Das größte Wachstum sehen Branchenexperten bei Smartphone-PDAs
Minirechner hängen den PC ab

Bei tragbaren Taschencomputern, den so genannten Handhelds, ist das Unternehmen Palm Inc. der unangefochtene Marktführer. Branchenexperten erwarten, dass der Handheld-Absatz in den nächsten Jahren explodiert. Palm dürfte mittelfristig Markanteile an die erstarkende Konkurrenz verlieren.

hb DÜSSELDORF. Chipgiganten wie Intel klagen derzeit über volle Lager: Sie sitzen auf Bergen von PC-Bausteinen, die keiner will. Carl Yankowski, Chef des Kleincomputer-Herstellers Palm, hat das umgekehrte Problem: er kann den Palm Pilot, eine Art elektronisches Filofax, gar nicht so schnell herstellen, wie er ihm aus den Händen gerissen wird.

Während sich das Wachstum im PC-Markt weiter abschwächt, stehen tragbare Minicomputer, so genannte PDAs (Personal Data Assistants) vor einem riesigen Boom. Das Marktforschungsunternehmen IDC geht in seiner neuesten Studie davon aus, dass die Zahl der verkauften Geräte von 12,9 Mio. Stück im Jahr 2000 auf über 63,4 Mio. im Jahr 2004 hochschnellen wird. Das entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von 48 %.

Das größte Wachstum versprechen Smartphones

Die größten Hoffnungen setzt die Branche auf "Smartphones". Das sind Geräte, die die Funktionen eines PDAs mit denen eines Handys kombinieren: Der Benutzer kann telefonieren, emailen, Termine und Adressen verwalten. "Die Technik schreitet mit Riesenschritten voran", sagt Kevin Burden von IDC. "2001 wird das Jahr der Geräte mit Mobilzugang." Bei Smartphones rechnet IDC für 2004 mit Absatzzahlen von über 23 Mio. Stück jährlich. Der Smartphone-Markt wird nach Ansicht der Marktforscher fast viermal so schnell wachsen wie der für gewöhnliche PDAs.

Bisher wird der PDA-Markt von dem amerikanischen Unternehmen Palm Inc. (WKN 931 982) dominiert. Knapp dreiviertel aller Handhelds, wie die Kleincomputer auch genannt werden, stammen entweder direkt von Palm oder laufen auf dessen Betriebssystem Palm OS. Lizenzen für OS hat Palm unter anderem an IBM, Sony, und Handspring vergeben.

Für 2001 hat Palm eine neue Version seines Betriebssystems angekündigt. Auch der Gewinn dürfte weiter kräftig wachsen. So rechnet etwa Melanie Hollands von Merrill Lynch für 2001 mit einem Gewinnwachstum von 30 %, für 2002 sogar mit mehr als 50 %.

Dennoch gehen Marktbeobachter davon aus, dass Palm mittelfristig Marktanteile einbüßen wird. "Palm ist immer noch der Platzhirsch", meint Burden von IDC, "aber Microsoft und Research in Motion (RIM) haben bereits erfolgreiche Angriffe gestartet."

Palm gilt PDA-Kennern seit einiger Zeit nicht mehr als das innovativste Unternehmen der Branche. Die wichtigsten Neuerungen für Palm-OS-Geräte kamen nicht von Palm selber, sondern von der Konkurrenz: Handyadapter oder Steckkartenmodule, die den PDA in einen Walkman oder eine Kamera verwandeln, entstammen der Werkstatt von Handspring (WKN 929 862), einem PDA-Hersteller, der von Ex-Palm-Entwicklern gegründet wurde. Bei Analysten steht Handspring hoch im Kurs. Lehman Brothers und CIBC haben das Unternehmen kürzlich auf "Strong Buy" gesetzt. Melanie Hollands von Merrill Lynch glaubt, dass Handspring als Vorreiter bei den Smartphones "der Konkurrenz deutlich voraus ist."

Auch bei Geräten, die ständig mit dem Netz verbunden sind ("always on") und den Benutzer bei Ankunft neuer Nachrichten sofort informieren, haben andere die Nase vorne. Für das zweite Halbjahr 2001 hat Palm zwar einen Pilot mit Always-On-Funktion angekündigt. Research-In-Motion (WKN 909 607) aus Kanada bietet jedoch bereits jetzt ein zigarettenschachtelgroßes Gerät an, mit dem sich Emails versenden lassen. RIM wird von Bankanalysten noch besser bewertet als Handspring. Über 90 % der Analysten, die RIM, sehen die Aktie als einen "Buy" oder "Strong Buy". Steve Milunovich von Merrill Lynch hält RIM für "gut positioniert."

Palms bisheriges Alleinstellungsmerkmal ist das Betriebssystem: Der Quellcode von Palm OS ist für Programmierer frei zugänglich ("Open Source"), im Internet liegen Hunderte von Gratis-Programmen - das macht Palm für den Nutzer besonders attraktiv. Doch auch hier greift die Konkurrenz an. Der japanische Konzern Sharp (WKN 855 383) hat unlängst angekündigt, einen PDA mit dem populären Open-Source-Betriebssystem Linux auf den Markt zu bringen.

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