Das Leben in Manhattan
"Nachts vermissen wir die Lichter"

Janet Hoffmann, Anwältin in der Kanzlei Fross Zelnik, über das Leben am Ground Zero. Sie wohnt unmittelbar neben dem World Trade Center.

Wir wohnen einen Block von Ground Zero entfernt. Wir hatten den Blick auf das World Trade Center. Mein Mann ist Künstler und war an dem Morgen zu Hause. Nach den Anschlägen sind wir für ein paar Wochen bei Freunden untergekommen. Erst Ende Dezember konnten wir zurück in unsere Wohnung, nachdem sie gründlich gesäubert worden war. Ich glaube, vielen ist nicht klar, was wir hier unten durchgemacht haben. Schon für Menschen im Norden der Stadt ist es, als wäre es im Fernsehen passiert. Wir haben Freunde dort, die sich weigern, hier runter nach Downtown zu kommen. Solange ich in der Wohnung bin, fühle ich mich nicht so betroffen. Aber sobald ich raus zur U-Bahn gehe, ist es wieder da.

Natürlich haben wir darüber nachgedacht, wegzuziehen. Mein Mann hat unter posttraumatischen Stress-Syndromen gelitten. Aber dann ist es auch wieder unser Heim. Und ich sehe die Wohnung als wichtigste Anlage für die Rente. Ich glaube, sie wird mehr wert sein als vor den Anschlägen. Die Gegend hier unten hat sich verändert. Über die Pläne für Ground Zero bin ich sehr enttäuscht. Wir brauchen kulturelle Einrichtungen, akademische Einrichtungen, um ein wenig Leben hierher zu bekommen.

Wenn es eine Lehre gibt, die man aus dem 11. September ziehen kann, dann ist es, dass es eine Kombination von Naivität und Arroganz gab und ein Versagen unserer Sicherheitsdienste. Hat sich die Stadt verändert? Ich glaube, New Yorker waren schon immer freundlich und hilfsbereit. Sie hatten nur einen schlechten Ruf. Mein Mann sagt, dass er sich immer noch anders fühlt, sentimentaler. Und nachts vermissen wir die Lichter des World Trade Centers.

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