Das Mediengeschäft in Deutschland wird spannend
Bundesliga wird sich bald selbst vermarkten

Während globale Konzerne den deutschen Medienmarkt übernehmen, wird sich die Bundesliga nach Meinung von Bernd Gäbler, Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts, bald selbst vermarkten.

DÜSSELDORF. Der Fall Kirch hängt weiter in der Schwebe. Fest steht nur so viel: Die beteiligten Banken wollen mehr Einfluss - Geld gegen Macht. Analysten glauben, dass die Banken gar die Mehrheit an der Kirch-Gruppe übernehmen könnten.

Bernd Gäbler, der sich als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts mit der Beobachtung und Bewertung von Medienangeboten und-entwicklung beschäftigt, sieht den gewachsenen Einfluss mit Besorgnis: "Für dieses Geschäft benötigt man ein ganz bestimmtes kulturelles Umfeld, das den Kreditinstituten meist fehlt." Schöpferische Kraft dürfe man von Banken nicht erwarten.

Aus diesem Grund sollte die Diskussion um die Rolle der Medien in Deutschland auch nicht bei Murdoch enden, sondern erst beginnen. "Wir müssen jetzt aufbereiten, was wir vorher verpasst haben", sagt Gäbler. Den allgemeinen Aufschrei, der Murdochs mögliches Engagement bei Kirch verursacht hat, versteht er ohnehin nicht. "Deutschland kann sich nicht auf Dauer abschotten. Wenn ein Konzern danieder liegt, darf es keine künstlichen Barrieren gegen einen ausländischen Markteintritt geben", meint Gäbler. Nationalistische Argumente dürften in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen.

Dennoch zeigt der Grimme-Chef Verständnis für die Bedenken der Murdoch-Gegner. Denn immerhin ist der Ruf, der dem australischen Medienmogul vorauseilt, nicht der beste. Zum einen sei zu befürchten, dass Murdoch seine Medienmacht in Deutschland wie schon in England politisch ausnutze.

Zum anderen stößt sich Gäbler an der Qualität der Medien in Murdochs Einflussgebiet: "In England hat er die Massenblätter gnadenlos auf Boulevardniveau herunter gefahren." Ein bedauernswerter Vorgang, aber seiner Meinung nach würden auch deutsche Unternehmen davor nicht zurückschrecken, wenn sie sich davon ausreichende Gewinne versprechen könnten.

Gäblers Vision einer optimalen Medienentwicklung sähe denn auch anders aus: "Der deutsche Medienmarkt braucht Bewegung und Konkurrenz. Ich hätte mir deshalb eine mittelständische Produzentenlandschaft gewünscht. Dadurch würde ein kreativeres Arbeitsumfeld entstehen." Global Player wie Murdoch, die ihre Konkurrenz durch Billigpreise vom Markt verdrängen, würden genau das verhindern.

Doch auch wenn Gäbler mit Murdochs Gebaren nicht völlig einverstanden sein kann: Mit ihm bliebe das Mediengeschäft in Deutschland zumindest spannend: "Wenn es überhaupt jemand schafft, in Deutschland Pay-TV zu etablieren, dann Murdoch. Ich bin gespannt, wie sein Geschäftsmodell aussehen wird. Ich glaube nicht, dass Sex und Fußball allein den Erfolg bringen werden."

Der Fußball würde nach Gäblers Ansicht ohnehin nicht mehr lange im Einflussbereich des australischen Medienmoguls liegen. Die Kosten der Übertragungsrechte seien im Moment viel zu hoch. "Mein Tipp lautet deshalb: Die Bundesliga wird sich - nach amerikanischem Vorbild - bald selbst vermarkten." Hinter den Kulissen werde daran schon eifrig gebastelt.

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