Das große Anbaggern
Messen werden immer mehr auch zu Jobbörsen

Auf Fachmessen geht es natürlich in erster Linie um Produkte und Preise. In zweiter Linie aber um Jobs: Viele Unternehmen bringen ihr Personalmarketing mit und hoffen auf qualifizierte Bewerber.

DÜSSELDORF. "Hier brennt die Luft", soll ein Personalchef gesagt haben, als er im Frühjahr das Karrierezentrum der Computermesse Cebit in Hannover betrat. Hunderte von Jobsuchenden drängten sich in Halle 10, um Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen. Mit einem solchen Andrang hatten die Firmenvertreter nicht gerechnet.

Auch auf der Münchener Systems, der internationalen Fachmesse für Informationstechnologie und Telekommunikation, hat das Thema Rekrutierung einen festen Platz. Montag ist Jobtag: Dann bieten nicht nur Branchenverbände wie Bitkom Informationen zum Arbeitsmarkt, dann reisen auch Personalverantwortliche aus Unternehmen an. 80 waren es in diesem November. Spezielle Foren in Halle A5, auf denen Arbeitgeber und Bewerber zusammengebracht wurden, rundeten das Angebot ab.

Bei der Glasfachmesse Glasstec, die im Oktober in Düsseldorf stattfand, gab es einen Nachwuchstag des Handwerks. Auf der Medizintechnikmesse Medica - ebenfalls in Düsseldorf beheimatet - veranstaltet die Wochenzeitung "Die Zeit" regelmäßig ein Karriereforum. Die Düsseldorfer Messegesellschaft stellt in ihrem Internet-Auftritt die Jobaktivitäten zu den verschiedenen Messen im Überblick dar.

Immer mehr Messen denken über Karriereforen nach

"Messen haben eine hohe Bedeutung für das Personalmarketing", erklärt Jobst Hagedorn, bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin zuständig für betriebliche Personalpolitik. Ellen Maier-Richthofen, Pressereferentin der Münchener Messe, berichtet von Überlegungen, auch für andere Messen neben der Systems, etwa Analytica, Laser oder Produktronika, eigene Karriereforen einzurichten.

Der Grund sei, dass sich die Nachfrage nach Naturwissenschaftlern und Ingenieuren in den letzten Jahren drastisch erhöht habe. Die gleiche Entwicklung sieht der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt, und wird daher im nächsten Frühjahr wieder gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure einen Karrieretag auf der Hannover Messe gestalten. Vor allem Hochschulabsolventen und Berufsanfänger sollen die Gelegenheit bekommen, Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen. "Die Zeiten, in denen Messen allein als Schaufenster der Unternehmen genutzt wurden, sind vorbei. Messen sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Personalmarketings", sagt die VDMA-Sprecherin Silke Becker.

Stephan Lindenfeld vom Internet-Portal Jobpilot der Jobpilot AG, Bad Homburg, sieht die neuen Jobbörsen als Beleg dafür, dass sich die Kräfteverhältnisse am Arbeitsmarkt verschieben: Nicht mehr die Arbeitnehmer sind die Bewerber, sondern die Unternehmen. "Suchen Sie vielleicht einen Job?" wurde so mancher Systems-Besucher angesprochen und dann diskret an einen der vielen Stände gelotst. Ob dabei tatsächlich in nennenswerter Zahl Arbeitsverträge geschlossen wurden, kann niemand sagen - erfahrungsgemäß aber sind Jobgespräche auf Fachmessen nicht ganz so verbindlich wie die "klassischen" Vorstellungsgespräche in Unternehmen.

Bewerber können sich ein erstes Bild vom Unternehmen machen

Die Jagd auf Köpfe - "Headhunting" - ist in der IT-Branche (IT = Informationstechnik) voll entbrannt. Für Jobsucher bieten die Fachmessen die Chance, nicht nur Imagebroschüren einzusammeln, sondern sich bereits einen persönlichen Eindruck von potenziellen Arbeitgebern zu machen. Die Art der Präsentation und das Verhalten des Standpersonals verrieten schließlich eine Menge über die Unternehmenskultur, meint Lindenfeld.

Jobpilot ist auf den großen Computermessen in Deutschland, der Schweiz und Italien mit einem eigenen Stand vertreten. Dort können nicht nur persönliche Gespräche geführt werden - auf der letzten Cebit etwa lief ein erster Test für die Rekrutierung via Webcam: Eine Kamera war am Messestand aufgebaut, eine zweite im Mailänder Büro von Jobpilot, wo ein Bewerber saß. Nach seinem Gespräch mit Vertretern der Deutschen Börse, die zum Cebit-Stand des Karriereportals gekommen waren, hatte der Italiener einen neuen Job: als Systembetreuer in Frankfurt.

Die Unternehmen jenseits der IT-Branche sind allerdings noch nicht überzeugt, dass die Personalsuche auf Messen der richtige Weg sei. Einen "begrenzten Erfolg" meldete etwa das Maschinenbau-Unternehmen Trumpf nach den Messen Laser und Euroblech im vergangenen Jahr. Trumpf-Sprecher Ingo Schnaitmann verspricht sich mehr von speziellen Rekrutierungsveranstaltungen.

Auch die Düsseldorfer Henkel KGaA setzt lieber auf Rekrutierungs- oder Kontaktmessen. "Wir treffen schon vor der Messe eine Auswahl unter den möglichen Bewerbern", beschreibt Personalreferentin Claudia Maassen das Personalmarketingkonzept des Konsumgüterherstellers. "Wir laden nur die zum Gespräch, die wirklich für uns in Frage kommen." Gleichwohl will sie nicht ausschließen, dass auch Henkel eines Tages auf den großen Leitmessen ein Karriereforum aufbauen könnte.

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