Das Jahr im Zeitraffer
April 2002

Im April 2002 kamen die großen Pleiten Schlag auf Schlag: Fairchild Dornier, Herlitz, KirchMedia. Der Telematik- Anbieter Comroad sorgte für den bisher größten Bilanzskandal am Neuen Markt, der Pasta-Konzern Barilla setzte zur Kamps-Übernahme an und Ferdinand Piëch übergab das Steuer bei Volkswagen an Bernd Pischetsrieder:

01. April: Florian Gerster löst Bernhard Jagoda an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit ab.

02. April: Der Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier stellt Insolvenzantrag. Entwicklungskosten für den Regionaljet FD 728 von mehr als einer Milliarde Euro hatten zum finanziellen Zusammenbruch geführt. Trotz des Auftauchens immer neuer Interessenten, unter anderem aus Russland und der Schweiz, gibt es monatelang keine Lösung.

02. April: Nach einem Banküberfall im niedersächsischen Wrestedt nehmen drei Räuber zwei Frauen als Geiseln. Der Überfall ist Ausgangspunkt für eine spektakuläre Verfolgungsjagd über 1600 Kilometer bis in die Ukraine. Osteuropäische Ermittler bewegen die Kidnapper zur Aufgabe. Die Männer werden nach ihrer Auslieferung im August in Lüneburg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

02. April: Die umstrittene Commerzbank-Aktionärsgruppe Cobra löst sich faktisch auf. In den vergangenen Jahren hatten die 40 Aktionäre mit einem Kapitalanteil von 17 Prozent für viel Wirbel bei der Commerzbank gesorgt und den Vorstand unter anderem zum Zusammengehen mit einem "starken Partner" zu drängen versucht.

03. April: Der Büroartikelhersteller Herlitz stellt einen Insolvenzantrag. Ein Bankenkonsortium um die Deutsche Bank, das 70 Prozent hält, will einen Kredit über 30 Millionen Euro nicht ohne Länderbürgschaft gewähren. Im Juli stimmen die Gläubiger einem Sanierungskonzept zu und machen den Weg für eine Rettung frei.

08. April: Die KirchGruppe stellt Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft KirchMedia, zu der die Fernsehsender-Familie Pro Sieben Sat1 und der Rechtehandel gehören. Firmenpatriarch Leo Kirch verabschiedet sich per Brief von den Mitarbeitern.

09. April: Die finanziell schwer angeschlagene Bankgesellschaft Berlin ist vorerst gerettet. Das Berliner Abgeordnetenhaus stimmt weiteren Landeshilfen von bis zu 21,6 Milliarden Euro zu.

09. April: Die Lufthansa gibt ihre Strecke Berlin-Hamburg, eine der ältesten deutschen Linienflugverbindungen, wegen starker Konkurrenz der Bahn auf.

10. April: Der Bilanzskandal beim Telematik-Unternehmen Comroad bricht mit voller Wucht aus. Es wird bekannt, dass fast der gesamte Umsatz des Jahres 2001 von 93,4 Millionen Euro gefälscht war. Firmengründer Bodo Schnabel ließ Scheingeschäfte mit einer nicht existierenden Firma in Hongkong verbuchen.

15. April: Der italienische Nudel-Riese Barilla macht ein Kaufangebot für Europas größte Bäckereikette Kamps. Firmengründer Heiner Kamps gibt gut eine Woche später den Widerstand nach einem nachgebesserten Angebot auf. Zum Juni hält Barilla die Mehrheit. Kamps gibt im November seinen Rückzug aus dem Unternehmen bekannt.

16. April: In Frankfurt beginnt der erste Prozess gegen mutmaßliche El- Kaida-Terroristen in Deutschland. Fünf Algerier sollen sich für einen geplanten Anschlag in Straßburg verantworten.

16. April: Georg Milbrandt wird zum Nachfolger von Kurt Biedenkopf als Ministerpräsident von Sachsen gewählt.

16. April: Führungswechsel bei Volkswagen: Der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder übernimmt das Steuer vom langjährigen Konzernchef Ferdinand Piëch. Piëch wechselt in den Aufsichtsrat. Immer lauter wird Kritik an Piëch: VW sei in zu vielen Marktsegmenten nicht vertreten und wichtige Modelle liefen gleichzeitig aus.

16. April: "Moorhuhn"-Erfinder Phenomedia steht wegen Bilanzfälschungen im Visier der Staatsanwaltschaft. Im August wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, Ende Oktober billigen die Gläubiger den Fortbestand des Unternehmens - allerdings mit Reduzierung auf das Spiele-Geschäft.

18. April: Die Chemieindustrie erzielt als erste große Branche eine Tarifeinigung. Die Tarifentgelte der 570 000 Beschäftigten in Westdeutschland werden für 13 Monate um 3,3 Prozent erhöht. Ende des Monats gibt es auch eine Einigung im Osten Deutschlands.

18. April: Die Düsseldorfer Kamps AG akzeptiert das Übernahme-Angebot des italienischen Nudelherstellers Barilla.

19. April: Der Bundestag beschließt aufgrund verschiedener Spendenaffären ein neues Parteiengesetz.

21. April: In Sachsen-Anhalt entscheiden sich die Bürger bei der Landtagswahl für einen Machtwechsel. Die CDU ist klarer Sieger, die SPD muss dramatische Verluste hinnehmen. Die Wahl wurde als Stimmungstest für die Bundestagswahl am 22. September gehandelt (CDU: 37,3%; PDS: 20,4%; SPD: 20,0%; FDP: 13,3%; Grüne: 2,0%).

21. April: In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich triumphiert der Rechtspopulist Jean-Marie Le Pen. Er verdrängt den sozialistischen Ministerpräsidenten Lionel Jospin als Stichwahlkandidat neben Amtsinhaber Jacques Chirac, der Le Pen in der zweiten Runde mit großer Mehrheit schlägt.

23. April: Der bisherige Landtagsabgeordnete der nordrhein-westfälischen Grünen, Jamal Karsli, wird in die Fraktion der NRW-FDP aufgenommen. Die von Fraktions- und Landeschef Jürgen Möllemann betriebene Aufnahme stößt auf heftige Kritik, nachdem Äußerungen Karslis bekannt werden, die als antisemitisch eingestuft werden. Nach einem Ultimatum von Parteichef Westerwelle teilt Möllemann am 6. Juni den Austritt Karslis aus der Fraktion mit.

26. April: Bei einer in Deutschland beispiellosen Gewalttat erschießt der 19-jährige Robert Steinhäuser im Erfurter Gutenberg- Gymnasium 16 Menschen und sich selbst. 12 Lehrer, 1 Sekretärin, 2 Schüler und 1 Polizist werden von dem Einzeltäter in wenigen Minuten getötet. Motiv: ein Rachefeldzug. Er musste zuvor die Schule verlassen.

26. April: Das Kyoto-Protokoll wird ratifiziert.

30. April: Das Land Niedersachsen genehmigt den Bau des umstrittenen Atomendlagers Schacht Konrad in Salzgitter - das zweite genehmigte Atomendlager in Deutschland.

30. April: Die Stella-Musicaltochter Broadway Musical Management stellt einen Insolvenzantrag. Der mangelnde Erfolg neuer Produktionen hatte zu hohen Verlusten geführt.

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