Das Jahr im Zeitraffer
Juni 2002

Im Juni 2002 erschütterte die EU-Kommission die Deutsche Post mit der Aufforderung, 572 Millionen Euro als unerlaubte Beihilfe an den Bund zurückzuzahlen. Das Baugewerbe streikte erstmals bundesweit und einigte sich auf einen Tarifvertrag. Auch in anderen Branchen wurden der Tarifstreit allmählich beigelegt: 01. Die Schlichtung im Tarifkonflikt des Baugewerbes scheitert. Die Zeichen stehen auf Streik.

01. Juni: Um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers" ist ein Antisemitimus-Streit entfacht.

03. Juni: Die US-Musiktauschbörse Napster, die einst mit rund 60 Millionen Nutzern den Musikkonzernen den Angstschweiß in die Stirn trieb, stellt Konkursantrag. Nachdem ein Verkauf an den Bertelsmann-Konzern am Konkursrichter scheitert, gehen gesamte Napster-Vermögenswerte - samt Logo, Internet-Auftritt und Technologie - im November für fünf Millionen Dollar an den Software-Hersteller Roxio. Bertelsmann allein hatte 80 Millionen Dollar in Napster investiert.

06. Juni: Nach zweieinhalb Jahren Aufklärungsbemühungen in verschiedenen Parteiaffären beendet der Untersuchungsausschuss des Bundestags seine Arbeit ohne klares Ergebnis.

07. Juni: Der Luftschiffbauer Cargolifter beantragt nach monatelangem Überlebenskampf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das wichtigste Projekt, der riesige Transport-Ballon CL160 wurde bereits vorher auf Eis gelegt.

08. Juni: Der erste Bauarbeiterstreik seit über 50 Jahren findet statt.

10. Juni: Fiat-Chef Paolo Cantarella tritt inmitten der schweren Krise des Konzerns mit hohen Verlusten und stockendem Schuldenabbau zurück.

11. Juni: Tarifeinigung bei der Deutschen Post: Die 160 000 Arbeiter und Angestellten erhalten vom 1. Juni an 3,5 Prozent mehr Geld.

11. Juni: Die restlichen rund 4 000 Mannesmann-Aktionäre werden vom Eigentümer Vodafone für eine Barabfindung von 217,92 Euro pro Aktie herausgedrängt.

11. Juni: Bertelsmann gibt die Übernahme des größten unabhängigen Musik- Labels Zomba mit Stars wie Britney Spears, den Backstreet Boys und N'Sync bekannt. Der Preis von rund drei Milliarden Dollar gilt als zu hoch und dient später als einer der Argumente für den Abgang von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Zum Herbst wird der Kaufpreis auf 2,7 Milliarden Dollar heruntergehandelt.

11. Juni: Die France Télécom beendet die Zusammenarbeit mit Mobilcom. Da an dem französischen Großaktionär auch die Finanzierung der UMTS-Kredite hängt, stürzt Mobilcom in eine tiefe Krise.

12. Juni: Mit dem Insolvenzantrag der Dachgesellschaft Taurus Holding bricht die Kirch Gruppe vollständig zusammen.

12. Juni: Neuer Börsenskandal in den USA: Der ehemalige Chef der Biotech-Firma Imclone, Sam Waksal, wird vom FBI festgenommen. Er soll Familienmitgliedern Tage vor der offiziellen Bekanntgabe mitgeteilt haben, dass ein Krebsmedikament keine Zulassung erhalten hat.

13. Juni: Der frühere SPD-Bundespolitiker Karl Wienand, der Müllunternehmer Hellmut Trienekens und Norbert Rüther werden im Zusammenhang mit der Kölner Spendenaffäre verhaftet. Ihnen werden Beihilfe zur Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung und Steuerhinterziehung zur Last gelegt.

14. Juni: Das vom Bundestag im April geänderte Waffenrecht wird als Folge des Amoklaufs in Erfurt nochmals verschärft. Das Waffenerwerbsalter wird erhöht, Pumpguns werden verboten.

17. Juni: Im deutschen Baugewerbe beginnt der erste bundesweite Streik.

19. Juni: Die Deutsche Post wird von der EU-Kommission aufgefordert, 572 Millionen Euro plus Zinsen an den Bund zurückzuzahlen. Die Post habe in den Jahren 1994 bis 1998 Verluste im Paketdienst mit Einnahmen aus dem Briefmonopol ausgeglichen, was als unerlaubte staatliche Beihilfe einzuschätzen sei, argumentiert Brüssel. Im November fordert die Bundesregierung dann die Rückzahlung von 906 Millionen Euro zum 1. Januar 2003.

20. Juni: In Kassel wird die 11. Documenta eröffnet.

20. Juni: Der erste Transrapid für China wird ausgeliefert. Dort wird die weltweit erste Transrapid-Strecke zum Flughafen von Schanghai gebaut.

21. Juni: Im Streit bei Mobilcom setzt Großaktionär France Télécom die Ablösung von Firmenchef Gerhard Schmid durch.

21. Juni: Die Tarifparteien im Versicherungsgewerbe einigen sich. Die rund 240 000 Beschäftigten bekommen von Juli an 3,5 Prozent mehr Geld.

22. Juni: Nach fast zwölfjähriger Amtszeit kündigt Brandenburgs Regierungschef Manfred Stolpe (SPD) seinen Rücktritt an. Nachfolger wird Matthias Platzeck.

24. Juni: Deutschlands ältestes Foto-Haus Photo Porst stellt einen Insolvenzantrag.

25. Juni: Bundespräsident Johannes Rau unterschreibt das umstrittene Zuwanderungsgesetz.

25. Juni: Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) stellt die Ergebnisse der so genannten Pisa-E-Studie vor. Bei dem innerdeutschen Schulleistungstest schneidet Bayern mit Vorsprung am besten ab.

25. Juni: Auch das Baugewerbe legt den Tarifkonflikt bei: Vom 1. September an gibt es 3,2 Prozent mehr Geld. Am 1. April 2003 steigen die Löhne und Gehälter um weitere 2,4 Prozent.

26. Juni: Die Ergebnisse des innerdeutschen Pisa-Ländervergleichs werden veröffentlicht.

26. Juni: In Brandenburg übergibt Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) überraschend sein Amt an den Potsdamer Bürgermeister Matthias Platzeck. Nach der Bundestagswahl im September ist der vermeintliche Ruheständler schon wieder zurück auf der politischen Bühne: Er übernimmt im Kabinett Schröder das Amt des Infrastrukturministers.

26. Juni: Die Aktie der Deutschen Telekom markiert im Handelsverlauf das Allzeittief von 8,14 Euro. Drei Wochen später, am 16. Juli, gibt Konzernchef Ron Sommer nach langen Machtkämpfen sein Amt ab.

26. Juni: Beim US-Telekomriesen Worldcom fliegt ein Gewaltiger Bilanzbetrug um 3,85 Milliarden Dollar auf. Als Notlösung sollen 17 000 Mitarbeiter - mehr als ein Fünftel der Belegschaft - sofort entlassen werden. Ein Konkurs lässt sich aber nicht mehr abwenden. Im August werden weitere 3,3 Milliarden Dollar an Falschbuchungen aufgedeckt.

27. Juni: Der Milliarden-Auftrag für den Aufbau des Lkw-Mautsystems auf deutschen Autobahnen soll an ein Konsortium aus Daimler-Chrysler und der Deutschen Telekom gehen, wird bekannt. Das unterlegene Konsortium Ages um den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone legt Beschwerde ein. Wenige Tage vor der Bundestagswahl im September einigen sich die Wettbewerber auf eine Zusammenarbeit, Ages gibt den Widerstand auf, Telekom und Daimler-Chrysler bekommen offiziell den Zuschlag. Die Maut soll im August 2003 kommen.

29. Juni: Tarifeinigung auch bei der Deutschen Telekom: Die Einkommen der knapp 130 000 Beschäftigten steigen am 1. Juli um 4,1 Prozent. Am 1. Mai 2003 kommt eine weitere Erhöhung von 3,2 Prozent hinzu.

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