Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist zu hoch
Viele Telekom-Aktien sind noch zu teuer

Wer darauf wartet, dass es mit den gebeutelten Telekoms wieder bergauf geht, muss sich gedulden. Denn verglichen mit anderen Aktien sind Telekomwerte auch nach einem Kursverfall von teilweise über 90 Prozent immer noch zu teuer.

som/Bloomberg DÜSSELDORF/NEW YORK. Das ergibt ein Vergleich von Unternehmen aus verschiedenen Branchen hinsichtlich ihrer Verschuldung, den Umsatz- und Gewinnsteigerungen sowie der Bewertung an der Börse. Der Grund: Bei den Telekoms fallen die Gewinne schneller als die Kurse; entsprechend hoch bleibt der Wert, wenn man Gewinn je Aktie durch den Kurs dividiert (KGV).

Beispiel Deutsche Telekom: Der Konzern ist derzeit mit über 65 Mrd. Euro verschuldet. Bei einem jährlichen Umsatz von fast 50 Mrd. Euro bleibt nach Abzug von Steuern, Abschreibungen und vor allem Zinsen kein Gewinn übrig. Im Gegenteil: Die Schulden steigen weiter, und der Schuldenabbau wird auch künftig nicht signifikant vorankommen, räumte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick kürzlich ein. Solange aber Gewinne ausbleiben oder sehr gering sind, wird die Telekom hinsichtlich ihres hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses mit allen übrigen Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) nicht mithalten können. Anleger bestrafen dies: Seit März 2000 hat die T-Aktie 90 % verloren und sie fällt weiter.

Kaum besser sieht es in den USA bei Sprint und Qwest Communications aus. Seit Jahresanfang haben die Aktien von Sprint 72 % an Wert verloren, Qwest sackten 68 % ab. Ein KGV-Vergleich mit dem marktbreiten Standard & Poor's 500 Index zeigt, dass die Werte nach wie vor sehr teuer sind.

Telekom-Dienstleister und Telekom-Ausstatter wie Cisco Systems sind ebenfalls noch verhältnismäßig hoch bewertet. Von den 37 US-Branchenvertretern mit einer Marktkapitalisierung von über 500 Mill. $ haben die meisten ein KGV, das im Vergleich zum S&P 500 mehr als zwanzigmal so hoch ist.

Preise sinken

"Es ist schon ein Trauerspiel", klagt Ken Turek, Fondsmanager bei Northern Trust Corp: "Der Markt ist hart umkämpft, das drückt die Preise." Turek ist für den 330 Mrd. $ schweren Northern Global Communications Fund mitverantwortlich. Die Aussichten für den Telekomsektor haben sich verschlechtert, seit die Preise für Ferngespräche und die Wachstumsraten im Mobilfunkbereich sinken. Damit liegen die Einnahmen unter Plan. "Unternehmen wie WorldCom, AT&T oder Sprint haben den zukünftigen Datentransfer überschätzt und ihre Netze zu stark ausgebaut", erklärt Turek.

Qwest, deren Aktien 1998 ein Plus von 68 % verzeichneten und 1999 sogar 72 % zulegen konnten, kämpft heute um einen Vorschuss von 1 Mrd. $ für den Verkauf der Gelben Seiten. Bares ist nötig, um die 26,4 Mrd. $ schwere Unternehmensanleihe zu bedienen.

Cisco, der weltweit größte Netzwerkausstatter, musste nach dem Umsatzeinbruch mehrere Tausend Mitarbeiter entlassen und die Wachstumsprognose von 90 auf 30 % nach unten korrigieren. Wurden die Aktien im März 2000 noch zu mehr als 80 $ gehandelt, notieren Cisco heute bei rund 15 $. Das KGV liegt mit 42 immer noch höher, als bei den meisten Werten im S&P-500-Index.

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