Das Geschäft war gut, sogar sehr gut dieses Jahr
Das Internet – ein Resüme zur Weihnachtszeit

Das heisst nicht, dass das Internet an Bedeutung für Industrie und Handel verloren hat. Die Rolle des Web hat sich lediglich gewandelt. In der heutigen Kolumne betrachten wir ein paar Beispiele dafür, welche dauerhaften neuen Geschäftsmodelle uns das Internet in den letzten Jahren beschert hat und die Player, welche führende Positionen einnehmen.

Thanksgiving bedeutet wörtlich "Danksagung" - und selten sagte der US-amerikanische Handel dem Konsumer so aufrichtig Dank wie am vergangenen Wochenende. Thanksgiving (Erntedank) ist nämlich nicht nur das höchste Familienfest der USA, es läutet gleichzeitig auch das Weihnachtsgeschäfts ein und am Thanksgiving-Wochende allein werden jährlich mindestens zehn Prozent des gesamten Weihnachtsgeschäfts gemacht.

Und das Geschäft war gut, sogar sehr gut dieses Jahr. In allen Teilen des Landes meldete sich der amerikanische Konsument zurück und kaufte allen Unkenrufen zum Trotz wieder einmal mehr als im letzten Jahr. Besonders glücklich war Walmart, denn da der Bürger in diesem Rezessions-, Terror- und Kriegsjahr nun doch etwas mehr auf den Preis achtet, profitiert der traditionell günstige Warenhausriese am meisten.

Trotzdem ist das Jahr 2001 anders als die letzten Jahre. Zum ersten Mal seit langem steht nicht mehr E-Shopping im Zentrum des allgemeinen Interesses. Niemand glaubt mehr, dass reine Internetformate in wenigen Jahren etablierte Handelsketten vom Markt verdrängen könnten. Ganz im Gegenteil, einige Stars des Internet-Geschäfts, allen voran Spielzeughändler eToys, Lebensmittellieferant WebVan, aber auch die Musikbörse Napster (zumindest in ihrer ursprünglichen Form) sind in Laufe diese Jahres von der Bildfläche verschwunden.

Doch die amerikanische Industrie und Handel schätzen das Internet inzwischen keineswegs gering. Die unmittelbare Bedeutung des Web beginnt sich nur besser herauszukristallisieren, wie ein paar Beispiele erläutern mögen.

Erfolgreiche Internet-Formate

Die folgende Übersicht listet einige der bleibenden Geschäftsmodelle und bekannte US-Repräsentanten:

>>Tabelle

Da ist zunächst einmal eBay, der inzwischen unerreichte Star des Konsumergeschäfts im Internet. Mit über 38 Millionen Nutzern und im Dritten Quartal allein über 100 Millionen Angeboten wächst der Weltmarktführer bei Konsumer-Auktionen noch immer um über 100% pro Jahr. Die Marge von mehr als 80% ist ebenfalls traumhaft. Der unglaubliche Erfolg der Auktion als Internet-Format hat inzwischen die renommierte Analystengruppe Forrester Research dazu übergehen lassen, Auktionen als Teil des Einzelhandels zu definieren und zu prognostozieren, daß dieses Format bis 2006 25% des Internethandels ausmachen wird.

Als nächstes müssen die Internet-Reiseanbieter wie Expedia oder Travelocity genannt werden. Laut PhocusWright wurden in den USA in 2001 fast doppelt so viele Reisen per Internet wie über traditionelle Reisebüros gebucht. Es ist schwer vorstellbar, daß dieser Trend umzukehren ist.

Online Banking und Online Trading sind inzwischen auch fest etabliert. Wenn letzteres auch angesichts der desolaten entwicklung der Finanzmärkte im abgelaufenen Jahr an Beliebtheit eingebüßt hat, so wird doch allein der Kostendruck der Finanzdienstleister das Format weiter wachsen lassen. Derzeit gelten kombinierte Anbieter wie Charles Schwab als am besten plaziert.

Im Einzelhandel dagegen sind die reinen Internetformate im abklingen. Statt dessen sind kombinierte Formate, welche stationären Handel, Internet und oftmals Kataloge verbinden stark im Kommen. Selbst der Gorilla unter den Internethändlern, Amazon.com, überrascht derzeit fast wöchentlich mit neuen Allianzen aus dem stationären Bereich: ToysRus bei Spielwaren, Circuit City bei Elektronik, Expedia und mehr bei Reisen, Target beim allgemeinen Warenhaussortiment und - man höre und staune - die Buchkette Borders bei Büchern.

Einige Hersteller/Händler wie Dell haben erfolgreich Internet-basierte Geschäftsmodelle geschaffen. Das "Built-to-Order"-Modell des maßgeschneiderten PCs ist so erfolgreich, daß Dell die derzeitige Rezession nützt, um seinen Weltmarktanteil kräftig auszubauen. Inzwischen hat die Idee der paradox klingenden "kundenspzifischen Massenprodukte" (Mass customization) auch auf andere Branchen, wie Textil, übergegriffen.

Der Medienbereich hat zwar mit AOL/Time seinen Internet-Giganten hervorgebracht. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Internet-Medien noch immer auf der Suche nach einem erfolgreichen Geschäftsformat sind. Dieses sollte - im Gegensatz zum einstmals beliebten Napster-Dienst - vorzugsweise legal und profitabel sein.

Wenn man etwas weiter ausholt, so sind auch Portale, wie Yahoo!, oder auch reine Suchmaschinen, wie Google, nicht mehr wegzudenken. Ohne sie würde das gesamte Internet zusammenbrechen. Google ist so gut, daß es bekanntlich auch von amerikanischen Nachrichtendiensten, wie dem FBI, stark genutzt wird.

Am stärksten ist der Einfluß des Internet inzwischen allerdings in Sphären, welche dem Konsumenten verborgen sind, dh. im Handel zwischen Unternehmen. Der Pionier der Netzwerkhersteller, Cisco, ist trotz der derzeitigen Flaute im Telekommunikationsmarkt noch immer das am meisten bewunderte Beispiel, wie man mithilfe des Internet und wenigen Mitarbeitern einen weltweit führenden Konzern aufbauen kann.

Selbst die scheinbar aus der Mode gekommenen Business-to-Business Marktplätze sind in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Am eindrucksvollsten ist vielleicht Enron, ein Energiunternehmen, dessen erfolgreicher Internet-Marktplatz über ein Viertel des US-amerikanischen Strom- und Erdgashandels umschlägt. Daher zittert ganz Amerika über die derzeitige Krise Enrons, welche durch leichtsinnige Finanzspekulationen und Telekommunikationsabenteuer hervorgerufen wurde. Ein plötzlicher Zusammenbruch Enrons würde auch den Marktplatz mitziehen und könnte die amerikanische Energiewirtschaft kollabieren lassen.

Diese und andere Beispiele zeigen die große Bedeutung, welche das Internet - sichtbar oder unsichtbar - inzwischen für das Funktionieren von Industrie und Handel gewonnen hat. Auch für das Weihnachtsgeschäft.

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