Das geplante Vergütungssystem gefährde Patientenversorgung
Ärzteverband schlägt Treffen mit Gesundheitsministerin vor

ap BERLIN. Ärzteverbände haben am Donnerstag baldige Beratungen an dem von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt vorgeschlagenen "Runden Tisch" gefordert. Dabei müsse auch erörtert werden, dass das ab 2003 geplante Vergütungssystem für Krankenhausleistungen die Patientenversorgung in Deutschland gefährde. Weitgehend positiv wurde der Vorschlag Schmidts bewertet, die Globalhaftung der Ärzte im Rahmen des Arzneimittelbudgets abzuschaffen.

Eine Änderung der Kollektivhaftung der Ärzte dürfe jedoch nicht zu Lasten der Patienten und "zum alleinigen Nutzen der Ärzteschaft führen", verlangte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Sie warnte vor übereilten Änderungen eines funktionierenden Systems.

Globalhaftung soll Richtgrößen weichen

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Hans-Jürgen Thomas, begrüßte die Ankündigung, die Globalhaftung der Ärzte durch Richtgrößen zu ersetzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht eine ihrer Kernforderungen erfüllt. Der Aktionsrat der niedergelassenen Ärzte Ostdeutschlands äußerte sich ähnlich. Die neue Gesundheitsministerin bemühe sich um eine "reale Sicht der Probleme".

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer fordert einen Neuanfang in der Gesundheitspolitik. Schmidts Ankündigung sei ein längst überfälliger Schritt in die Richtige Richtung. Die Probleme seien jedoch noch nicht gelöst. Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens verlangt, die Bundesregierung solle die Budgets insgesamt fallen lassen.

Rationierung von Gesundheitsleistungen befürchtet

Die neue Krankenhausfinanzierung könne zu einer "drastischen Rationierung von Gesundheitsleistungen" führen, beklagten die Bundesärztekammer, der Marburger Bund und der Verband der leitenden Krankenhausärzte auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Verbände forderten die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Spitzenverbände der Krankenkassen als Vertragspartner auf, bei der Kalkulation der Fallpauschalen mindestens den Anforderungen des Arbeitszeitgesetzes und den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofes zur Definition des Bereitschaftsdienstes als Arbeitszeit zu entsprechen.

Die Arbeitszeitbegrenzung im Krankenhaus und die Berücksichtigung der Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit führten zu einem zusätzlichen Stellenbedarf von 15 000 Ärztinnen und Ärzten, sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery. Dafür würden rund zwei Mrd. DM im Jahr benötigt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, lehnte eine "ungeschützte Einführung" des australischen Fallpauschalen-Systems in sämtlichen Fachbereichen ab, in denen dieses nicht an die deutschen Verhältnisse angepasst wurde.

Der Präsident des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte, Hermann Hoffmann, sieht im neuen Vergütungssystem ernste Gefahren für die ärztliche Weiterbildung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%