Das irakische Regime bereitet sich auf massive Angriffe der US-Streitkräfte vor
Für Saddam hat der Kuwait-Krieg nie geendet

Rund 2000 US-Soldaten werden zurzeit nach Kuwait beordert, um dort in den nächsten Tagen zusammen mit ihren dort bereits stationierten 5000 Kameraden das Großmanöver "Wüstenfrühling" zu starten. Die Übung wird in der Region als eine klare Warnung an den Irak gewertet.

HB NICOSIA. In Bagdad ist man denn auch davon überzeugt, dass sich die USA nach den militärischen Erfolgen in Afghanistan zum Schlag gegen den Irak vorbereiten. Man verweist auf die sich in letzter Zeit mehrenden Anklagen hoher US-Politiker gegen Iraks Diktator Saddam Hussein. Neben Nordkorea, Iran, Libyen und Syrien wird dem Irak die Entwicklung biologischer Waffen vorgeworfen.

Der US-Staatssekretär für Rüstungskontrolle, John Bolton, bezeichnet den Irak als die größte Gefahr für die internationale Sicherheit nach dem El-Kaida-Netzwerk Osama bin Ladens. Und Für US-Außenminister Colin Powell ist Saddam "einer der größten Terroristen dieser Welt", der "keinen Tropfen Humanität in seinen Adern" habe. US-Präsident George W. Bush nennt ihn einen "Mann des Übels". Vor diesem Hintergrund sind sich diplomatische Kreise der Region weitgehend einig, dass der Irak das nächste Ziel im Anti-Terror-Krieg der USA sei. Es sei heute nur noch eine Frage, wann und in welcher Form das Zweistromland attackiert werde.

Obwohl es zahlreiche Anzeichen für Kontakte zwischen Osama bin Laden und hohen Vertretern des irakischen Regimes gibt, fehlen bisher eindeutige Beweise für eine direkte Verwicklung Bagdads in die Terrorakte in den USA am 11. September. Beharrlich weist das Regime Behauptungen zurück, dass einer der Attentäter von New York, Mohammed Atta, in Prag einen hohen irakischen Geheimdienstoffizier getroffen haben soll, um, so offizielle tschechische Angaben, Pläne für einen Sprengstoffanschlag auf das Gebäude des US-Senders "Radio Free Europe" in Prag zu diskutieren. Die Begegnung könnte die Existenz von Verbindungskanälen zwischen dem Irak und El Kaida beweisen.

Eingeweihte Kreise hegen aber Zweifel an Berichten abgesprungener irakischer Militärs und Geheimagenten, nach denen in Salman Pak, dem Zentrum der geheimsten irakischen Militärentwicklungen, Iraker und Araber aus anderen Ländern für Flugzeugentführungen und Attentate auf europäische und amerikanische Ziele trainiert würden. "Für Saddam", so erläuterte einer der Dissidenten, "hat der Kuwait-Krieg nie geendet. Er steht im Krieg mit den USA. Das hat man uns immer wieder eingetrichtert." Unter Führung eines Deutschen sollen irakische Wissenschafter in Salman Pak auch an der Entwicklung biologischer Waffen arbeiten. Militärexperten bezweifeln jedoch, dass der Irak bereits die Fähigkeit besitzt, Bakterien mit Raketen in die Atmosphäre zu schießen.

Die Angst vor biologischem Terror böte den Amerikanern ausreichend Anlass zu massiven Schlägen gegen den Irak. Offiziell aber verweist man lieber auf die anhaltende Weigerung Saddams, wieder Uno-Waffeninspekteure ins Land zu lassen. Bagdad verstößt damit gegen die Resolution des Uno-Sicherheitsrats von 1991, die eine Aufhebung der internationalen Sanktionen an die Zerstörung aller Massenvernichtungsmittel knüpft. Die Uno konnte dies den Irakern bis zum Abzug der Waffeninspekteure Ende 1998 nicht bescheinigen.

Der Irak fühlt sich somit als das nächste "Opfer" der USA. Bereits seit Wochen trifft man intensive Schutzmaßnahmen gegen die erwarteten massiven US-Angriffe. Zahlreiche Fabriken wurden evakuiert, Garnisonen an der Grenze zu dem unter alliiertem Schutz stehenden kurdischen Nordirak verstärkt abgesichert, um sich gegen einen möglichen Vorstoß aus Kurdistan zu schützen.

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