Das geplante Rauchverbot wird Englands Kneipenbranche verändern
Angriff auf die Pubkultur

Vom Jahr 2008 an sollen alle Pubs in England und Wales rauchfrei sein. Von dem geplanten Rauchverbot sind die meisten Pubbesucher nicht begeistert, was den dortigen Kneipen große Probleme bringen könnte.

LONDON. Das "Churchill Arms" im Londoner Stadtteil Kensington ist ein Pub wie aus dem Bilderbuch. Bunter Teppich ziert den Boden, das Kaminfeuer lodert und an kleinen Tischen aus Holz sitzen Gäste und trinken dunkles Bier. Jeden Abend strömen sie nach Büroschluss in die Kneipe von Jerry. Der 52-Jährige mit dem freundlichen Gesicht und dem grauen, gescheitelten Haar hat seinen Pub zum Museum gemacht: Bücher, Plakate, Zeitungsausschnitte sind dort zu sehen - alle über Winston Churchill, den früheren britischen Premierminister. Im Durchgang zum Hinterzimmer blickt Churchill von einem großen gerahmten Bild prüfend herab auf die trinkende Menge.

Was der leidenschaftliche Zigarrenraucher Churchill wohl dazu gesagt hätte, dass in den meisten englischen Pubs bald nicht mehr geraucht werden darf? "Der wäre davon mit Sicherheit nicht begeistert gewesen", sagt Pubbesitzer Jerry und lacht. So, wie viele nicht begeistert sind von dem Rauchverbot, das die Regierung plant. Vom Jahr 2008 an sollen alle Pubs in England und Wales rauchfrei sein, die neben Bier frisch zubereitetes Essen servieren. Das tun immerhin 80 Prozent der rund 60 000 Pubs. Jerry wird ernst: "Vielen Kneipen könnte das Gesetz große Probleme bringen."

Man fürchtet Umsatzeinbußen und Pleiten in Englands Kneipenindustrie, wenn wegen des Rauchverbots womöglich die Gäste wegbleiben. Manche wittern gar einen Angriff auf die Pubkultur. Die Unternehmensberatung BDO Stoy Hayward glaubt, dass 32 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und der Gewinn im Schnitt um fünf Prozent zurückgehen wird.

Dabei schlägt England schon einen sanfteren Kurs ein als etwa Irland, wo das Rauchen komplett verboten wurde. Nur wer Speisen serviert, muss das Qualmen in den Pubs künftig verbieten. Essen oder Rauchen - darüber muss auch Jerry nachdenken. Im "Churchill Arms" gibt es zwar einen Extraraum fürs Restaurant, doch viele Gäste lassen sich ihre Fish ?n? Chips lieber direkt neben der Theke schmecken.

An Prognosen, wie das geplante Gesetz die Pubkultur verändern wird, mangelt es nicht. Große Ketten erwarten, dass viele Kneipiers das Servieren von Burgern und Fritten ganz aufgeben werden, um die Raucher zu behalten. "Die Gewinnspannen bei Getränke sind schließlich dreimal höher als beim Verkauf von Speisen", sagt Tim Clarke, Chef der Pubkette Mitchells & Butlers.

Auch die Analysten haben schon eine Lösung: Möglicherweise werden Pubbesitzer aus einer Kneipe zwei machen - einen Raucherpub und einen Nichtraucherpub, wie Geoff Collyer von der Deutschen Bank erläutert. Oder Pubs werden nur noch abgepackte Sandwiches verkaufen, weil das Verbot nur bei frisch zubereiteten Speisen gilt.

"Vieles ist möglich. Wir müssen abwarten, was in den nächsten drei Jahren wirklich passieren wird", sagt Jerry und zapft das nächste dunkle, schaumlose Bier. Bis das Vorhaben Gesetz wird, wollen Pubbesitzer die Regierung bearbeiten, um eine praktikable Lösung zu finden. Vorneweg ist dabei Ted Tuppen, Chef von Englands größter Pubkette Enterprise Inns: "Wir sind ja ebenfalls für einen besseren Schutz der Nichtraucher", sagt er. "Aber man darf auch nicht einen Teil des Gemeinschaftslebens zerstören."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%