Das Gold und Geld Milosevics
Weiter Rätseln um Milosevic-Sohn - Rückkehr nach Moskau?

dpa MOSKAU/BERN. Das Rätsel um den aus Belgrad verschwundenen Sohn des entmachteten jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ist auch am Montagabend nicht gelöst worden. Eine halbe Hundertschaft Journalisten wartete am Moskauer Flughafen Scheremetjewo vergeblich auf Marko Milosevic und dessen Familie, die angeblich mit Flug SU-572 der russischen Fluglinie Aeroflot aus Peking eintreffen sollten.

Nach unbestätigten Angaben war Milosevic junior am Samstag in Moskau eingetroffen und am Sonntagabend in die chinesische Hauptstadt weitergeflogen. Dort hätten ihm die chinesischen Behörden die Einreise verweigert, weil er kein Visum hatte, meldete die Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Nicht genannte Aeroflot-Sprecher sagten dem Fernsehsender NTW, auf der Passagierliste des Rückfluges aus Peking seien weder der Name Milosevic noch der Name Jovanovic verzeichnet gewesen, den der Präsidentensohn ebenfalls benutzt. Trotzdem sei nicht ausgeschlossen, dass der Passagier an Bord gewesen sei. Die Maschine aus Peking landete pünktlich um 17.15 Uhr Ortszeit (15.15 Uhr MESZ), doch im Ankunftsbereich des Flughafens sichteten die Journalisten nur eine tschechische, keine jugoslawische Familie.

Die jugoslawische Botschaft in Moskau verweigerte am Montag weiterhin jede Erklärung über den Verbleib von Marko Milosevic. Auskunft dazu könne nur der "gegenwärtig nicht anwesende" Botschafter Borislav Milosevic geben, der Bruder des gestürzten jugoslawischen Machthabers. Nach unbestätigten Berichten war der Milosevic-Sohn am Samstag mit einem Linienflug der jugoslawischen Gesellschaft JAT in Moskau eingetroffen.

Marcos, Mobutu, Abacha - und jetzt Milosevic? Die Frage wird lauter, ob der entmachtete jugoslawische Diktator wie seine Kollegen aus den Philippinen, Zaire und Nigeria Staatskassen plünderte und Geld außer Landes schaffte, für schlechte Tage.

So soll Milosevic noch vor wenigen Tagen versucht haben, eine Tonne Gold per Flugzeug nach Peking zu schaffen. Das berichtete ein Belgrader Radiosender. Mehrere Mill. $ seien in den letzten Tagen auf dem Weg ins Ausland abgefangen worden. Eine Schweizer Zeitung schrieb unter Verweis auf Geheimdienste, unter Milosevic seien zwölf Mrd. $ in dunklen Kanälen verschwunden. Sohn Marko soll im Sommer 1999 fünf Mill. DM nach Südafrika geschafft haben, berichtete eine britische Zeitung.

Gerüchte über große Schätze, die Milosevic und seine Helfershelfer in den vergangenen Jahren nach Moskau, Peking, Zypern, Paris und eben in der Schweiz geschafft haben sollen, schießen ins Kraut. Die Suche danach ist schwierig.

In Zypern unterhielt eine enge Vertraute des Diktators eine Filiale der Beogradska Banka, über die Millionenbeträge flossen. Die zyprische Nationalbank schloss die Filiale in diesem Jahr. Das Geld, mehrere Mill. $, ist blockiert. Zypern ordnete am Wochenende eine Sperrung aller jugoslawischen Gelder an. Auch zum Chef der Banque Franco Yugouslave in Paris soll Milosevic enge persönliche Kontakte haben.

In der Schweiz sind rund 100 Konten jugoslawischer Staatsbetriebe und einflussreicher Privatpersonen mit mehr als 100 Mill. Franken gesperrt. "Das war, wie in der EU auch, eine Maßnahme im Rahmen der Wirtschaftssanktionen gegen Jugoslawien", sagt Othmar Wyss vom Staatssekretariat für Wirtschaft. Ein Konto auf den Namen S. Milosevic ist nicht dabei. Werden die Wirtschaftssanktionen aufgehoben, fällt auch die Kontosperre. Ob die Schweizer Behörden vor der Freigabe Nachforschungen über die Herkunft des Geldes anstellen, ist nach Angaben von Wyss noch offen.



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