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Das Internet wird erwachsen

Noch kein Jahr ist es her, da suchten Internet-Firmen in den USA vor allem eines: Mitarbeiter. Zwar warben sie reihenweise Leute von angesehenen Banken, großen Beratungsunternehmen und renommierten Anwaltskanzleien ab - ein guter Name allein ist kein Anreiz mehr, wenn dreimal so hohe Monatsgehälter und schräge Zusatzdienstleistungen locken.

Die rosigen Zeiten sind wohl vorerst vorbei, der Börsencrash im Frühjahr hat seine Nachwehen. Seit Mai haben traditionelle und Online-Gazetten vor allem über eines zu berichten, wenn es um Internet-Unternehmen geht: über Entlassungen. Auch die Zahl der Pleiten häuft sich, und der Stab der Konkursgänger besteht nicht mehr nur aus Chef, Programmierer und Pressesprecher. Mehr als 16 000 Leute verloren in der Branche allein seit Jahresbeginn ihren Job. Doch nicht nur die Entlassenen müssen leiden: Auch die Zurückgebliebenen bekommen die Flaute zu spüren. Die Unternehmen beginnen, die Zusatzleistungen einzusparen. "Ganz vorsichtig, um niemanden zu verschrecken", sagen Personalberater. Der Basketballplatz muss einem Parkplatz weichen, wenn ein Teil des Gebäudes vermietet wird. Der Fitnessraum wird in einen Lagerraum verwandelt. Vor allem aber werden "deutsche" - sprich großzügigere - Urlaubsansprüche gekürzt, etwa von vier auf drei Wochen im Jahr (was immer noch eine Woche mehr ist als der normale US-Arbeitnehmer erhält).

Nicht alle Unternehmen sind indes so grausam. Der Blumenhändler Garden.com lässt den 153 verbliebenen Mitarbeitern - 93 hatten kürzlich gehen müssen - den subventionierten Haustierkindergarten auf dem Firmengelände. AuthenTec verleiht weiter Wasserskier (das Unternehmen sitzt in Florida). Und Paul Albright, Chef von ThenSeeCommerce Inc., überlässt bis auf weiteres seinen Porsche seinem Top-Verkäufer.

Noch einen Trend entdecken die Personalberater: Silicon Valley bei San Francisco und Silicon Alley in New York sind out. Dot-coms und Technologie-Firmen aus den Bergen von Utah und den Wäldern von Virginia werben in den High Tech-Zentren - und finden hier Mitarbeiter, die bereit sind zum Umzug. Sie verzichten sogar auf großartige Zusatz-Angebote (Basketballplätze oder einen Porsche für ein Jahr). Der Grund: Die Leute wollen zurück nach Hause. "Früher gab es für einen Computerexperten nur eine Gegend, wo er einen vernünftigen Job fand: das Silicon Valley", sagt Thomas Seifert, Chef des Chipherstellers White Oak in Richmond/Virginia. "Jetzt sehnen sich die Leute von hier zurück - sie haben genug von Nebel, Wüste und den Wahnsinnspreisen." So sei es eben, wenn eine Branche in die Jahre kommt, sagen Old-Economisten. Und die großen Banken, renommierten Beratungsunternehmen und angesehenen Anwaltskanzleien freuen sich wieder über mehr Bewerber. Und bieten den Inernet-Firmen großzügig ihre Hilfe bei der "Konsolidierung".

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