Das Jahr im Zeitraffer
Februar 2002

Im Februar 2002 rückte das Bundeskartellamt ungewöhnlich stark ins Rampenlicht: Die Kartellwächter stoppen den Vormarsch des US-Medienkonzerns Liberty Media ins deutsche Kabelfernsehen und verpassen dem Energiekonzern E.ON einen weiteren Dämpfer bei den Übernahmeplänen für den Gasversorger Ruhrgas:

01. Februar: Der Bundesrat besiegelt den Ausstieg Deutschlands aus der Atomkraft. Das letzte der 19 Atomkraftwerke soll etwa 2021 vom Netz gehen.

04. Februar: Der Skandal um falsche Vermittlungszahlen bei der Bundesanstalt für Arbeit bricht aus. Laut einem Prüfbericht des Bundesrechnungshofs sind in den Arbeitsämtern die Vermittlungen Arbeitsloser massenhaft falsch gebucht worden. Knapp drei Wochen später verliert der Chef der Bundesanstalt, Bernhard Jagoda, seinen Posten. Sein Nachfolger Florian Gerster kündigt umfassende Reformen an. Bundeskanzler Gerhard Schröder setzt eine Reformkommission unter Leitung des VW-Managers Peter Hartz ein.

04. Februar: Josef Ackermann wird Nachfolger von Rolf E. Breuer als Chef der Deutschen Bank.

05. Februar: Die Türkei erhält vom Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Kredit über 16 Mrd. US-Dollar.

07. Februar: EZB-Präsident Wim Duisenberg gibt bekannt, dass er am 9.Juli 2003 zurücktreten wird.

09. Februar: Der Bundesrechnungshof stellt fest, dass die Vermittlungsstatistik der Bundesanstalt für Arbeit teilweise gefälscht ist.

09. Februar: Die Bundesregierung vergibt mit 1,7 Mrd. Euro den Großteil der Zuschüsse zum Bau zweier Metrorapidstrecken an NRW. Bayern erhält 550 Mill. Euro.

09. bis 24. Februar: Die Olympische Winterspiele in Salt Lake City (USA) stehen im Zeichen der Terror-Angst. Dennoch bleiben die Spiele friedlich. Deutschland ist die erfolgreichste Mannschaft mit 12 Gold-, 16 Silber- und 12 Bronzemedaillen.

12. Februar: Die Bundesregierung entgeht durch die Zusage einer strengen Finanzdisziplin einer Frühwarnung wegen des hohen Haushaltsdefizits - dem so genannten "Blauen Brief" der EU-Finanzminister. Deutschland verpflichtet sich unter anderem, die Defizit-Obergrenze des Euro- Stabilitätspaktes von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht zu überschreiten.

13. Februar: Die hessische Landtagswahl vom 7. Februar 1999 bleibt nach einem Urteil des hessischen Staatsgerichtshofs trotz der CDU - Schwarzgeldaffäre und der teilweisen Verwendung nicht deklarierter Gelder im Wahlkampf gültig.

19. Februar: Der Weg für den drittgrößten deutschen Stromkonzern ist frei. Aus Veag und Laubag, den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) und der Berliner Bewag entsteht die Vattenfall Europe.

19. Februar: Der Axel Springer Verlag legt den ersten Verlust in seiner mehr als 50-jährigen Geschichte vor. Europas größter Zeitungskonzern machte 2001 ein Minus von 191 Millionen Euro. Einer der Gründe ist der Einbruch der Werbeeinnahmen.

20. Februar: Ein Teekocher löst in einem mit 4000 Menschen besetzten Zug in Ägypten ein Flammeninferno aus. Mehr als 360 Menschen sterben. Viele sind gefangen, weil sich die Eisenstäbe der vergitterten Fenster nicht öffnen lassen. Sieben Monate später werden elf Mitarbeiter der Eisenbahngesellschaft vom Vorwurf der Fahrlässigkeit freigesprochen.

22. Februar: Bundeskanzler Schröder und Arbeitsminister Riester (SPD) legen vor dem Hintergrund geschönter Vermittlungsstatistiken ein Konzept zur Umstrukturierung der Bundesanstalt für Arbeit vor. Neuer Chef wird der rheinland-pfälzische Sozialminister Florian Gerster (SPD). Er folgt Bernhard Jagoda. Schröder kündigt die Einsetzung einer Reformkommission unter Leitung des VW-Managers Peter Hartz an.

26. Februar: Die Übernahme des Großteils der Kabelnetze der Deutschen Telekom durch den US-Medienkonzern Liberty Media scheitert am Bundeskartellamt. Die Behörde befürchtet eine starke Einschränkung des Wettbewerbs, unter anderem weil die Amerikaner Programmlieferant sind. Liberty wollte für die sechs Netze mit rund zehn Millionen angeschlossenen Haushalten 5,5 Milliarden Euro zahlen. Die Telekom bekommt ein Problem, da das Geld für den Abbau des Schuldenberges eingeplant war. Im späteren Jahresverlauf wird immer deutlicher, dass ein solcher Preis nicht wieder zu erzielen ist, von höchstens rund zwei Milliarden Euro ist die Rede.

27. Februar: Das Sturmtief "Anna" fordert mehrere Todesopfer und richtet Schäden in Millionenhöhe an. Mit bis zu 180 Stundenkilometern fegt der Orkan über Deutschland hinweg.

28. Februar: Weiterer Rückschlag für Eon: Das Bundeskartellamt verbietet auch den zweiten Schritt für die Ruhrgas-Übernahme, den Kauf der Anteile der Bergemann GmbH. Nur wenige Tage später beantragt Eon wie bereits für die Übernahme des Ruhrgas-Gesellschafters Gelsenberg eine Ministererlaubnis.

28. Februar: Abschied von der D-Mark: Zum letzten Mal darf in Deutschland mit der Mark gezahlt werden, vom 1. März an ist der Euro alleiniges Zahlungsmittel. Unter Eindruck der Preisanstiege vor allem in der Gastronomie trauern immer mehr Verbraucher dem alten Geld hinterher - fast die Hälfte hätten einer Umfrage zufolge gern die Mark zurück.

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