Das Geschäft an wichtigen europäischen Handelsplätzen boomt – Weitere Produkte in der Pipeline
Indexfonds an der Börse bald noch billiger

Immer mehr Anleger erwärmen sich für Indexfonds. Mit gutem Grund: Die Produkte werfen nicht nur höhere Erträge ab als viele aktiv gemanagte Fonds. Sie sind auch preisgünstiger. Noch billiger und außerdem komfortabler sind diese Aktienprodukte in der börsengehandelten Variante.

HB FRANKFURT/M. "In einigen Jahren zahlen die Anleger für börsengehandelte Indexfonds nur noch 0,2 bis 0,3 % Gebühren im Jahr", sagt Deborah Fuhr, bei Morgan Stanley Chefanalystin für diese Produkte. Das dürfte den Anbietern traditioneller Indexfonds, Marktführer ist die Commerzbank-Investmentgesellschaft Adig, das Geschäft erschweren. Deren Produkte sind nicht ganz so preiswert und außerdem nicht börsengehandelt.

In der Regel werden Aktienfonds aktiv geführt. Für diese Produkte zahlen die Anleger meist einen Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % sowie jährliche Gebühren von durchschnittlich 1,78 % (siehe Grafik). Die schon seit längerem angebotenen Aktien-Indexfonds sind teilweise mit einer etwas geringeren Kaufgebühr ausgestattet. Sie sind außerdem mit niedrigeren Jahresgebühren von durchschnittlich 1,19 % belegt, weil viele typische Kosten für das Fondsmanagement entfallen, etwa Aufwendungen für Research und Wertpapierhandel.

Die börsengehandelte Variante, so genannte ETF, gibt es in Europa erst seit knapp zwei Jahren. Wichtigste Handelsplätze sind das Frankfurter Börsensegment XTF und das Pendant NextTrack der Dreiländerbörse Euronext. Deborah Fuhr zählt trotz der jungen Historie bereits 74 Fonds mit einem Gesamtvermögen von 6,4 Mrd. Sie sind noch billiger, denn die einmalige Kaufgebühr entfällt und wird durch die geringeren banküblichen Spesen für eine Börsenorder ersetzt. Die Jahresgebühr liegt schon jetzt bei durchschnittlich nur 0,52 %.

Die niedrigen Gebühren dürften die Anbieter traditioneller Indexfonds unter Druck setzen. "Die jährlichen Gebühren sollten unter ein Prozent liegen. So lange das nicht der Fall ist, werden ETF einen Vorteil haben", sagt Paul Moulton, Chef der Londoner Fondsresearch- und Consultingfirma Fitzrovia. Wie erfolgreich die ETF-Anbieter ihre Fonds verkaufen, zeigt die Investmentgesellschaft Indexchange, die zur Hypo-Vereinsbank-Gruppe gehört. Sie wurde ausschließlich für die Auflage dieser speziellen börsengehandelten Indexfonds gegründet - ein einmaliger Fall in Deutschland. Anleger investierten 2001 trotz der schwierigen Zeiten an der Frankfurter Börse netto 1,2 Mrd. in die jetzt 17 Indexchange Indexchange-Geschäftsführer-Produkte. Andreas Fehrenbach sieht wie Deborah Fuhr die Gebühren weiter fallen: "Bei den Fonds, die sich auf Standardwerteindizes beziehen, fallen wir, aggressiv geschätzt in Richtung 0,25 bis 0,3 %." Bei den komplexeren Indexfonds auf Branchenmesslatten sieht er dagegen "nicht viel Spielraum nach unten". Hier liegen die Gebühren in der Regel bei 0,5 oder 0,55 %.

Ein wichtige Rolle im europäischen ETF-Geschäft spielt auch Merrill Lynch. Manooj Mistry, Produktmanager für diesen Bereich, weist auf Erfahrungen in den USA hin: "Dort sind die Produkte entstanden und die Gebühren sind mit steigenden Fondsvolumina gesunken. Das wird in Europa nicht anders sein."

Etwas zurückhaltender ist Isabelle Bourcier, Marketingleiterin bei dem Pariser ETF-Anbieter Lyxor Asset Management, einer Tochter der Société Générale. Ihre Zielspanne reicht von 0,25 bis 0,5 %. "Ich bin vorsichtiger, weil die notwendigen separaten Zulassungserfordernisse der Fonds in den einzelnen europäischen Ländern mögliche Gebührensenkungen deckeln. Ein anderer Grund sind die höheren Kosten eines Fonds bei grenzüberschreitenden Indizes, etwa die Wertpapierverwahrkosten und Lieferspesen."

In jedem Fall sind neue Produkte längst in Planung. Lyxor will im ersten Halbjahr drei weitere Fonds anbieten. Außerdem sollen die bisher an NextTrack gehandelten vier Produkte auf die Indizes Dow Jones Industrial Average, auf US-Tech-Aktien und auf den Euro Stoxx 50 und den Cac 40 bald auch in Frankfurt eingeführt werden. Die Investmentgesellschaft Indexchange will "in diesem Jahr weitere 12 bis 15 Branchenfonds auf Basis von Stoxx und Euro Stoxx bringen", kündigt Andreas Fehrenbach an. "Zudem prüfen wir die Möglichkeit von Anleihe-Indexfonds. Das wären die ersten weltweit."

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