Das Formel-1-Team von McLaren-Mercedes präsentiert in Barcelona seinen Hoffnungsträger namens MP4-17: Verhüllt vom katalanischen Dunst

Das Formel-1-Team von McLaren-Mercedes präsentiert in Barcelona seinen Hoffnungsträger namens MP4-17
Verhüllt vom katalanischen Dunst

Neuer Fahrer, neuer Reifenlieferant, ansonsten vieles wie gehabt: McLaren-Mercedes hofft nach einer schwachen Formel-1-Saison auf ein Comeback im WM-Rennen.

BARCELONA. Der A 210 Evolution, na ja. Der CL 55 AMG Coupé, schon besser. Der SL 500 Roadster, ziemlich schick. Drei Mercedes-Modelle, die an der Rennstrecke in Barcelona gewissermaßen Spalier standen für den eigentlichen Hauptdarsteller. Der hieß MP 4-17, ist mit einem Motor namens FO110M V10 bestückt und soll das Gefährt sein, mit dem McLaren-Mercedes nach einer enttäuschenden Saison 2001 wieder ganz nach vorn fahren will im Formel-1-Zirkus.

Bei der Präsentation auf spanischem Boden wurde zumindest eines klar: Hinter dem nüchternen Namen verbergen sich zumindest optisch keine spektakulären Neuerungen. Was sich im Übrigen sogar bei der Kleiderordnung fortsetzt. Hugo Boss liefert nach wie vor schwarze Lederjacken und graue Hemden mit eingesticktem Namenszug. Wie passend, dass sich am Samstagmorgen ergänzend zum farblosen Outfit ein katalanischer Morgendunst über den Asphalt gelegt hatte.

Als der Motor endlich angelassen wurde, setzte sich freilich die Sonne immer mehr durch. Und sorgte dafür, dass die wirklichen Veränderungen beim britisch-deutschen Team deutlich ins Licht gerückt wurden. Vor allem im Cockpit: Als neuer Insasse und Nachfolger von Mika Häkkinen gibt nun dessen finnischer Landsmann Kimi Räikkönen Gas. Ein blasser 22-Jähriger, der von der Polizei verdächtigt werden könnte, noch gar keinen Führerschein zu haben. Und der im Verhör dann so schüchtern und nuschelnd daherkommt, dass sich der Verdachtsmoment im Zweifelsfall noch erhärtet.

Dass er jedoch mit einem Hochgeschwindigkeitsauto umgehen kann, davon sind die Verantwortlichen grundsätzlich überzeugt. Räumen ihm aber vorsichtshalber einen großzügigen Kredit ein. "Er darf Fehler machen, darauf sind wir vorbereitet", betonte ein ungewohnt gut gelaunter Teamchef Ron Dennis. Das "new kid on the block" soll von der laut Dennis "positiven Chemie" bei McLaren-Mercedes profitieren und schnell lernen - auch vom erfahreneren David Coulthard.

Und doch weiß niemand so recht, wie gut das diesjährige Paket - wie es im Formel-1-Jargon heißt - wirklich ist. "Technische Innovationen entpuppen sich manchmal als technische Desaster", weiß Dennis. Zumal diesmal eine weitere große Unbekannte zu berücksichtigen ist. Statt Bridgestone liefert ab sofort Michelin die Reifen an das einstige Weltmeisterteam. "Der Wechsel des Reifenausrüsters hatte mit den größten Einfluss auf die Entwicklung des MP4-17", heißt es in den offiziellen technischen Erläuterungen. Dies und vor allem Dennis? Worte hören sich nach Unsicherheit an. Wie auch die Beschreibung des Chassis nur bedingt Vertrauen hervorruft: "Eine Wabenstruktur aus Kohlefaser-Aluminium-Verbundstoff, mit integrierten Crashstrukturen vorn und an den Seiten sowie Sicherheitstankzelle."

Für den so gesicherten Arbeitsplatz von Coulthard und Räikkönen interessierten sich auch die Handwerker, die in Barcelona an der Tribünenerweiterung arbeiten. Als Testfahrer Alexander Wurz den neuen Silberpfeil erstmals öffentlich in Szene setzte, wurde die Arbeit vorübergehend eingestellt. Allerdings steuerte Wurz den Wagen nach einer Runde wieder in die Garage. Irgendwas stimmte nicht, die Mechaniker mussten auf Fehlersuche gehen. Nach 20-minütiger Pause ging?s weiter.

Nur gut, dass in Masse produzierte Daimler-Fahrzeuge nicht so oft in die Werkstatt müssen. "Wir glauben, dass in dem neuen Auto viele Dinge stecken, die besser sind als im vergangenen Jahr", sagt Ron Dennis. "Wir glauben, dass wir einen großen Schritt nach vorne getan haben", sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Beide glauben, sie wissen es nur nicht.

Und so sind selbst in eigenen Sponsorenreihen die Zweifel groß, ob die Silberpfeile in der am 3. März beginnenden Saison wieder an bessere Zeiten anknüpfen können. "Coulthard ist kein Fahrer, der die WM gewinnen kann und Räikkönen noch zu jung. Schumacher ist einfach der Beste", bemerkte ein Vertreter eines der wichtigsten Geldgeber, der anonym bleiben wollte und sich von der "Viva-la-Mercedes"-Euphorie nicht anstecken ließ. Dennis hält gegen: "Michael Schumacher ist nicht unschlagbar."

Der Weltmeister hatte jüngst übrigens BMW-Williams als Hauptkonkurrenten ausgemacht, nicht McLaren-Mercedes. Dazu Haug: "Wollen wir ihn in dem Glauben lassen."

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