Das Jahr im Zeitraffer
Juli 2002

Der Juli 2002 veränderte die Wirtschaftswelt mit Rücktritten von Spitzenmanagern wie Ron Sommer bei der Deutschen Telekom, Thomas Middelhoff bei Bertelsmann und Jean-Marie Messier bei Vivendi Universal. In den USA machte der Telekom-Riese WorldCom Schlagzeilen mit der größten Pleite der US-Geschichte, in Deutschland brach der Maschinenbauer Babcock Borsig zusammen:

01. Juli: Bei einem der schwersten Luftfahrt-Unglücke in der deutschen Geschichte sterben bei Überlingen am Bodensee 71 Menschen, darunter viele Kinder. Trotz Kollisionswarnung prallen eine Fracht- und eine Passagiermaschine zusammen. Anschließend werden schwere Vorwürfe gegen die Schweizer Flugsicherung skyguide laut.

01. Juli: Preussag wird mit dem Eintrag ins Handelsregister offiziell zu Tui.

01. Juli: Das 4. Finanzmarktförderungsgesetz, das unter anderem den Anlegerschutz verbessert, tritt in Kraft.

01. Juli: Trotz massiver Kritik von Verbraucherschützern und Wettbewerbsexperten macht die Bundesregierung per Ministererlaubnis den Weg für die Übernahme der Ruhrgas AG durch den Eon-Konzern frei. Als Auflage müssen mehrere große Beteiligungen abgeben werden. Es ist die siebte Ministererlaubnis in der Geschichte der Bundesrepublik.

02. Juli: Der Chef des weltweit zweitgrößten Medienkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, räumt nach heftiger Kritik seinen Posten. Messiers rasanter Expansionskurs mit teueren Firmenzukäufen führte zu einem Schuldenberg und Milliarden-Abschreibungen.

05. Juli: Der traditionsreiche Maschinenbau-Konzern Babcock Borsig mit weltweit 22 000 Beschäftigten meldet Insolvenz an. Der Verkauf der größten deutschen Werft HDW an einen US-Investor hatte zwar Geld in die Kassen gespült, aber zugleich die Einnahmen wegbrechen lassen.

09. Juli: Der Süddeutsche Verlag ("Süddeutsche Zeitung") kündigt den Abbau von 650 seiner rund 5 000 Stellen an. Das Jugendmagazin "jetzt" wird als Beilage eingestellt. Ende November wird bekannt, dass noch 300 weitere Mitarbeiter bis Ende 2004 gehen müssen.

10. Juli: Gewitter und ein heftiger Orkan wüten über Berlin und Brandenburg. Insgesamt sterben in Deutschland acht Menschen, in Berlin kommt es in einem Ferienzeltlager auf einer Wannsee-Insel zu einem tödlichen Drama.

11. Juli: Der Süddeutsche Verlag ("Süddeutsche Zeitung") kündigt den Abbau von 650 seiner rund 5000 Stellen an. Ende November wird bekannt, dass noch 300 weitere Mitarbeiter bis Ende 2004 gehen müssen

12. Juli: Marokkanische Soldaten besetzen die spanische Insel Perejil (Petersilien-Insel) und lösen eine mehrwöchige Krise aus.

12. Juli: Das Oberlandesgericht Düsseldorf stoppt auf Antrag zweier Energiehändler die Ruhrgas-Übernahme durch Eon. Im September erteilt die Bundesregierung eine Sondergenehmigung und beantragt die Aufhebung des vorläufigen Fusionsverbots.

15. Juli: Der Euro ist erstmals seit Februar 2000 wieder mehr als der US- Dollar wert. In den folgenden Monaten pendelt die die europäische Gemeinschaftswährung um die Dollar-Parität und schafft es bis auf ein Jahreshoch von 1,0133 Dollar.

16. Juli: Telekom-Chef Ron Sommer gibt nach wochenlangem Machtkampf auf. Nach heftigem Druck - dem Vernehmen nach auf Betreiben der Bundesregierung - tritt er zurück. Sommer wurden Milliarden-Zukäufe wie der US-Mobilfunker VoiceStream, der gewaltige Schuldenberg und der dramatische Kursverfall der T-Aktie vorgeworfen. Interimschef wird der 72-jährige Ex-Henkel-Manager Helmut Sihler. Zahllose Spekulationen begleiten die Suche nach einem Nachfolger.

17. Juli: Das Gesetz zu gleichgeschechtlichen Lebenspartnerschaften ist verfassungsgemäß.

19. Juli: Verteidigungsminister Rudolf Scharping wird aufgrund der Vorwürfe über dubiose Einnahmen aus seiner Beziehung zum PR-Berater Moritz Hunzinger entlassen. Peter Struck wird sein Nachfolger.

21. Juli: Der Telekomriese Worldcom sorgt mit seinem Zusammenbruch für die größte Pleite der US-Geschichte. Der Konzern hat seine Bilanz um Milliardenbeträge geschönt und und mehr als 30 Milliarden Dollar Schulden angehäuft.

24. Juli: Der Dax erlebt einen unglaublichen Börsentag: Nach einem Minus von mehr als sieben Prozent schwingt er sich - angeschoben von den US-Börsen - innerhalb von zweieinhalb Stunden ins Plus und schließt um 3,32 Prozent fester bei 3 632,66 Punkten.

25. Juli: Die EU-Kommission leitet erstmals ein Defizitverfahren gegen ein Mitgliedsland ein - gegen Portugal. Grund ist die Neuverschuldung von 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2001. Die erlaubte Obergrenze liegt bei drei Prozent.

25. Juli: Der Anfang vom Ende des kleinen Mobilfunkanbieters Quam: Es sollen keine neuen Kunden mehr geworben werden. Der Betrieb wird zum 15. November endgültig eingestellt. Den 200 000 Kunden wird empfohlen, zum Marktführer T-Mobile zu wechseln. Die UMTS-Lizenz will das Gemeinschaftsunternehmen der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera behalten.

25. Juli: Ein weiterer Unternehmensskandal in den USA: Der Gründer des TV- Kabelunternehmens Adelphia John Rigas und seine Söhne werden festgenommen. Sie sollen hunderte Millionen Dollar aus der Firmenkasse gestohlen haben.

26. Juli: Cem Özdemir verzichtet wegen privater Nutzung dienstlich erworbener Bonusmeilen auf eine erneute Bundestagskanditatur.

27. Juli: Bei einer Luftfahrtschau stürzt im ukrainischen Lwiw ein Kampfjet in die Zuschauermenge und reißt mehr als 80 Menschen in den Tod. Über 100 werden verletzt, als die Suchoi Su-27 nach einem Tiefflug-Manöver auf das Flugfeld stürzt und explodiert. Die Piloten retten sich mit dem Schleudersitz. Fehler der Piloten und der Organisatoren sollen für die Katastrophe verantwortlich sein.

28. Juli: Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff scheitert mit seinen ehrgeizigen Projekt zum Wandel des Familienunternehmens in einen globalen Medienriesen am Widerstand von Firmenpatriarch Reinhard Mohn. Streitpunkt waren vor allem Middelhoffs Pläne für einen Börsengang. Nachfolger wird der als bodenständiger geltende Chef der Druck- und Dienstleistungssparte Gunter Thielen.

30. Juli: Nach immer neuen Finanzskandalen unterzeichnet US-Präsident George W. Bush ein Gesetz, nach dem Bilanzfälscher und kriminelle Manager künftig härter bestraft werden sollen.

31. Juli: Gregor Gysi (PDS), Wirtschaftssenator in Berlin, zieht sich anlässlich der Bonusmeilen-Affäre aus der Politik zurück. Wenige Tage vorher war der Leichtsinn im Umgang mit Gratis-Flugmeilen bereits dem grünen Innenpolitiker und Hoffnungsträger Cem Özdemir zum Verhängnis geworden.

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