"Das hat auch Hitler schon gemacht"
Däubler-Gmelin wollte Veröffentlichung verhindern

Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) hat angeblich versucht, eine Veröffentlichung ihrer umstrittenen Äußerungen zu US-Präsident George W. Bush im "Schwäbischen Tagblatt" zu verhindern.

ddp BERLIN. Tagblatt-Chef Christoph Müller berichtete am Freitag in der Zeitung, Däubler-Gmelin habe in der Redaktion angerufen und ein postwendendes Dementi angedroht, falls der Redakteur Michael Hahn schreiben werde, sie habe Bush mit Hitler verglichen. Zudem gab es auf ihren Wunsch hin ein Treffen mit Müller selbst.

Müller schreibt, Hahn habe vor einer Veröffentlichung mehrere Gewerkschafter angerufen, die bei der Veranstaltung in der Derendinger Sportgaststätte anwesend gewesen seien. Sie hätten die "hochbrisante Wortwahl ihres Diskussionsgastes" bestätigt. Zwei Gewerkschafter seien nach einem Redaktionsbesuch in das Tübinger SPD-Büro gegangen, in Folge dessen habe die Ministerin Hahn angerufen.

Hahn habe dabei Däubler-Gmelin gefragt, wie sie meine, was sie gesagt habe und erklärt, dies werde er als "von ihr quasi letztgültig autorisierte Fassung ins Blatt bringen". Daraufhin habe er aufgeschrieben und ihr nochmals vorgelesen: "Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht." Kurz darauf habe Däubler-Gmelin Müller selbst angerufen und um ein Treffen gebeten, berichtet der Tagblatt-Chef.

Im Beisein zweier weiterer leitender Tagblatt-Redakteure hätte er der Ministerin klargemacht, er verstehe es als Journalistenpflicht, über den Vorfall zu berichten. Den Einwand Däubler-Gmelins, sie sei bei dem Treffen in Derendingen von einer internen Diskussion ausgegangen und habe nicht gewusst, dass die Gewerkschaft einen Tagblatt-Vertreter eingeladen hatte, ließ Müller nicht gelten. Die Justizministerin habe daraufhin fortgeführt, sie werde der Zeitung "gegenüber jetzt zu gar nichts mehr etwas sagen, auch nicht zu dem zuvor wortwörtlich von ihr so formulierten Methoden-und-nicht-Personen-Vergleich". "In diesem Moment sagte sie, sie bedaure ihre Äußerungen und sie wäre froh, wenn sie nichts von Hitler gesagt hätte", schreibt Müller weiter.

Der Journalist wirft der Ministerin vor, mit ihrem am Donnerstag erfolgten Dementi stelle sie "Ehre und Berufsverständnis der Tagblatt-Redaktion unter Falschaussage-Anklage". Um zu verdeutlichen, dass es sich bei der Berichterstattung keinesfalls um ein wahltaktisches Manöver handelt, verzichtet Müller in dem Schreiben auf sein Wahlgeheimnis. "Ich habe bereits vor einer Woche briefwählend meine Erststimme Herta Däubler-Gmelin gegeben", schreibt Müller.

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