Das Geschäft mit den Satelliten
Europäer setzen weiter auf die Ariane

Der Betroffenheit war groß als die neue Trägerrakete Ariane beim Start vom Kurs abkam und gesprengt werden musste. Der Fehler, der die Rakete zum Absturz brachte, wurde schnell entdeckt. Nun sind die Expereten dabei, die Trägerrakete für einen neuen Start vorzubereiten.

DÜSSELDORF. Der Schreck war groß, die Blamage noch größer, als am 23. November vergangenen Jahres die erste, auf zehn Tonnen Nutzlast verstärkte Ariane-5 drei Minuten nach ihrem Start in Kourou (Französisch- Guayana) über dem Atlantik gesprengt werden musste. Ihre Trümmer versanken vor der Nordostküste Südamerikas im Atlantik und mit ihnen die schönsten Erwartungen der europäischen Raketenbauer.

Doch nicht nur die Hoffnungen, mit der neuen, verstärkten Rakete weltweit die Führungsrolle beim Start schwerer Nachrichtensatelliten behalten zu können, waren dahin. Durch den außerordentlich kostspieligen Rückschlag drohte zwischenzeitlich das Aus für den Bau von Großraketen im Rahmen des europäischen Raketen-Konsortiums Arianespace. Inzwischen haben die Politiker der Mitgliedsländer jedoch eine Lösung gefunden, mit der sie den Bestand des Ariane-Programms sichern wollen.

Amerikaner haben die Führung übernommen

Die Katastrophe war umso größer, als kurz zuvor zwei neue, amerikanische Raketen der gleichen Größenklasse - die Atlas-5 von Lockheed Martin und die Delta-4 von Boeing - ihr Weltraum-Debut erfolgreich hinter sich gebracht hatten. Gleichzeitig drängen die Chinesen mit ihren Geschossen vom Typ "Langer Marsch" und die Russen mit verbesserten, schweren Proton-Raketen auf den Weltmarkt. Das alles zu einem Zeitpunkt, zu dem die weltweite Stagnation der Wirtschaft zu einer verminderten Nachfrage nach Satelliten führt, so dass nicht mehr mit dem Start von etwa 35 schweren Nachrichtensatelliten auf die geostationäre Umlaufbahn pro Jahr gerechnet werden konnte, sondern nur noch mit etwa 20 bis 25.

Gerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation wollten die Europäer mit ihrer stärkeren Ariane-5 punkten. Mit weniger beweglichen Teilen als die Vorgänger- Rakete Ariane-4 sollte sie in der Produktion einfacher, im Flug noch zuverlässiger und bei den Kosten für den Kunden pro Kilogramm transportierter Nutzlast billiger werden.

In den letzten Monaten haben die Esa-Entwickler fieberhaft gearbeitet, um den Markt nicht kampflos den Konkurrenten zu überlassen. Der technische Konstruktionsfehler war bald gefunden. Es stellte sich heraus, dass die Brennkammer des Vulcain-2-Triebwerks der ersten Raketenstufe nicht genügend gekühlt worden war. Die Wandung der Kammer schmolz an einigen Stellen durch. Dadurch sank die Schubkraft des Motors schnell ab, und das Schicksal der Rakete war besiegelt.

Neue Ariane bringt 2004 Transporter ins Weltall

Inzwischen sind die notwendigen Verbesserungen in Arbeit. Sie sollen dazu führen, dass der Treibstoffdurchfluss in den Kühlleitungen erhöht und damit in Zukunft eine ausreichende Kühlung des Triebwerks sicher gestellt wird. Die Entwickler hoffen, dass bis zum Herbst diesen Jahres - spätestens bis Anfang 2004 - die notwendig gewordenen Modifikationen an der verstärkten Ariane-5 abgeschlossen sind. Im ersten Quartal 2004 ist bereits ein erster Testflug der verbesserten Rakete geplant. Ein zweiter Qualifikationsflug soll sich im September 2004 anschließen.

Dann soll die neue Rakete allerdings auch schon das neue, zehn Meter lange, unter Leitung der Esa gebaute Transport-Fahrzeug ATV (Automated Transport Vehicle) für die Internationale Raumstation ISS ins All transportieren. Diesem neuen europäischen Weltraum-Vehikel kommt jetzt eine unerwartet hohe Bedeutung zu, da nach dem Columbia-Absturz die zur Versorgung der Station eingesetzten amerikanischen Raumtransporter vorerst am Boden bleiben müssen.

Schwieriger als die technischen sind jedoch die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme der verstärkten Ariane-5-Rakete zu lösen. Allein die ESA soll 475 Mill. Euro zur Rettung der Ariane beitragen - und das zu einem Zeitpunkt, da in den Mitgliedsstaaten fast jeder Steuer-Euro vor seiner Ausgabe zwei Mal umgedreht wird. Die Industrie soll sich mit zusätzlichen 75 Mill. Euro beteiligen.

Damit in der Zwischenzeit, bis die neue stärke Ariane-5 einsatzbereit ist, Geld in die Kasse kommt, plant die Esa zwölf Transporte in das Weltall mit einer älteren Raketenversion, die statt der zehn Tonnen Nutzlast nur sechs Tonnen transportieren kann. All diese Flüge sind bereits ausgebucht. "Jetzt, da wir weniger Raketen haben, sind sie für die Kunden um so kostbarer", sagt Arianespace-Chef Jean-Yves Le Gallfügte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%