Das gerechte Gehalt gibt es nicht
Kommentar: Marktpreise

Wir leben in einer Marktwirtschaft. Hohe und höchste Gehälter können sinnvoll oder sogar erforderlich sein. Das gerechte Gehalt aber gibt es nicht.

Schon die Klassiker der Nationalökonomie wussten: Es gibt keinen gerechten Preis. So gibt es für ein Kilogramm Schweinefleisch ebenso wenig einen korrekten Verkehrswert wie für einen Flug Frankfurt-New York und, damit sind wir beim Thema, für die Vergütung von Managern.

Da hat die Unternehmensberatung Arthur Andersen eine Studie präsentiert, wer in deutschen Vorständen eigentlich wie viel kassiert. Ein durchschnittliches Vorstandsmitglied der Deutschen Bank kam danach im Jahr 2000 einschließlich aller Boni und Aktienoptionen theoretisch auf erkleckliche 11 Millionen Euro. Ein Daimler-Chrysler-Vorstand brachte es immerhin noch auf gut 6 Millionen Euro, während ein Mitglied des Allianz-Führungsgremiums lediglich mit 1,4 Millionen Euro für seine Dienste entlohnt wurde.

Zum Thema Gerechtigkeit: Niemand wird auf die Idee kommen, dass ein Deutsche-Bank-Vorstand neunmal so gut sei wie sein Kollege bei der Allianz - gleich gut wäre schon ein schöner Erfolg. Im egalitären Deutschland, das seinen Eliten nicht selten sehr skeptisch gegenübersteht, wecken solche Bezüge Empörung, Misstrauen und Neid. Dies gilt besonders in Zeiten, in denen hoch bezahlte Vorstände ihr Heil vor allem im Abbau von Arbeitsplätzen suchen.

Doch ist Gerechtigkeit in der Frage der Entlohnung das höchste Gut? Die Antwort lautet: nein. Bei Vergütungen von Vorständen muss der Aufsichtsrat - müssen die Aktionäre - zunächst einmal entscheiden, ob eine Person in der Lage ist, den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern. Ist dieses Vorstandsmitglied dazu in der Lage, kommt es für die Aktionäre auf die eine oder andere Million nicht an.

Wir leben in einer Marktwirtschaft. Hohe und höchste Gehälter können sinnvoll oder sogar erforderlich sein. So ist es kein Wunder, dass mit der Deutschen Bank und Daimler-Chrysler zwei Unternehmen an der Spitze der Gehaltsrangliste liegen, die bedeutende Akquisitionen in den USA vorgenommen haben. Die Vorstände von Bankers Trust und Chrysler kassierten, wie in den Vereinigten Staaten üblich, hohe Millionengehälter und damit ein Vielfaches ihrer deutschen Vorstandskollegen. Auf Dauer war dies innerhalb eines Konzerns kein haltbarer Zustand. Die Angleichung der Vorstandsgehälter an angelsächsische Usancen wurde im Wege der Globalisierung gleichsam durch die Hintertür eingeführt.

Wenn Vorstände aber die durchaus angenehmen Eigenheiten angelsächsischer Unternehmensführung preisen, müssen sie auch bereit sein, einige Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Dazu gehören etwa die Offenlegung der Vergütung jedes einzelnen Vorstandsmitglieds und eine stärker vom Erfolg abhängige Bezahlung. Zudem darf in den Stock-Option-Plänen nicht die absolute Performance einer Aktie zum Maßstab gemacht werden; vielmehr gilt es, anhand der relativen Wertentwicklung im Vergleich zu den Wettbewerbern zu messen, ob der Vorstand sein Geld wert ist.

Dass die Vorstände im Rekordjahr 2000 kräftig über Aktienoptionen und Boni kassiert haben, ist dann in Ordnung, wenn sie in den Baisse-Jahren 2001 und wohl auch 2002 den Gürtel zwei Löcher enger schnallen müssen. So sollten Aktionäre allfällige Versuche ablehnen, den Ausübungskurs von Aktienoptionsplänen nachträglich nach unten zu setzen. Und vor allem: Nach Fehlern im Management darf der Arbeitsplatzabbau nicht nur in den unteren Rängen der Belegschaft erfolgen. Die hohen Gehälter sind dann durchaus auch als Risikoprämie für Vorstände zu verstehen.

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