Das Geburtstagskind ist Chef der Roland Berger Strategy Consultants
Roland Berger: Einer, der sie alle kennt

Der wohl bekannteste Unternehmensberater in Deutschland wird 65 Jahre alt. Sein Name ist Synonym für eine Erfolgsgeschichte, die sich bestens verkauft - auch in Krisenzeiten.

MÜNCHEN. Jürgen Schrempp lobt ihn in den höchsten Tönen: seinen "unermüdlicher Einsatz, sein globales Netzwerk und die genaue Kenntnis seiner Märkte". Geht es um den Münchener Unternehmensberater Roland Berger, lässt sich der mächtige Daimler-Chef nicht lange bitten. Der Vielbeschäftigte findet schnell Zeit, Deutschlands wohl bekanntesten Berater mit ein paar wohl überlegten Worten zu beschreiben: "Ein international anerkannter, reputierter und - von mir persönlich - hoch geschätzter Ratgeber der Wirtschaft".

Der charismatische Gründer und Chef der Roland Berger Strategy Consultants ist oft dabei, wenn Politiker und Manager hinter verschlossenen Türen über das Wohl des Landes entscheiden. Er kennt sie alle. Und jeder, der etwas auf sich hält, kennt Roland Berger. Dessen "Freund Gerhard" ist der deutsche Bundeskanzler.

Als "Beichtvater der Bosse" wurde Berger schon 1991 vom Magazin "Stern" bezeichnet. Rund zehn Jahre später ist er für die "Business Week" der Mann, der in Deutschland am besten mit den höchsten Ebenen verdrahtet ist. Doch der so Titulierte, der an diesem Tag aus den USA nach München geflogen war und sich später Richtung Japan ins Flugzeug setzen wird, hört Worte wie "Netzwerk" und "Akquisitionstalent" sichtlich ungerne. in Netzwerke nicht einfach hineingeboren", wendet er ein.

Dennoch hört er aufmerksam zu und zeigt keinerlei Anzeichen davon, dass ihm die Zeitverschiebung der Reise zu schaffen machen könnte. Dann wählt er seine Worte mit Bedacht. "Meine Kontakte sind das Ergebnis von 40 Jahren Arbeit - das wird schnell mal vergessen", sagt Berger. Das liege auch daran, dass er seinen Klienten ein "guter Berater war und ist". Seine Verbindungen zu Menschen hätten sich aus erfolgreicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit entwickelt - "und heute tragen sie auch menschlich". Das alles sagt er mit professionellem Charme, frei von Arroganz. Aber ein wenig Eitelkeit ist natürlich schon im Spiel, wenn er darauf verweist, dass er sehr schnell im Kopf sei.

Zweifellos: Der Name Berger ließe sich wohl kaum so gut verkaufen, wäre die Karriere des bekannten Gründers nicht eine Erfolgsgeschichte. Wenn er morgen 65 Jahre alt wird und Ende Juni nach 35 Jahren von der Unternehmensspitze in den Aufsichtsrat wechselt, hinterlässt er ein gut bestelltes Haus: Für das laufende Jahr rechnen die Berater trotz Branchenkrise mit einem Umsatzplus von zehn Prozent. Hinter Branchenführer McKinsey ist die Münchener Beratung die Nummer zwei auf dem deutschen Markt.

Für seinen Erfolg und seine mediale Präsenz wird Berger oft bewundert, häufig beneidet und kritisiert. So weisen Konkurrenten nur allzu gerne darauf hin, dass er nicht nur den jetzigen Bundeskanzler, sondern auch dessen gescheiterten Gegenspieler, Edmund Stoiber, schon einmal berate - was Berger nicht bestreitet. Gemunkelt wird auch darüber, dass es die Münchener Beratung irgendwie immer in die Pressemitteilungen der Auftraggeber schaffe. Und darüber, dass "das Thema, zu dem sich Roland Berger nicht zu Wort melde, wohl erst noch erfunden werden müsse".

Consulting-Experte Thomas Lünendonk sieht das anders: "Er ist derjenige, der für das Thema Unternehmensberatung in Deutschland in der Öffentlichkeit am meisten getan hat." Und das komme allen Beratungen zugute. In der traditionell verschwiegenen Branche der heimlich als Folienaufleger und Besserwisser Geschmähten, versteht es Berger nach Ansicht von Lünendonk, "bunte Punkte zu setzen".

Auch heute noch arbeite der Beraterchef sieben Tage die Woche, berichtet sein geschäftsführender Partner, Karl Wilhelm Vogel. Eine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben im eigentlichen Sinne kenne er nicht. Berger beschreibt das so: "Ich bin ein Mensch, der gerne etwas bewegt." Und das am liebsten mit hoher Geschwindigkeit. Wer damit nicht Schritt halten kann, erlebt ihn ungeduldig. Das wissen auch seine Mitarbeiter.

Darüber hinaus gilt: Widerspruch ist erlaubt, aber sollte vorher gut durchdacht sein. "Dafür hat man bei ihm genau einen Versuch. Wenn der nicht sitzt, hat man schon verloren", berichtet eine ehemalige Mitarbeiterin. Gefürchtet ist der Chef, wenn er fordert: "Das hätte ich gerne genauer", und eine Wiedervorlage anordnet. Die stehe dann unerbittlich im Terminkalender und werde niemals vergessen.

Ein Drittel seiner Zeit widmet der Berater inzwischen Wissenschaft, Lehre, Kultur und Politik. "Ich bin dankbar, in eine Generation hineingeboren zu sein, die über Jahrzehnte nur Frieden kannte und mit der es alles in allem wirtschaftlich überwiegend bergauf ging." Berger, der sich an Luftschutzkeller und Durchsuchungen der Gestapo im Elternhaus erinnern kann, lernte als Kind auch die schlechteren Zeiten kennen. Für die guten, die er erleben durfte, will er etwas "zurückgeben" und sich mit seinen Fähigkeiten und seinem Wissen in die Gesellschaft einbringen.

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VITA

Roland Berger wird1937 in Berlin geboren. Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre in München gründet und betreibt er eine Wäscherei, die er zwischen seinem mündlichen und schriftlichen Examen wieder verkauft - erzielter Gewinn: 600 000 Mark. Nach seinem Studium, das er als Jahrgangsbester abschließt, startet er seine Karriere 1962 bei Boston Consulting in Mailand und Boston. Fünf Jahre später gründet er seine eigene Beratungsfirma, die sich heute als einziges europäisches Unternehmen in der internationalen Top-Liga der Beratungen behaupten kann. Ende Juni 2003 wird er von der Unternehmensspitze in den Aufsichtsrat wechseln. Bundeskanzler Gerhard Schröder hätte Berger vor der Bundestagswahl 1998 gerne ins Kabinett geholt, aber dieser lehnte ab. Nach wie vor gilt Berger aber auch in der Politik als gefragter Ratgeber.

Simone Wermelskirchen
Simone Wermelskirchen
Handelsblatt / Redakteurin
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