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Das harte Geschäft der Filmbranche

Die Nachfrage nach Filmen wird weiterhin wachsen, sind Analysten überzeugt. Reality-Sendungen will niemand mehr sehen, aber technische Neuerungen wie DVD sollen für höhere Umsätze sorgen.

Vierzig Kinominuten dauert der Angriff der Japaner auf die US-Flotte in Pearl Harbor im gleichnamigen Kinofilm. Das ist fast Echtzeit. Kinokritiker können dem Streifen nicht viel Positives abgewinnen. Dabei wurden keine Kosten gescheut: Die Produktion des Films hat fast 140 Millionen US-Dollar verschlungen. Für deutsche Filme werden dagegen in der Regel zwischen fünf und zehn Millionen DM ausgegeben, schätzt Markus Wallner, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die weltweite Arbeitsteilung funktioniert in der Filmbranche so: Die großen, teuren Filme kommen aus den USA. Der Marktanteil der US-Produktionen liegt bei rund 80 Prozent; die durchschnittlichen Kosten pro US-Film sind zwischen 1990 und 2000 von 25 auf 50 Millionen US-Dollar gestiegen. Ein Drittel aller internationalen Filme wird in den sieben großen US-Studios - wie Warner Brothers, Disney oder Twentieth Century Fox - produziert. Gleichzeitig bekommen sie zwei Drittel der weltweiten Erlöse, schätzt Pascal Spano, Analyst bei der Deutschen Bank. Der Rest entfalle auf rund ein Dutzend Independent-Studios sowie kleinere Produktionsgesellschaften. Auch deutsche Filmfonds fehlen beim großen Geschäft nicht. Mittlerweile finanzieren sie pro Jahr 20 bis 25 Prozent der in Hollywood produzierten Filme, schätzt Bernard Tubeileh, Analyst bei Merrill Lynch.

Die Hauptrisiken der Filmbranche liegen in den meist unsicheren Rückflüssen. Trotzdem werben Anbieter von geschlossenen Filmfonds, wie beispielsweise die Apollo Media im Prospekt für ihren 5. Fonds, nur in Filmprojekte investieren zu wollen, die schätzungsweise 150 Prozent der Herstellungskosten erlösen werden. Die große Frage aber lautet, wie sie das vorher wissen können. Denn Rückflüsse in dieser Höhe könnten nur überdurchschnittlich erfolgreiche Filme erzielen, sagt Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank. Analyst Wallner hält solche Prognosen ebenfalls für "schwierig". Auch die Analysten können nur aus den Erfolgen des Produzenten in der Vergangenheit Rückschlüsse auf mögliche zukünftige Erfolge ziehen und das Risiko mit geeigneten Faktoren abdiskontieren. Letztlich habe aber von zehn Filmen in der Regel nur einer das Potenzial zu einem Kassenschlager, schätzt Wallner. Harald Heider von der DG Bank nennt als Faustregel: Mit 20 Prozent der Spielfilme werden rund 80 Prozent der Kinogesamterlöse erzielt. Insbesondere deutsche Filme lassen sich im Ausland eher schwer vermarkten. Ausnahmen sind "Lola rennt" und "Das Experiment". Häufig scheitert eine Vermarktung an fehlenden internationalen Kontakten. Der Produzent Bernd Eichinger ist laut Wallner einer der wenigen Deutschen mit hervorragenden Kontakten in den USA.

Entscheidend für den Erfolg eines Filmes bleibt, ob er gut im Kino läuft. Nur dann kann auch auf den nachgelagerten Verwertungsstufen DVD, Video und Fernsehen Geld verdient werden. Mit den Erlösen aus Kino und Video werden die Produktionskosten eines Films refinanziert, erklärt Tubeileh, mit dem TV-Geschäft werde dann der Gewinn gemacht. Bezahlfernsehen und Video on Demand spielen wirtschaftlich bisher keine Rolle, meint Spano. Die Nachfolgetechnik der Videos, die digitale DVD, gilt als lukrativ. DVD würden die rückläufigen Video-Erlöse überkompensieren, meint Bosse von der Hypo-Vereinsbank.

Von den branchentypischen Risiken abgesehen, wird der Filmmarkt lukrativ bleiben und weiter wachsen. Deswegen, meinen Analysten, sieht es für Produzenten, wie die am Neuen Markt notierten Unternehmen International Media oder Constantin, nicht schlecht aus. Die Reality-Show-Welle sei schon Ende vergangenen Jahres ausgelaufen; jetzt werden wieder neue Spielfilme gebraucht. Auch die guten Verkaufszahlen an den Kinokassen stimmen die Branche optimistisch. Die Zahlen seien im ersten Quartal um zwölf Prozent gestiegen, hat die Deutsche Bank herausgefunden.

Lizenzhändler wie Kinowelt sind dagegen in die Schusslinie der Analysten geraten. Diese Unternehmen hatten im vergangenen Jahr, als die Preise für Lizenzen in astronomische Höhen geklettert waren, überteuert eingekauft. Jetzt haben sich die Preise für Filmrechte, die auf den Messen in Cannes, Mailand oder Venedig gehandelt werden, wieder normalisiert. Heute werden für die deutschsprachigen Rechte an einem Film zwischen zwölf bis 14 Prozent der Produktionskosten bezahlt, sagt Wallner von HSBC. Pascal Spano von der Deutschen Bank sieht die Spanne derzeit sogar nur bei neun bis zehn Prozent. Noch vor einem Jahr hätten sich die Preise zwischen 18 bis 23 Prozent bewegt, sagt Wallner. Grund: Einige am Neuen Markt notierte Unternehmen hatten durch ihren Börsengang viel Geld und kauften ein, ohne genau auf den Preis zu schauen. Jetzt stehen sie vor dem Problem, an die beiden einzigen großen Käufer am deutschen Markt verkaufen zu müssen: Kirch und Bertelsmann/RTL-Group können die Preise diktieren - Tubeileh spricht von einem "Käuferstreik". Das Duopol hat auch den Einbruch des werbefinanzierten TV-Marktes mit zu verantworten. Während die Preise auf hohem Niveau verharrten, sei die Nachfrage im ersten Quartal gesunken, sagt Spano. Unternehmen wie Unilever und Procter & Gamble hätten angedeutet, Teile ihrer Werbebudgets auf den Zeitschriftenmarkt zu verlagern. Spano rechnet aber damit, dass die Preise für Werbung wieder anziehen werden.

Auch technische Neuerungen können die Umsätze der Filmbranche stimulieren, ist Heider von der DG Bank überzeugt. Er rechnet bis zum Jahr 2005 mit einem durchschnittlichen, jährlichen Umsatzwachstum von zehn bis zwölf Prozent über alle Verwertungsstufen - von Kino bis Free-TV. Die Gesamteinnahmen der audivisuellen Medienbranche hätten im Jahr 1999 rund 22 Milliarden US-Dollar betragen und könnten in den kommenden fünf Jahre bis auf 34 Milliarden steigen.

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