Das „Kompetenzteam“ des Kanzlerkandidaten gewinnt Konturen
Späth soll für Stoiber den Osten gewinnen

Helmut Kohl hat es bei der letzten Bundestagswahl erfolglos versucht, jetzt will es Edmund Stoiber richtig machen: Mit dem Aufbau-Manager aus Thüringen will die Union die Wähler in den neuen Ländern ködern.

HB BERLIN. Lothar Späth feiert heute als Hoffnungsträger für den Osten und für die Union keine Premiere: Mehrmals schon war der erfolgreiche Jenoptik-Chef und Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs von der Union als Wahlkampfhelfer eingespannt worden. Helmut Kohl zog Späth gegen Ende des Bundestags-Wahlkampfs 1998 als Joker aus dem Ärmel. Kohl verlor. Bei den Wahlen zum Berliner Senat unterstützte der Schwabe dann den CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel - wieder als "Berater in Wirtschaftsfragen". Auch der verlor.

Jetzt also zum dritten Mal. Der 64-jährige Ex-Politiker soll als Mann mit Wirtschaftskompetenz Edmund Stoiber am 22. September als Sieger über die Ziellinie verhelfen. Dabei hatte die CDU-Parteivorsitzende, Angela Merkel, den Macher aus Thüringen längst vor Steffel und Stoiber als "Wirtschaftsberater" angeheuert. Stolz präsentierte sie den Vorstandsvorsitzenden der Jenoptik AG als neuen "Wirtschaftsberater" der Partei. Wie Merkel damals sagte, sollte der gebürtige Sigmaringer das Wirtschaftskonzept "Neue Soziale Marktwirtschaft" umsetzen helfen.

Damals bereits verkaufte die Partei das angebliche Comeback des Schwaben als den "politischen Coup des Jahres". Seitdem allerdings war von dem Parteifreund, der im Fernsehen auch als Talk-Meister auftritt, nichts mehr zu vernehmen. Vielmehr hatte er im Januar dieses Jahres eine Rückkehr in die Politik ausgeschlossen. "Ich habe mit der Politik abgeschlossen." Er sei mittlerweile "unpolitisch" geworden, so Späth über Späth.

Er hat Jenoptik nicht nur saniert, sondern dies in der Öffentlichkeit eloquent als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Umwandlung eines früher hoch subventionierte Staatsunternehmens in eine erfolgreiche Aktiengesellschaft verkauft. Späth vereint in seiner Person Politik- und Wahlkampferfahrung, Wirtschaftskompetenz und hohes ansehen bei den ostdeutschen Wählern.

Diese Qualitäten will Stoiber jetzt für die Union und für sich selbst nutzen. Zwar vermuten manche in und außerhalb der Union, die Aufnahme des Wirtschaftsberaters Späth ins erlauchte Gremium sei eher ein "Wahlkampfgag" . Stoiber selbst ließ gestern aber streuen, dass er den Jenoptik-Sanierer bei einem Wahlsieg der Union zu einem Superminister für Wirtschaft, Arbeit und Aufbau Ost machen wolle.

CSU-Vize Horst Seehofer soll dann Minister für Soziales und Gesundheit werden, vorausgesetzt er ist von der schweren Herzerkrankung genesen, wegen der er seit Anfang des Jahres außer Gefecht ist. Weiter werden Stoibers "Kompetenzteam" CDU-Chefin Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Fraktionschef Friedrich Merz und Bayerns Innenminister Günther Beckstein angehören. Merkel strebt nach der Wahl neben dem Parteivorsitz auch das Amt der Fraktionsvorsitzenden an. Sie wird daher im Wahlkampf nicht ein bestimmtes Politikfeld abdecken, sondern neben Stoiber als Generalistin zu allen wichtigen Fragen Stellung beziehen. Darauf haben sich die beiden Parteivorsitzenden verständigt, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld Stoibers.

Verlierer dieser Absprache ist Merz, der gern Fraktionschef geblieben wäre, aber nun vor allen die Kompetenz der Union in der Steuer- und Finanzpolitik personifizieren soll. Er ist damit auch für das Amt des Finanzministers prädestiniert. Merz wäre lieber Fraktionschef geblieben, da ihm dieser Posten als eine bessere Plattform für einen späteren Aufstieg ins Kanzleramt erscheint als die voraussichtlich unpopuläre Aufgabe eines Steuer- und Sparministers. Diesen Karriereplan hat aber Merkel, die eigene Ambitionen auf eine spätere Kanzlerschaft hat, in Absprache mit Stoiber durchkreuzt.

Schäuble soll nun im Stoiber-Team für die Außen-, Sicherheits- und Europapolitik verantwortlich zeichnen. Was davon nach einem Wahlsieg bleibt, ist fraglich. Wenn die Union einem möglichen Koalitionspartner FDP schon das Wirtschaftsministerium streitig macht, so gilt das Außenamt als sichere Bank des kleineren Partners. Ob Schäuble sich aber mit dem Job als Verteidigungs- oder gar Europaministers abfindet, ist offen.

Fest gesetzt gilt im Stoiber-Team Beckstein. Er soll nicht nur im Wahlkampf dem amtierenden Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) das Fürchten lehren, sondern auch dessen Nachfolger im Amt werden.

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