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Das mobile Missverständnis

Viele glauben, Mobile Publishing sei Online Publishing nur mit anderen Mitteln. Stimmt nicht, meint Olaf Deininger, mobile Plattformen integrieren das Internet und nicht umgekehrt. Beides ist falsch, kontert Stephan Sempert: Der Digitale Content Reaktor muss das Ziel sein.

Mobile Plattformen integrieren das Internet, behauptet Olaf Deininger.

Ich gebe es zu: Es ist eine gewagte These, wenn man behauptet, der Schwanz könne auf einmal meint mit dem Hund wedeln. Schließlich: was sind ein paar Milliarden SMS, einige Millionen Page-views in i-Mode oder einige Hunderttausend WAP-Seiten gegen das gigantische weltumspannende Netz des Internet mit Billionen von Seiten und Trilliarden von E-Mails? Ich gebe es zu: Im Augenblick noch relativ wenig.

So sehen das auch die Mehrheit der Verantwortlichen für Electronic Publishing. Und weil man mittlerweile mit allem digitalen Techniken vorsichtig geworden ist, spielt man im mobilen Bereich jetzt so langsam einmal mit, versucht das aber auf niedriger Flamme zu kochen. In der Realität sieht dass dann so aus, dass die Inhalte für die Webseite genommen werden und einfach für eine mobile Verwendung zurechtgestutzt. Die Erkenntnis am Ende des Tages heißt: Mobile Publishing bedeute in erster Linie wegschneiden.

Das ist natürlich ein Trugschluss, der sich irgendwann bemerkbar macht. Spätestens dann, wenn der zahlende Handybesitzer sich immer stärker über die verstümmelten Meldungen wundert, die sein Display erreicht. Und sich fragt, was er sich unter Value for Money vorzustellen habe. Und bevor es sich die Medienindustrie versieht, hat sich auch dieses Medium zur kostenlos Plattform "weiterentwickelt", weil für diese Art der Resteverwertung keiner bezahlen möchte.

Anders formuliert: Erfolgreiches Mobile Publishing braucht eigene Formate, spezielle Inhalte, geschulte Redakteure. Und spätestens dann, wenn die mobilen Portale multimediale Inhalte liefern können. Und während die Nutzer hier keine Probleme damit haben, auch für hoch-wertige Inhalte zu bezahlen, fristet das Internet weiter sein Dasein als Kostenlosmedium. Oder als Vermarktungsinstrument für mobile Angebote. Auch kein schlechter Gedanke.

"Sind wir auf dem Weg ins Mobile Zen?" fragt Stephan Sempert.

Weil der Weg das Ziel ist, ist das Medium die Message. Derlei absichtsvolle Verwischung der Grenzen hat zwar viel zur Popularisierung digitaler Medien beigetragen. Aber leider gar nichts zu ihrer erfolgreichen kommerziellen Anwendung.

Die Wahrheit ist: Das Internet ist überhaupt kein Medium. Und UMTS schon gar nicht. Medien sind der Personal Computer, das Notebook, das Handy, das Navigationssystem oder was auch immer sonst in Zukunft noch an dieses fantastische Datennetz angeschlossen ist. Meinetwegen drahtlos aber bitte nicht sinnlos.

Denn längst nicht mehr ist es die Nachricht an und für sich die zählt. Es ist der Kontext, in dem die Informationen erst ihren wahren Wert erhalten. In Zukunft wird es darum gehen, aus Redaktionen in denen Daten zu Nachrichten und anderen Inhalten heranreifen, professionelle Content Reaktoren zu entwickeln. In denen die Manager des Kontextes die gleiche Bedeutung haben wie die Redakteure des Inhaltes. Das wird nicht gehen ohne den Einsatz intelligenter Content Management Systeme. Die digitale Verarbeitung erlaubt eben nicht nur die schnelle Manipulation von Formaten (soweit sind wir ja schon), sondern auch der Schemas in denen die Informationen zusammengefasst werden. Aber das ist ein Feld, das wohl erst beackert werden wird, wenn Medien nicht mehr mit den Nachrichten verwechselt werden, die sie transportieren.

Wissen Sie übrigens was ein Zen-Sandwich ist? "Make me one with all". Jack Kerouac.

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

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