Das Geschäft mit der drahtlosen Datenübertragung steckt noch in den Anfängen
Der schnelle Internetzugang kommt via Richtfunk aus der Luft

slo DÜSSELDORF. Einige Prominente haben sie schon auf ihre Seite gebracht, jetzt brauchen die Richtfunkanbieter nur noch Kunden. Hans-Olaf Henkel, Ex-Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, sitzt im Aufsichtsrat von Star 21 Networks. Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister, ist im Aufsichtsrat der Firstmark Communications Europe. Doch allen bekannten Namen zum Trotz - das Geschäft steckt in Deutschland auch nach eineinhalb Jahren immer noch in den Kinderschuhen.

Unternehmen wie Star 21 und Firstmark wollen per Richtfunk schnelle Internet-Verbindungen anbieten, ohne selbst Straßen für das Verlegen von Glasfaserkabeln aufzureißen. Die Zauberworte heißen Wireless Local Loop (WLL), eine drahtlose Übertragungstechnik. Zielgruppe sind kleine- und mittelständische Unternehmen mit regem Internet-Verkehr, denn der Turbofunk hat seinen Preis: Je nach Anwendung kann ein Pauschaltarif zwischen 400 und mehreren 1 000 DM pro Monat liegen. Hinzu kommen einmalige Kosten.

Auf dem Markt tummeln sich in erster Linie Startups wie Star 21 Networks, Broadnet und Firstmark; zudem wollen einige größere private Telekom-Konkurrenten wie Viag Interkom und Mannesmann Arcor mitmischen. Schon Mitte 1999 hat die Regulierungsbehörde die ersten Lizenzen vergeben. Bis in die vergangenen Monate hinein haben die meisten Unternehmen aber damit verbracht, ihre Infrastruktur aufzubauen. Und auch die ist noch lange nicht flächendeckend. In den einzelnen Gebieten steht häufig gerade mal eine Station. Die müssen die Anbieter aufbauen, um die Mindestvoraussetzungen der Behörde zu erfüllen. Sonst wird ihnen die Lizenz entzogen.

Für die großen Player ist Richtfunk nur eine Option

Festnetzbetreiber wie Viag Interkom und Mannesmann Arcor sehen im Richtfunk eine von mehreren Technologien, um potenzielle Kunden anzuschließen. "Wir wollen möglichst unabhängig von der Infrastruktur anderer Anbieter sein", sagt Jan Rittaler, Geschäftsführer der Arcor-Tochter ArcTel, die Richtfunknetze in den "Speckgürteln" großer Städte wie München, Frankfurt und Hannover aufbaut.

Die Anbieter geben sich sehr zurückhaltend, wenn es um Investitionen und geplante Umsätze geht. Denn das Geschäft dürfte jetzt schwieriger werden als von den Unternehmen erwartet. Sie bekommen Konkurrenz von anderen Anbietern, die die letzte Meile der Telekom aufbohren und über das Festnetz ebenfalls schnellen Internet-Zugang anbieten. Der Markt für Richtfunk ist zudem sehr fragmentiert, da die Regulierungsbehörde hauptsächlich regionale Lizenzen vergeben hat. Das macht den Netzaufbau aufwändig und teuer. Zudem lohnen sich die Investitionen nur bei vielen Kunden auf engem Raum, denn eine Sende- und Empfangsanlage kostet etwa 200 000 DM und mehr. Um die Stationen mit dem Rest der Welt zu verbinden, müssen die Unternehmen ein eigenes Langstrecken-Netz aufbauen oder Backbone-Kapazitäten mieten. "WLL wird ein Nischenprodukt bleiben", sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Statt der heute mehr als 20 Anbieter sieht er auf mittlere Sicht nur noch ein bis zwei Unternehmen auf dem Markt. Rothauge: "Allerdings kann der Markt nach der Konsolidierung durchaus lukrativ sein."

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