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Das miese Geschäft mit dem Fußball

Das Top-Thema des diesjährigen Sommerlochs ist unzweifelhaft die Verlegung der Fußball-Berichterstattung in die Abendstunden, also in die beste Sendezeit. Das, womit selbst die größten Pessimisten nicht gerechnet haben, ist eingetroffen: Der Fußball gerät ins Abseits, wird von der deutschen Volksmusik deklassiert.

In ihrem Begehren nach immer mehr Geld haben Verantwortliche des deutschen Profi-Fußballs den Konkurrenzkampf der Sender um exklusive Fußballrechte mit großer Professionalität ausgenutzt. Ihr Vertrag mit der Kirch-Gruppe hat so enorme Summen in die Kassen der Klubs gespült, wie sie kurz zuvor kaum vorstellbar waren. Bis auf wenige Ausnahmen (bravo SC Freiburg!) haben die Vereine mit diesem Geld Verträge verlängert, Gehälter drastisch erhöht, munter und teuer eingekauft und teilweise Rekordsummen in Spielertransfers und-gehälter investiert.

Kirch hat so gut gezahlt, weil er unbedingt sein Pay-TV zu einem Massengeschäft machen möchte. Um die Fans zum Decoder-Kauf zu locken, zwingt er die Fußballberichterstattung im freien Fernsehen in die Abendstunden. Aber es guckt kaum noch einer hin, und den Decoder wollen die TV-Konsumenten in den erhofften Zielzahlen offenbar auch nicht, obwohl im Pay-TV zweifellos eine Bundesligaberichterstattung auf sehr hohem qualitativen Niveau stattfindet. Sat 1 kommt dieser Zuschauerverlust teuer zu stehen. Die Werbespots in der Fußballsendung "ran" werden keine Spitzenpreise mehr erzielen. Und auch die Sponsoren und Werbepartner der Vereine werden nervös. Sie haben viel Geld ausgegeben, damit ihre Marke Millionen Fernsehzuschauer wahrnehmen.

Es besteht die Gefahr, dass künftig Sponsorengelder deutlich spärlicher ausfallen. Können dann die Gehälter der teuer erkauften Spieler noch bezahlt werden? Und was ist, wenn der Vertrag mit Kirch 2004 ausgelaufen ist? Wer wird dann noch annähernd so viel für Fernsehrechte zahlen? Kommt dann der große Ausverkauf?

Der Kater nach dem Goldrausch könnte verheerend sein. Noch ist nicht ausgemacht, wer die Zeche für diesen Mega-TV-Flop zahlt. Aber eins ist sicher: Wer beim Geschäft mit dem Fußball den Fan für dumm verkauft, der zahlt am Ende drauf. Hoffentlich besinnen sich die Verantwortlichen, bevor das geliebte Markenprodukt Fußballbundesliga weiteren Imageschaden nimmt.

In der Handelsblatt-Kolumne "Standpunkt" äußern sich freitags Prominente aus Sport, Wirtschaft und Politik zu aktuellen Sportbusiness-Themen.

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