Das Halbjahresergebnis ist für Konzernchef Breuer besonders schmerzlich
Analyse: Deutsche Bank muss die Kosten senken

Das Umfeld ist ungünstig. Die Aktienmärkte sind schwach, die Konjunktur trübt sich ein. Selbst Deutschlands führendes Geldinstitut kann sich dagegen nicht wehren.

Die Halbjahreszahlen der Deutschen Bank belegen dies: Eine mehr als dreimal so hohe Risikovorsorge im Kreditgeschäft spiegelt die aus den USA immer stärker auf Europa übergreifende Wachstumsschwäche wider. Diese verschlechtert die Gewinnaussichten der Unternehmen und erhöht die Gefahr von Kreditausfällen. Unmittelbare Folge des Kursverfalls an den Aktienmärkten ist der drastische Gewinneinbruch bei Privatkunden und Vermögensverwaltung.

Der von Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer zu verantwortende Bereich, der neben dem Investment-Banking und Firmenkundengeschäft eine der zwei Säulen der Deutschen Bank darstellt, verzeichnete im ersten Halbjahr einen Ergebnisrückgang von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gerade diese Division leidet besonders stark unter der Zurückhaltung der Privatanleger. Zum einen geht durch die Börsenmisere die Bereitschaft der Kunden zurück, in Wertpapiere oder Fonds zu investieren. Zum anderen hängen in der Vermögensverwaltung die Gebühren von den Depots der Kunden ab. Mit dem Kursrückgang bei Aktien sinken die Depotvolumina der Privatanleger und damit die Gebühren der Banken.

Breuers Sparte enttäuscht

Gerade für Breuer muss der Gewinnrückgang in seiner Sparte besonders schmerzlich sein. Noch bei der Vorstellung der Zwei-Säulen-Struktur im Februar rief er diesen Bereich als künftiges Wachstumsfeld aus und kündigte ein jährliches Gewinnwachstum bis 2003 von durchschnittlich 30 Prozent an. An diesem Ziel wolle er festhalten, zeigt er sich kämpferisch. Doch Analysten halten dies für äußerst schwierig, im Grunde sogar für nahezu unmöglich.

Robuster präsentiert sich derzeit das zweite Standbein der Bank, das Investment-Banking und Firmenkundengeschäft: Das von Josef Ackermann, Breuers designiertem Nachfolger, geleitete Segment verzeichnete in den ersten sechs Monaten zwar einen Gewinnrückgang von 20 Prozent, gleichwohl trug die "Firmenkundenbank" mehr als zwei Drittel zum gesamten Konzernergebnis bei. Die Division von Breuer kommt auf nicht mal ein Zehntel. Allerdings belegen diese Zahlen noch keine neue Machtverteilung in der Deutschen Bank.

Der Wechsel an der Führungsspitze findet auf der Hauptversammlung im Mai des kommenden Jahres statt. Bis dahin kann sich auch in der InvestmentBank von Ackermann noch einiges ändern. So profitierte sein Bereich bislang neben dem guten Eigenhandel besonders von dem florierenden Emissionsgeschäft mit Unternehmensanleihen. Doch Analysten rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einer deutlichen Beruhigung. Dies dürfte die Einnahmen auch in diesem Bereich schmälern.

"Wir sind kein Meister im Kostenmanagement"

Ferner weisen Investment-Banking und Firmenkundengeschäft konzernweit die höchsten Kosten auf. Letztere wertet Breuer für die gesamte Bank als größtes Problem: "Wir sind kein Meister im Kostenmanagement." Mit ausländischen Banken kann sich die Deutsche Bank kaum vergleichen: Sie produziert ihre Bankdienstleistungen wesentlich teurer als die Konkurrenz - und das in beiden Säulen. Hier sind also beide gefordert, neben Breuer auch Ackermann.

Wie dies realisiert werden soll, bleibt vorerst vage. Breuer nannte zwar die Ausgliederung verschiedener Bereiche wie die Zahlungsverkehrabwicklung sowie das verstärkte Angebot von Drittprodukten als Alternativen. Doch beides ist nicht neu. Und deshalb gibt sich Breuer schon zufrieden, die Kosten überhaupt stabil zu halten.

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