Das Geschäft dreht sich insbesondere um Gebrauchtwagen und Produktionsmittel
In Ungarn wird Leasing immer populärer

Der ungarische Leasingmarkt boomt ungebremst. Hohe Zuwachsraten erreicht vor allem die Finanzierung von Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen. Schon vor Jahren wurden die Regeln des Leasings in Ungarn den internationalen Standards angepasst.

BUDAPEST. Nach Angaben des Ungarischen Leasingverbandes (Magyar Lizingszövetseg) ist der inländische Markt im vergangenen Jahr um 38,6 % gewachsen. Der Nettowert aller Neufinanzierungen stieg von gut 410 Mrd. Forint im Jahre 2000 auf mehr als 569 Mrd. Forint im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Summe liegt wahrscheinlich noch höher, da die Leasinggruppe der Merkantil Bank und einige andere Gesellschaften dem Verband keine Daten gemeldet haben. Auch in diesem Jahr hält der Aufschwung des Leasinggeschäftes an.

Ferenc Csaki, Vizepräsident des Verbandes und Geschäftsführer der HVB Leasing Hungary Rt, führt den Boom auf das Wachstum der ungarischen Volkswirtschaft und auf die Tatsache zurück, dass die Leasinggesellschaften im Konkurrenzkampf immer neue Geschäftsfelder entdecken. Neben traditionellen Marktsegmenten wie die Finanzierung von Neuwagen oder Gabelstaplern und Druckmaschinen gelangten zunehmend Branchen wie Computertechnik, Holz- und Kunststoffverarbeitung sowie die Landwirtschaft ins Blickfeld der Leasinganbieter.

Im vergangenen Jahr entfielen nach der Statistik des Leasingverbands 59 % aller Finanzierungen auf Personenkraftwagen, 21 % auf Nutzfahrzeuge, 11 % auf Maschinen und Anlagen, 4 % auf Immobilien, und 2 % auf Elektronik. Die höchsten Zuwachsraten erzielten PKW mit 54,6 %, Maschinen und Anlagen mit 43,2 % und Nutzfahrzeuge mit 23 %. Demgegenüber ging das Geschäft mit Immobilien um 34,3 % zurück. Daran zeigt sich, dass man in Ungarn unter Leasing vor allem das Geschäft mit Mobilien versteht. Die Verträge haben in der Regel Laufzeiten von drei bis fünf Jahren.

Finanzleasing ist wichtiger als operatives Leasing. Besonders beliebt ist das so genannte Vertriebsleasing mit verkaufsförderndem Charakter. Die dynamische Entwicklung im Kraftwagenbereich erklärt sich nicht in erster Linie aus dem gestiegenen Verkauf von Neuwagen, sondern aus der Tatsache, dass sich die Leasingfirmen zunehmend dem Verkauf gebrauchter PKW zuwenden. Das gilt besonders für Gesellschaften wie die MKB-Euroleasing Rt und auch die Leasinggruppe der Merkantil Bank.

Euroleasing-Direktor Laszlo Fejes betont: "In Ungarn gibt es ein sehr gut entwickeltes Bankensystem. Und die Banken konzentrieren sich auf den Neuwagenmarkt, weil dort das Risiko für sie kleiner ist. Allerdings herrscht dort ein scharfer Zinswettbewerb. Zunehmend befassen sich Institute wie die Porsche-Bank mit dem Auto-Leasing. Wir haben uns schon vor eineinhalb Jahren stärker in Richtung Gebrauchtwagen orientiert, weil wir diesen Bereich für den profitabelsten halten."

Das Geschäft mit gebrauchten PKW ist sicherer geworden, seit die Händler laut Vorschrift präzisere Angaben über die Herkunft der Autos machen müssen. PKW-Leasing boomt auch deshalb, weil sich die Autos einerseits entsprechend der Inflation verteuern, andererseits die angelegte Kreditsumme durch die Senkung der Anfangsraten erhöht wird. Gestiegen ist zudem die Bereitschaft der Kunden, Kredite aufzunehmen. Heute werden schon 65 % der Autos mit Krediten finanziert.

Wegen des starken Wettbewerbs bei der Kfz-Finanzierung versuchen die Leasingfirmen, ihren Marktanteil durch die Erhöhung der Händler-Provisionen zu steigern. Der Generaldirektor der Merkantil Bank betonte gegenüber der führenden Wirtschaftstageszeitung "Vilaggazdasag", die Provision werde wohl in diesem Jahr auf mindestens 4 % steigen, nachdem sie im letzten Jahr etwa 3 % betragen habe.

Für die Auto-Dealer spielt die Provision eine entscheidende Rolle, weil sie in ihrem harten Konkurrenzkampf mit den Autopreisen runtergehen müssen. Laszlo Fejere von Euroleasing versichert, dass sich seine Gesellschaft nur mit Qualitätswagen beschäftigte. Gerade die Herkunftskontrolle müsse sehr streng sein, weil das Vertrauen bei den Kunden schaffe. Aber natürlich sei auch der Wettbewerb über die Provisionen eine wichtige Sache.

Anders als Euroleasing befasst sich die HVB Leasing Hungary mit fast allen Geschäftsfeldern, ausgenommen die Finanzierung von PKW für Privatkunden und von Wohnungen. 55 % ihres Portfolios entfallen auf Immobilien- und 45 % auf Mobilienfinanzierungen. Letzteres gilt vor allem für Nutzfahrzeuge, Maschinen und technologische Anlagen. 80 % des Kundestammes sind kleine und mittlere Firmen. Direktor Csaki erklärt: "Natürlich machen wie kein Geschäft ohne strikte Bonitätsprüfung. Andererseits bemühen wir uns, über die Lieferanten Kunden für uns zu finden. Leasing-Firma und Lieferant müssen gut zusammenarbeiten. 60 % unseres Portfolios werden durch solche Kooperationen realisiert. Beweglichkeit ist wichtig, wobei wir uns dem Geschäftsgang des Händlers anpassen. Und natürlich spielt es eine wichtige Rolle, welche Konditionen wir ihm anbieten können."

Ein Vorteil seiner Gesellschaft ergebe sich daraus, dass sie Teil einer Bankengruppe sei. So könne man auch Bankfinanzierungen und Kontoführung anbieten. Auch die Bonitätsprüfung müsse man als Dienstleistung für den Kunden begreifen. Hinzu komme die Ratgebertätigkeit bei Investitionen und deren Finanzierung. Tatsächlich haben gerade auch in Ungarn große internationale und einheimische Banken Leasinggesellschaften gegründet. Daneben sind natürlich die internationalen Leasingunternehmen mit Töchtern präsent.

Unter steuerlichen Gesichtspunkten beträgt die günstigste Laufzeit von Leasingverträgen drei Jahre, da in diesem Fall die Leasingraten beinahe zu 100 % steuerlich absetzbar sind. Je nach Geschäftsfeldern stehen bei den Leasinggesellschaften wahlweise Devisen- oder Forint-Finanzierungen im Vordergrund. Während Euroleasing als PKW-orientiertes Unternehmen nur 25 % der Geschäfte in Devisen, mehrheitlich Euro, abwickelt, liegt der Devisenanteil bei der HVB Leasing bei etwa 80 %.

Laszlo Fejes meint, der Leasingmarkt in Ungarn sei noch stark in Bewegung. Ständig kämen neue Anbieter hinzu, doch habe es auch schon Fusionen gegeben. Ferenc Csaki glaubt, dass die Zukunft des Marktes stark von der Bankenzukunft abhängt. "Wenn es bei den Banken weiter Fusionen geben wird, was ich annehme, wird dies auch am Leasingmarkt passieren."

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