„Das ist unentschuldbar und gehört bestraft“
Lehmann droht mehrwöchige Strafe

Als die Chartermaschine kurz vor zehn Uhr abends auf dem Regionalairport Dortmund aufsetzte, war die Leichtigkeit des 5:1-Sieges in Freiburg dahin. Schwere Gedanken gingen durch die Köpfe der Herren in den Klubanzügen der BVB-Aktiengesellschaft. Was wird mit Jens Lehmann passieren?

HB FREIBURG/DORTMUND. Daheim schalteten viele der Borussen erst einmal den Fernseher an und ließen die Szene aus der 21. Minute vor- und zurücklaufen. Schöner wurde der Tritt ihres Torhüters gegen den Freiburger Soumaila Coulibaly nicht. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes wird wohl Anklage erheben und Lehmann für einige Wochen sperren, wenn er Pech hat bis zum Saisonende, was ihn im schlimmsten Fall sogar die WM-Teilnahme kosten könnte. Der Keeper kann als Wiederholungstäter wenig Gnade erwarten, in den vergangenen Wochen hatte er vergleichbare Ausraster gegen Ulf Kirsten, Giovane Elber und Victor Agali. Lehmann und Coulibaly können bis heute Stellungnahmen einreichen, dann entscheidet das DFB-Sportgericht über die Strafe.

Und genau darum kreisten die Gedanken der schwarz-gelben Familie. Vielleicht wäre das alles nicht so schlimm, gäbe es ausgerechnet jetzt nicht den Endspurt um die Meisterschaft mit einem Punkt Rückstand auf Bayer Leverkusen. Dessen Trainer Klaus Toppmöller meinte denn auch im Fernsehen in Richtung Lehmann: "Das ist unentschuldbar und gehört bestraft". Viele Dortmunder haben sich im Flieger gefragt, ob Ersatztorhüter Philipp Laux, der mit dem SSV Ulm einst aus der Bundesliga abstieg und mit vielen enttäuschten Erwartungen bepackt seit Monaten auf der Ersatzbank hockt, die nötige Klasse hat, wenn es bis Anfang Mai an jedem Spieltag um die Wurst geht.

Matthias Sammer verbat sich die Einmischung seiner Kollegen: "Ich habe den Eindruck, dass gewisse Kreise innere Glücksgefühle dabei empfinden. Das finde ich nicht gut." Generell dürfe "keiner an den Pranger gestellt werden". Zunächst will Sammer mit dem Übeltäter sprechen: "Das muss er mir erklären. Er hat kurzfristig die Nerven verloren." Es wird sich nicht anders anhören als in Freiburg. Der Spieler habe mit gestrecktem Bein seine Kniescheibe getroffen, so Lehmann. "Ich dachte, die ist gebrochen. Ich habe im Affekt getreten. Ich glaube, ich habe ihn leicht getroffen. Das darf mir nicht passieren, aber er konnte ja weiter machen, dann kann das alles nicht so sehr schlimm gewesen sein".

Beim BVB befürchten sie jetzt "eine Hetzjagd, die schon am Sonntagabend im Fernsehen losging. Arbeiten Sie mal auf, was Oliver Kahn in den letzten Wochen gemacht hat", sagte Pressesprecher Josef Schneck. Für Lehmann könnte das Ganze auch einen Rückschlag in den Vertragsverhandlungen mit der Borussia bedeuten, die ihm nicht den gewünschten Dreijahresvertrag geben will.

Schwere Gedanken waren an diesem Tag in. Schiedsrichter Herbert Fandel - der Mann, der so gerne Klavier spielt - stand umringt von vier, fünf Bodyguards da wie eine traurige Gestalt und beklagte, die offensichtliche Tätlichkeit nicht gesehen und geahndet zu haben. "Das war ein großer Fehler, einer von uns muss das wahrnehmen. Dafür darf es keine Ausrede geben. So etwas müssen wir sehen, dafür sind wir da." Es klang wie ein Geständnis.

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