Das Milliarden-Engagement von O2in Deutschland wurde mehrfach offen bedauert
Alle sechs UMTS-Lizenznehmer kämpfen mit Problemen

Die Euphorie um den Mobilfunk-Standard UMTS, dem die Zukunft gehören soll, ist längst verflogen. In der allgemeinen Branchenkrise kämpfen die sechs Telekom-Unternehmen, die im August 2000 für jeweils acht Mrd. Euro eine UMTS-Lizenz in Deutschland ersteigert hatten, mit schweren Problemen.

dpa HAMBURG. Quam: Das Konsortium von Telefónica Móviles (Spanien) und Sonera (Finnland) droht, als erstes aufzugeben. Zwar wird nach wie vor beteuert, dass an eine Rückgabe der Lizenz nicht gedacht wird. Es sollen jedoch keine neuen Kunden mehr im bestehenden GSM-Netz geworben werden. Die bisher 200 000 Kunden telefonieren wie gewohnt.

Mobilcom: Der einstige Börsenstar steckt in einer tiefen Krise. Der seinerseits hochverschuldete Großaktionär France Télécom stellt die vereinbarten Milliarden-Investitionen in den Aufbau eines UMTS-Netzes in Frage. Im Streit nahm der charismatische MobilCom-Gründer Gerhard Schmid seinen Hut. Ursprünglich wollte MobilCom mit seinen derzeit fünf Mill. Mobilfunk-Kunden unter den ersten UMTS-Anbietern sein und sich so einen Startvorsprung sichern.

E-Plus: Der drittgrößte deutsche Mobilfunkanbieter mit seinen rund 7,5 Mill. Kunden hat dem niederländischen Mutterkonzern KPN durch Abschreibungen von 13,5 Mrd. Euro einen Rekordverlust beschert. Zuletzt kam ein schleppender Start des Multimedia-Dienstes i-Mode - eine Art Vorläufer von UMTS - zu den Problemen hinzu.

T-Mobile: Der Mobilfunk-Tochter der Deutschen Telekom werden neben Vodafone D2 die besten Chancen beigemessen, das UMTS-Abenteuer zu bestehen. Allerdings hat die Telekom bereits mit einem Schuldenberg von 65 Mrd. Euro zu kämpfen, der US-Kauf VoiceStream muss noch aus der Problemzone geführt werden und der dramatische Kursverfall der T-Aktie senkt die Spielräume.

VodafoneD2: Die Tochter des nach eigenen Angaben größten Mobilfunk- Anbieters der Welt liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit T-Mobile um die Marktführerschaft in Deutschland. Beide haben mehr als 20 Mill. Kunden. Zumindest operativ gilt D2 profitabler als die Bonner Konkurrenz. Allerdings lasten auch auf dem britischen Konzern wegen der Übernahme von Mannesmann die Abschreibungen schwer: Im vergangenen Jahr machte Vodafone unter dem Strich einen Verlust von 13,5 Mrd. Pfund (21,2 Mrd. Euro).

O2: Die schweren Verluste der früheren VIAG Interkom und der hohe Kaufpreis für Übernahme der Mehrheitsanteile, der an Eon gezahlt wurde, haben maßgeblich zur tiefen Krise des Mutterkonzerns British Telecom beigetragen. Das Milliarden-Engagement in Deutschland wurde mehrfach offen bedauert. Das ungeliebte Kind wurde schließlich mit der gesamten Mobilfunksparte abgespalten und versucht nun mit rund vier Mill. Kunden einen Neuanfang als O2. Angesichts der Verluste wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 500 von 4000 Stellen abgebaut.

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