattentätern in Israel zu unterstützen.

"Um neue Phänomene aufzuspüren ist eine Zusammenarbeit unerlässlich", sagt Kayser. Aber die Landeskriminalämter sind unterschiedlich stark beim Thema Geldwäsche engagiert. Eine Compliance-Mitarbeiterin einer großen Bank in Frankfurt kritisiert das hessische Landeskriminalamt (LKA). "Wir versuchen, unsere Anzeigen an möglichst viele LKAs weiterzugeben, um auch solchen unsere Anzeige zu geben, die gut arbeiten". Das hessische LKA beschäftige lediglich drei Mitarbeiter in der Abteilung Finanzermittlungen. In NRW sind es 40. Auf Anfrage hieß es beim hessischen LKA: "Keine Informationen zum Thema Finanzermittlungen." Ein Informationsboard von Bundesverfassungsschutz, BND, Bundeskriminalamt, Finanzaufsichtsbehörden und LKAs soll die Zusammenarbeit fördern.

Zahl der Verdachtsanzeigen nimmt zu

Im vergangenen Jahr hat das LKA in Düsseldorf 1 500 Verdachtsanzeigen erhalten. In der ersten Jahreshälfte 2002 waren es bereits 1 010, Tendenz also steigend. 85 % der Anzeigen kommen von Banken, der Rest von Spielbanken und Versicherungen. "Ungefähr ein Drittel der Anzeigen sind relevant für Strafverfahren, 5 Prozent führen zu größeren Verfahren", sagt Kayser.

Die Banken wünschen sich mehr Feedback. "Für uns ist interessant zu erfahren, welche Anzeigen und Informationen zum Erfolg geführt haben. Dadurch können wir unsere Research-Erfahrung fortentwickeln," sagt Symann. Denn das Research ist nur erfolgreich, wenn die Geldwäschebekämpfer es ständig verbessern.

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