Das große Tauziehen um die Erdöl-Ressourcen hat begonnen
Ölkonzerne pokern um den Irak

Die Waffeninspektoren kommen ins Land, die Lobbyisten sind bereits da. Europäische und asiatische Ölfirmen rangeln um eine gute Ausgangsposition im Irak. Auch die US-Multis suchen Kontakte.

BERLIN/DÜSSELDORF. Das politische Tauziehen um den Irak lässt auch die Öllobbyisten im Hintergrund ihre Fäden enger spinnen. Sie bereiten sich auf eine neue Ära im Land an Euphrat und Tigris vor - die immense Profite verspricht. So hat der ehemalige saudische Ölminister Scheich Jamani für Dezember zu einer hochrangigen Konferenz nach London eingeladen. Am Centre for Global Energy Studies wird über den "schlafenden Riesen" Irak debattiert, über die Frage, ob das Zweistromland ein zweites Saudi-Arabien ist.

Erwartet werden dabei auch Vertreter der irakischen Opposition aus dem Irakischen Nationalkongress (INC), der allerdings nur einen Teil der Anti-Saddam-Gruppen repräsentiert. Der INC hatte sich bereits im Oktober mit Vertretern dreier großer US-Ölfirmen in Washington getroffen. Zentrales Thema: Wie kann nach dem Ende des Saddam-Regimes der Zugang zu den riesigen irakischen Öl-Reserven geregelt werden? "Die Öl-Leute sind nervös", erklärte INC-Sprecher Zaab Sethna gegenüber US-Medien, "wir haben diskutiert, doch die Unternehmen halten sich öffentlich noch bedeckt."

Die Nervosität rührt daher, dass sich die Hackordnung auf dem Ölmarkt verschiebt, sollte der Irak wieder ins Spiel kommen. Am besten aufgestellt sind nach einer Studie der Deutschen Bank die russischen Konzerne Lukoil und Zarubezhneft. Aber auch Totalfina-Elf, Shell und die italienische Eni hätten gute Investitionschancen - immer vorausgesetzt, das UN-Embargo fällt. Mit im Rennen um langfristige Verträge im Wert von insgesamt 38 Mrd. $, die zur Zeit in Bagdad auf dem Tisch liegen, sind auch die chinesische CNPC oder die indische ONGC. "Die Firmen warten nur darauf, dass sie wieder in den Irak können", sagt Klaus Matthies vom Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv.

Im Zuge des Irak-Embargos, das den Handel mit Öl eng begrenzt, haben sich viele Firmen zurückgezogen. Totalfina jedoch verfügt weiter über ein Büro in Bagdad. Unterhändler befinden sich in ständigen Kontakten mit dem irakischen Ölministerium und beraten aktuell über die Entwicklung eines bis zu 30 Mrd. Barrel großen Ölfeldes. Zu mehr als Absichtserklärungen ist es aber bisher nicht gekommen, heißt es. Denn so lange das UN-Embargo gilt, rechnen sich die Kosten für ein Investment nicht. Andere Unternehmen haben bereits Verträge in den Taschen, weiß Manfred Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Allerdings verfallen die Lizenzen, wenn nicht innerhalb einer Frist investiert wird, sagt Horn. Danach geht der Poker von vorne los.

Verhandlungen mit Bagdad sind schwierig. Das merken auch kleine Ölfirmen wie die irische Petrel Resources, die schon lange versucht, im Schatten des Embargos einen Fuß ins Land zu bekommen: Die Iraker verlangen als Vorleistung für die Übernahme eines bereits erschlossenen Feldes, dass Petrel ein neues erkundet und entwickelt.

Ob und wann die US-Multis wieder im Irak mitmischen können, bleibt offen: Chevron Texaco, wo Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zehn Jahre lang im Management saß, ist zur Zeit unter dem UN-Programm "Öl für Nahrungsmittel" der größte Importeur irakischen Öls in die USA. Auch die Experten von Exxon Mobil wissen um die gute schwefelarme Qualität des leichten irakischen Öls, das zudem in so geringen Tiefen liegt, dass die Förderkosten in einigen Regionen bei nur 1 $ pro Barrel (159 Liter) liegen. "Wir halten uns aber an die UN-Auflagen" heißt es bei Exxon - Kontakte zu irakischen Stellen gebe es nicht.

Doch unter der Oberfläche ist Bewegung: Branchenkreise berichten über Treffen von US-Unternehmensvertretern mit Irakern im jordanischen Amman und am Rande von Opec-Treffen in Wien: "Die US-Firmen wären ja verrückt, wenn sie keine Kontakte pflegen", sagt ein Beobachter. "Die Amerikaner nutzen ebenfalls Joint-Ventures in den Golfstaaten, um mit den Irakern im Gespräch zu bleiben", weiß Petrel-Chef John Teeling.

Fällt das Embargo, könnten zuerst die Dienstleister im Ölbusiness ins Geschäft kommen. Unternehmen wie Schlumberger oder Halliburton, einst geführt von US-Vizepräsident Dick Cheney, erhoffen sich Aufträge zur Exploration und zur geophysikalischen Struktur. Denn diese Voruntersuchungen sind notwendig, damit die Multis auch wirklich ihre Kassen öffnen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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