Das Jahr im Zeitraffer
März 2002

Im März 2002 leitete der Insolvenzantrag der Philipp eine Serie von Pleiten deutscher Traditionsunternehmen ein. Die USA lösten mit ihren hohen Stahl- Importzöllen einen heftigen Streit mit europäischen Verbündeten aus und der Verkauf der größten deutschen Werft HDW an eine US-Investmentgruppe sorgte für lautstarke Kritik:

01. März: Die Deutsche Bahn bekommt neue private Konkurrenz im Fernverkehr. Der erste Fernverkehrszug der französischen Connex-Gruppe nimmt die tägliche Verbindung zwischen Gera nach Rostock auf. Im Dezember kommt es zum Streit vor Gericht: Die Bahn nahm den Zug sowie die neue Verbindung Zittau-Stralsund nicht ins Kursbuch auf. Der private Betreiber klagt.

01. März: Der Erdöl-Preis steigt erstmals seit Monaten wieder über die Marke von 20 Dollar je Barrel (159 Liter). Im späteren Jahresverlauf rücken die Preise unter anderem wegen der Erwartung eines Irak- Krieges zeitweise bis an die Marke von 30 Dollar je Barrel vor.

03. März: Die CSU baut bei Kommunalwahlen ihre Position als stärkste Kraft in Bayern aus. Die SPD fährt ihr schlechtestes Ergebnis seit 50 Jahren ein, erzielt bei Oberbürgermeisterwahlen aber teils spektakuläre Erfolge.

04. März: Die Kölner SPD-Spendenaffäre kommt durch den Rücktritt des des örtlichen SPD-Fraktionschef Norbert Rüther ans Licht. Hintergrund sind illegale Barspenden von Unternehmen, die am Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage beteiligt waren. Das Geld wurde in kleine Summen gestückelt, über die zahlreiche SPD-Mitglieder Spendenquittungen erhalten hatten.

05. März: US-Präsident George W. Bush greift zum Schutz der geschwächten US-Stahlindustrie zu drastischen Importzöllen von bis zu 30 Prozent. Auch europäische Konzerne sind betroffen. Die EU reagiert Ende März mit Zöllen von bis zu 26 Prozent.

05. März: Die zweitgrößte deutsche Fluglinie Deutsche BA kündigt nach zehn Verlustjahren in Folge den Umbau zu einem Billigflieger an. Der Mutterkonzern British Airways schließt einen Verkauf zunächst aus.

06. März: In Afghanistan sterben beim Entschärfen einer Rakete drei dänische und zwei deutsche Soldaten der Friedenstruppe ISAF.

07. März: Der Hamburger Kaffee-Röster Tchibo verkauft seine Zigarettentochter Reemtsma ("West", "Davidoff" und "R1") für mehr als sechs Milliarden Euro an den britischen Konzern Imperial Tobacco.

08. März: Die Wochenzeitung "Die Woche" erscheint zum letzten Mal.

09. März: Der Baukonzern Philipp Holzmann muss Insolvenz anmelden.

10. März: Markus Schächter löst Dieter Stolte als ZDF-Chef ab.

10. März: Weg frei für den Präventivkrieg. Presseberichte enthüllen die neue Krisenstrategie der US-Regierung, die im Widerspruch zur Uno-Charta auch Präventivkriege unter bestimmten Voraussetzungen vorsieht.

11. März: Die größte deutsche Werft HDW geht an die US-Investmentfirma One Equity Partners. Vor allem beim Maschinenbauer Babcock Borsig ist der Verkauf des HDW-Anteils heftig umstritten und wird später als einer der Gründe für die Insolvenz genannt.

11. März: Die Journalistin und Widerstandskämpferin Marion Gräfin Dönhoff stirbt im Alter von 92 Jahren. Sie war langjährige Herausgeberin der Wochenzeitung "Die Zeit".

12. März: Die amerikanische Börsenaufsicht SEC beginnt ihre Ermittlungen gegen Worldcom und Quest.

12. März: Im zweiten Flowtex-Prozess wird der jüngere Schmider-Bruder Matthias zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. In dem größten Wirtschaftsbetrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte war sein Bruder Manfred Schmider, der als Firmenchef agierte, bereits im Dezember 2001 zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Flowtex hatte mit dem Verkauf nicht existierender Bohrmaschinen einen geschätzten Schaden von gut zwei Milliarden Euro angerichtet.

12. März: Die Lufthansa meldet den ersten Jahresverlust seit acht Jahren. Unter anderem wegen der schweren Luftfahrt-Krise nach den Terroranschlägen vom 11. September flog die Lufthansa 2001 einen Vorsteuerverlust von 754 Millionen Euro ein.

13. März: Das Europaparlament billigt die Pläne zur weiteren Liberalisierung der EU-Briefmärkte. Das Postmonopol gilt von 2003 an nur noch für Inlandsbriefe bis zu einem Gewicht von 100 Gramm, die bisherige Grenze lag bei 350 Gramm. 2006 soll die Grenze dann auf 50 Gramm herabgesetzt werden.

14. März: Der Enron-Skandal wird dem Wirtschaftsprüfer Andersen zum Verhängnis: Er wird vom US-Justizministerium wegen der Vernichtung von Dokumenten vor der spektakulären Pleite des weltgrößten Energiehändlers angeklagt. Der Niedergang des Unternehmens, das einst zu den feinsten Adressen der Branche gehört ist damit nicht mehr aufzuhalten. Im Oktober wird Andersen zu 500 000 Dollar Strafe und einer Bewährungsfrist von fünf Jahren verurteilt.

14. März: Auch die Wuppertaler SPD gerät ins Visier der Staatsanwaltschaft: Der SPD-Oberbürgermeister Hans Kremendahl steht unter Korruptionsverdacht. Im Juli wird gegen Kremendahl wegen Vorteilsnahme Anklage erhoben. Daraufhin wird er vom Dienst suspendiert.

16. März: Der in Japan erfolgreiche Handy-Multimediadienst i-mode startet in Deutschland. i-mode gilt als Test für die UMTS-Zukunft. Der niederländische KPN-Konzern zusammen mit seiner Tochter E-Plus kann nach eigenen Angaben in Deutschland und den Niederlanden rund 100 000 Kunden gewinnen.

21. März: Die Philipp Holzmann AG stellt zweieinhalb Jahre nach der spektakulären Rettungsaktion von Bundeskanzler Gerhard Schröder einen Insolvenzantrag. Im Jahresverlauf werden Teile des Bauriesen verkauft.

22. März: Der Bundesrat stimmt in einem umstrittenen Abstimmungsverfahren dem rot-grünen Zuwanderungsgesetz zu. Es kommt zum Eklat, als Bundesratspräsident Wowereit (SPD) die uneinheitliche Stimmabgabe Brandenburgs als Zustimmung wertet.

25. März: Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid kündigt auf Druck des Großaktionärs France Télécom den Rückzug von der Spitze des Mobilfunk-Anbieters an. 26. Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner gibt für das erste Quartal 2002 eine gewaltige Abschreibung auf den Firmenwert von 54 Milliarden Dollar bekannt.

28. März: Der Bund darf seine Milliarden-Einnahmen aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunk-Lizenzen behalten. Das Verfassungsgericht in Karlsruhe weist eine Klage Baden-Württembergs, Bayerns und Hessens ab.

29. März: Truppen der israelischen Armee beginnen nach einem Selbstmordanschlag in Netanya, den Amtssitz des Führers der palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, zu belagern.

31. März: Die Swissair-Nachfolgeairline Swiss nimmt den Betrieb auf.

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